Bundesliga>

Wie geht es nach dem Kuntz-Knall beim HSV weiter?

Wie geht es jetzt beim HSV weiter?

Stefan Kuntz und der Hamburger SV gehen auf Wunsch des Sportvorstands mit sofortiger Wirkung getrennte Wege. Ein ungeahntes HSV-Beben, das viele Fragen hinterlässt.
Der Hamburger SV startet mit einem Paukenschlag ins neue Jahr. Das Aus von Stefan Kuntz kam unerwartet und lässt Fragen offen.
Stefan Kuntz und der Hamburger SV gehen auf Wunsch des Sportvorstands mit sofortiger Wirkung getrennte Wege. Ein ungeahntes HSV-Beben, das viele Fragen hinterlässt.

Das neue Jahr beginnt für den Hamburger SV mit einem Knall - oder wie es die Hamburger Morgenpost am Freitag betitelte, mit einem „Kuntz-Knall“. Wie der Verein bekannt gab, einigte man sich mit Sportvorstand Stefan Kuntz auf eine sofortige Beendigung der Zusammenarbeit.

Kuntz hatte den HSV aus „persönlichen familiären Gründen“ nach den Weihnachtstagen um diesen Schritt gebeten. „Manchmal gibt es wichtigere Dinge als Fußball. Das ist nun bei mir der Fall”, erklärte Kuntz, ohne seine Beweggründe weiter auszuführen.

Kuntz weg! Wie geht es beim HSV jetzt weiter?

Es war eine Entscheidung, die nicht nur extern, sondern auch im Verein für sehr viele Beobachter sehr überraschend kam. Zumal der HSV und Kuntz auf gutem Wege waren, den ursprünglich im Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern.

Und dafür gab es auch reichlich Gründe. Aufstieg, finanzieller Aufschwung und eine Klub-Kultur mit Bodenständigkeit und Tatendrang: Kuntz hat im hohen Norden in anderthalb Jahren viel bewegt. Stattdessen stellt sich jetzt die Frage: Wie geht es beim HSV weiter?

Im ersten Anlauf! Kuntz gelang, was beim HSV keiner schaffte

Als der heute 63-Jährige sein Amt im Mai 2024 antrat, rannte der HSV immer noch dem einen großen Ziel hinterher, das so sehnsüchtig herbeigewünscht wurde: die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga. Während die Hamburger zuvor sechsmal in Folge den Aufstieg verpassten, gelang mit Kuntz schon in seinem ersten Jahr der große Coup.

Nach einem furiosen 6:1 gegen den SSV Ulm sicherten sich die Rothosen am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison den direkten Aufstieg und lösten grenzenlose Freude aus - auch dank Kuntz, der unter den Fans ein hohes Standing besitzt.

Der Sportvorstand schreckte dabei auch nicht vor mutigen Entscheidungen zurück: Trainer Steffen Baumgart musste nach einem halben Jahr gehen. Anschließend beförderte Kuntz Merlin Polzin, der letztlich zum Aufstiegshelden wurde.

„Es war mir eine große Ehre, Teil dieses besonderen Vereins zu sein. Die Zeit beim HSV war intensiv, emotional und geprägt von echten Werten“, erklärte Kuntz, der zudem offenbarte, der HSV werde „immer ein Teil“ von ihm bleiben.

„Stefan hat mit seinem Team vieles bewegt“, stellte auch der Gremiumsvorsitzende Michael Papenfuß fest. Dabei gingen die Verdienste des Europameisters von 1996 aber über das Sportliche hinaus.

Kuntz und der HSV: Zwischen Statement-Transfers, finanziellen Meilensteinen und neuer Ruhe

Kuntz schaffte es, dass beim Traditionsverein wieder mehr Ruhe einkehrte und eine Kultur des Anpackens entstehen konnte. Auch finanziell entwickelte sich der HSV zuletzt spürbar. Gemeinsam mit Finanzvorstand Eric Huwer konnte er 2024/25 einen Umsatz in Höhe von 126,5 Millionen Euro vorweisen und einen Gewinn von 4,4 Millionen Euro erwirtschaften. Der Klub bezeichnete dies als „Meilenstein auf unserem nachhaltigen Wachstumskurs“.

Auch dank dieser finanziellen Grundlage konnte Kuntz nach dem Aufstieg drei Statement-Transfers auf der Zielgeraden verwirklichen. Luka Vuskovic und Fábio Vieira wechselten per Leihe an die Elbe, während Albert Sambi Lokonga für nur 300.000 Euro vom FC Arsenal kam.

Alle drei wurden in dieser Saison zu wichtigen Säulen, die mit dafür verantwortlich waren, dass der HSV zur Winterpause über dem Strich steht. Das Team von Polzin, das am Freitag den Vorbereitungsbeginn für den Restart auf dem Plan hatte, ist mit 16 Punkten nach 15 absolvierten Partien und Rang 13 auf Kurs, muss mit Blick nach unten allerdings wachsam bleiben.

So plant der Hamburger SV auf dem Transfermarkt

Damit die Gefahr des direkten Wiederabstiegs frühzeitig gebannt werden kann, hat der HSV nach SPORT1-Informationen im Winter einiges vor.

Ein bis zwei neue Stürmer und ein Ersatzkeeper - bei einem vielleicht bevorstehenden Abgang von Daniel Peretz - stehen weit oben auf der Liste der Verantwortlichen. Zudem hält man in Hamburg auch die Augen nach einem Backup auf der Position des Linksverteidigers offen.

HSV: Wer füllt die Lücke nach dem „Kuntz-Knall“?

Schaut man auf die Verdienste von Kuntz und das gerade erst geöffnete Wintertransferfenster, wird jedoch eines besonders klar. Beim HSV entsteht nach dem „Kuntz-Knall“ eine spürbare Lücke, die von den verbliebenen Bossen viel Verantwortung verlangt.

Zwar sieht sich der HSV weiterhin gut aufgestellt für die anstehenden Aufgaben, die Suche nach einem geeigneten Nachfolger läuft aber bereits auf Hochtouren. Priorität hat dabei jedoch eine Lösung mit Zukunftsperspektive und keine schnellstmögliche Neubesetzung des Postens.

Bis dahin liegt die Verantwortung vor allem bei Finanzvorstand Huwer und Sportdirektor Claus Costa, die sich nun schnell an ihre neuen Aufgaben gewöhnen müssen.

Zumindest Costa war bereits im Sommer maßgeblich am Schnäppchentransfer von Lokonga beteiligt. Schon zu seiner Zeit als Scout in Leverkusen war man am damaligen Talent vom RSC Anderlecht dran. Auch wenn es nicht zum Transfer kam, blieb der Kontakt bestehen, bis die Wege schließlich beim HSV zusammenführten.

-----

Mit Sport-Informations-Dienst (SID)