Wenn der FC Bayern am kommenden Samstag zum Bundesliga-Topspiel bei Borussia Dortmund gastiert, kann es für den deutschen Rekordmeister nur ein Ziel geben. Mit einem Sieg in Westfalen würde Bayern den BVB an der Tabellenspitze auf elf Punkte distanzieren, die vorgezogene Entscheidung im Titelrennen wäre gefallen.
BVB: Wird Kovacs System zum Verhängnis gegen den FC Bayern?
Wird Kovacs System zum Bayern-Vorteil?
Die letzten sechs Gastspiele in Dortmund hat der FC Bayern nicht verloren, die Karten für eine vorzeitige Titelentscheidung stehen nicht allzu schlecht. Hinzu kommt: BVB-Schlüsselspieler Julian Ryerson wird im Bundesliga-Topspiel fehlen.
Diomande bereitet Ryerson große Probleme
Der Norweger sah beim 2:2-Remis in Leipzig seine fünfte Gelbe Karte und wird gegen Bayern nur die Zuschauerrolle einnehmen. In dieser befand sich der Rechtsverteidiger auch phasenweise in der Leipziger Red Bull Arena, als ihn RB-Senkrechtstarter Yan Diomande mehrmals ins Karussell schickte.
Beide Leipziger Tore entstanden über die rechte Abwehrseite des BVB, auf der Dortmunds Cheftrainer Niko Kovac für gewöhnlich Ryerson aufbietet. Gegen eine - wie Ex-Nationalspieler Steffen Freund im SPORT1 Doppelpass befand - mit Diomande und David Raum besetzte „bärenstarke linke Seite der Leipziger“ sah der Norweger nicht immer gut aus, wurde fairerweise aber auch oftmals gegen das Duo von seinen Kollegen im Stich gelassen.
Diomande, der für gewöhnlich über die rechte Seite kommt, strahlte gegen Dortmund überraschend auf der linken Offensivbahn seine Gefahr aus. Ein taktischer Kniff von RB-Cheftrainer Ole Werner, wie Freund anmerkte und einen Zusammenhang mit Dortmunds rechtem Innenverteidiger Luca Reggiani erkannte.
„Er hatte sein erstes Auswärtsspiel, er ist ein junger Innenverteidiger und bekam es rechts immer wieder mit Diomande zu tun. Dann kam auch David Raum noch von hinten“, erklärte der Europameister von 1996.
Wurden die Dortmunder „Opfer ihres Systems?“
Dass Leipzig dem BVB vor allem über die Außenbahnen gehörig Probleme bereitete und zu zwei Torerfolgen kam, führte Podcasterin und Moderatorin Lena Cassel in erster Linie auf das Spielsystem von Niko Kovac zurück. Dass der 54-Jährige mit einer Dreierkette und zwei Schienenspielern agieren lässt, spielte einer Mannschaft wie Leipzig, die für gewöhnlich mit einer Viererkette aufläuft, in die Karten.
„Ich bin mir relativ sicher, dass sich Ole Werner noch einmal das Champions-League-Spiel des BVB gegen Manchester City angeschaut hat. Da gab es baugleich die Gegentore auf diese Art und Weise”, erläuterte Cassel im SPORT1-Doppelpass.
Leipzig habe mit seinen Schienenspielern „das Dortmunder System auch ein Stück weit entzaubert. Wenn du mit einer Viererkette spielst - und das hat Leipzig -, dann hast du die Flügel doppelt besetzt und kannst wie zum Beispiel mit einem David Raum, der sehr offensiv ist, Überzahlsituationen kreieren. Dann ist der Raum sehr frei gewesen – auch weil sich Reggiani vielleicht nicht getraut hat, aus der Zentrale rauszurutschen und Ryerson zu unterstützen."
Auch deshalb seien die Dortmunder „ein Stück weit Opfer ihres Systems geworden – auch weil Niko Kovac nicht wirklich andere Möglichkeiten hat, als in diesem System zu spielen".
Profitiert auch Bayern von Kovacs System?
Kovac mangele aus ihrer Sicht an mehreren klassischen Außenbahn-Spielern im Kader. „Es gibt Karim Adeyemi - und das war es. Er kann nicht umstellen. Und auf allerhöchstem Niveau – und Leipzig war jetzt der erste Gegner in den letzten Wochen, der individuell richtig stark war –, wird es für Dortmund mit diesem Kader schwer. Sie haben wenig Variabilität.“
Was schon gegen RB Leipzig zu großen Dortmunder Problemen geführt hatte, dürfte erst recht gegen den FC Bayern zur großen Herausforderung werden. Auch Vincent Kompany lässt vorzugsweise mit einer Viererkette agieren und verfügt mit Luis Díaz und Michael Olise über die gefährlichste Flügelzange der Bundesliga.
Sage und schreibe 54 Scorerpunkte sammelte das Duo in den bisherigen 23 Ligaspielen, im Hinspiel hatte Olise das zwischenzeitliche 2:0 erzielt.
Möglich ist es, dass der Ligagipfel am kommenden Samstag über die Außenbahnen entschieden wird. Die Bayern dürften den Leipziger Auftritt gegen Dortmund jedenfalls genauestens unter die Lupe genommen haben.