Neue Entwicklungen im Fall Stefan Kuntz: Der Aufsichtsrat des Hamburger SV hat am Montag ein ausführliches Statement veröffentlicht und darin die Aussagen des ehemaligen Sportvorstandes gekontert.
"Nachweislich unwahr": HSV kontert neue Kuntz-Aussagen
HSV kontert neue Kuntz-Aussagen
„Die von Stefan Kuntz verbreiteten Aussagen zu den Hintergründen seines Ausscheidens machen folgende Richtigstellungen erforderlich“, war in der Erklärung zunächst zu lesen.
„Das von mehreren Hinweisgebenden unabhängig voneinander glaubhaft geschilderte Fehlverhalten, das zu internen Ermittlungen führte, umfasst zahlreiche schwerwiegende Pflichtverletzungen, die jeden verantwortungsvollen Aufsichtsrat zum Handeln veranlassen mussten“, erklärte der Bundesligist.
Kuntz hatte sich zuletzt bei der Süddeutschen Zeitung zu den Vorwürfen der sexuellen Belästigung geäußert und dabei den Eindruck erweckt, keine Pflichtverletzungen begangen zu haben. Kuntz erklärte zudem, die erhobenen Vorwürfe nicht gekannt zu haben.
Außerdem hatte er beklagt, er habe nicht wirklich die Möglichkeit von dem Kontrollgremium erhalten, sich zum Sachverhalt und den Anschuldigungen zu erklären.
HSV nennt Kuntz-Darstellungen „nachweislich unwahr“
Als „nachweislich unwahr“ betitelte der HSV-Aufsichtsrat jene Unterstellungen in der am Montag veröffentlichten Erklärung.
„Am 18. Dezember wurde Stefan Kuntz förmlich über die Untersuchung informiert; am 19. Dezember wurden seinen damaligen Anwälten in anonymisierter Form die Inhalte sämtlicher bis dahin vorliegender Zeugenaussagen mitgeteilt“, hieß es weiter.
Kuntz seien über seine Anwälte zwei Termine (22. und 23. Dezember) für die Anhörung angeboten worden: „Hierauf gingen Stefan Kuntz und seine Anwälte nicht ein.“ Zwei weitere Anhörungstermine seien in der Folge verschoben oder abgesagt worden.
„Am 27. Dezember informierte uns Stefan Kuntz über einen Wechsel seiner Anwälte und bat um einen Anhörungstermin am 29. Dezember ab 11 Uhr. Diesen Termin hat der Aufsichtsrat gegenüber den neuen Anwälten bestätigt“, werden die HSV-Bosse zitiert.
HSV: Kuntz stand nicht für eine Anhörung zur Verfügung
Am Vorabend des besagten Termins habe Kuntz über seine Anwälte mitgeteilt, „doch nicht mehr für eine Anhörung zur Verfügung zu stehen und den Termin stattdessen für die Verhandlung des Aufhebungsvertrages nutzen zu wollen. Eine Anwesenheit bei diesem Termin lehnte Stefan Kuntz ab.“
Den neuen Anwälten von Kuntz sei bei dem Termin angeboten worden, „die bis dato ermittelten Vorwürfe erneut detailliert mitzuteilen. Die neuen Anwälte von Stefan Kuntz lehnten dies ab und teilten mit, die Vorwürfe seien ihnen bekannt.“
Der HSV wies außerdem auf die „Wahlmöglichkeit“ des Stefan Kuntz hin: „Es trifft ferner nicht zu, dass zu Stefan Kuntz gesagt wurde, seine Anhörung könne zu einem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe führen.“
Tatsächlich sei kommuniziert worden, „dass eine einvernehmliche Aufhebungsvereinbarung eine Möglichkeit sei, eine längere und möglicherweise öffentlich werdende Untersuchung zu vermeiden“. Kuntz habe sich schließlich „aus freien Stücken für den Abschluss der Aufhebungsvereinbarung entschieden“.
Kuntz stellt Strafanzeige und zieht diese zurück
Der Verein stellt klar: „In diesem Zusammenhang hat Stefan Kuntz über seine Anwälte die Rücknahme seiner Strafanzeige vorschlagen lassen, damit der Wunsch, die Trennung diskret zu kommunizieren, nicht vereitelt wird. Inzwischen wissen wir, dass der Inhalt dieser, uns erst seit dem 30. Dezember vorliegenden Strafanzeige mindestens in Teilen nachweislich unwahr ist.“
Kuntz hatte am 12. Dezember über eine Anwältin aus Landau Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Nachstellung gestellt. Unter dem Titel „Eskalation im beruflichen Umfeld“ ließ der Ex-Vorstand darin acht Punkte zu angeblich ungewöhnlichem Verhalten von HSV-Mitarbeiterinnen sammeln. Am 8. Januar zog die Kuntz-Seite die Anzeige zurück.
Beim HSV hält man es „im Interesse sämtlicher betroffener Personen für bedauerlich, dass diese öffentlichen Richtigstellungen erforderlich geworden sind“. Der Verein bittet um Verständnis, „dass er weder die selbst festgestellten Pflichtverletzungen im Einzelnen mitteilen wird, noch Medienberichte Dritter zu angeblichen sonstigen Sachverhalten kommentieren kann“.
Am 12. Januar hatte sich der Aufsichtsrat des HSV erstmals öffentlich zu Wort gemeldet und eine Stellungnahme veröffentlicht. Die Norddeutschen teilten mit, dass die Aussagen aus dem Umfeld von Kuntz und die Äußerungen des 63-Jährigen selbst in den Sozialen Medien nicht der Wahrheit entsprächen.