Nach der Partie waren sich die bayerischen Protagonisten einig: Die Niederlage gegen den FC Augsburg (1:2) wollte man nicht an einer Position oder gar einer Person festmachen. Das Mantra der Münchner lautete: Irgendwie sind alle gleichermaßen schuld.
Wie sich Bayerns Statik ändert
Wie sich Bayerns Statik ändert
„Wir gewinnen gemeinsam und wir verlieren gemeinsam“, brachte es Sportvorstand Max Eberl auf den Punkt. Und auch Joshua Kimmich und Jonathan Tah wollten bei der Spurensuche nicht konkreter werden. „Man muss immer hart arbeiten und am Maximum sein“, erklärte Kimmich.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Nach vorne fehlte zuweilen die Kreativität und hinten merkte man deutlich, dass die Viererkette aus Alphonso Davies, Tah, Minjae Kim und Hiroki Ito nicht die erste Garde der bayerischen Defensivkunst darstellt – schon gar nicht in dieser Konstellation, denn Davies musste in der ungewohnten Rolle als Rechtsverteidiger ran.
Nach seiner langen Verletzungspause hätte es sicher angenehmere Voraussetzungen für den Kanadier gegeben.
FC Bayern: Ausfälle machen sich bemerkbar
Wie bereits beim deutlichen Sieg in Leipzig (5:1) war zu sehen, dass die Verletzungen von Josip Stanisic (Sprunggelenksverletzung) und Konrad Laimer (Muskelfaserriss) die Bayern härter treffen, als viele geglaubt hätten. Trainer Vincent Kompany ist aktuell dazu gezwungen, auf den Außenverteidigerpositionen das Personal zu jonglieren.
Somit entstand gegen den FCA die Situation, dass auf rechts zunächst der angesprochene Davies und schließlich Kimmich spielen mussten. Letzterer fehlte merklich im Zentrum, wo Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka jeweils einen gebrauchten Tag erwischten.
„Das darf nie irgendein Grund oder eine Ausrede sein“, stellte Tah mit Blick auf Kimmichs Fehlen auf der Sechser-Position fest, zu spüren war dessen Abwesenheit allerdings durchaus.
Die Statik im Spiel der Bayern ändert sich, wenn Tom Bischof mal rechts, mal links spielt, Davies plötzlich auf der „falschen“ Seite aufgestellt wird oder Kimmich aushelfen muss. In der aktuellen Phase kein Drama, doch in der „Crunchtime“ könnte diese negative Kettenreaktion den Münchnern zum Verhängnis werden.
Kompany: „Sie müssen das machen, um weiterzuhelfen“
„Wir haben das schon so oft gelöst und hatten so oft Vertrauen. Für uns ist das Wichtigste, dass wir fit aus dieser Phase kommen – klar, die Ergebnisse (müssen auch stimmen; Anm. d. Red.). Wenn mal ein Spieler nicht auf seiner besten Position spielen muss, gehört das zum kollektiven Beitrag. Sie müssen das machen, um uns weiterzuhelfen“, erklärte Kompany auf Nachfrage von SPORT1. Er habe immer Vertrauen in seine Spieler.
Der Bayern-Trainer wies zwar darauf hin, dass derzeit drei Rechtsverteidiger (Laimer, Stanisic und Sacha Boey) fehlen, doch jammern will er nicht. Was soll er auch tun?
Dass man mit Sätzen wie „Ich dachte, wir wären schon weiter“ oder der Forderung nach immer neuen Verpflichtungen in München nicht weit kommt, musste sein Vorgänger Thomas Tuchel schmerzlich erfahren. Kompany agiert hier cleverer, weil ruhiger.
Kimmich betont Flexibilität
Und: Die Stars widersprechen ihm in diesem Punkt nicht. „Ich glaube, wir leben auch davon, dass viele Spieler auf verschiedenen Positionen spielen können und ihre individuelle Qualität einbringen können“, sagte Kimmich und erinnerte daran, dass ja auch Stanisic und Laimer nicht reine Rechtsverteidiger seien.
Dass er selbst aber bald wieder in der Mitte auftauchen will, dürfte klar sein. Ob ihm Kompany angesichts der Personalnot diesen Gefallen tun kann, bleibt vorerst fraglich.