Am Bayern-Campus tut sich – mal wieder – eine Menge. Im Winter gab der Rekordmeister gleich vier Top-Talente ab. Felipe Chávez wurde nach Köln verliehen, Javi Fernández an den 1. FC Nürnberg, Magnus Dalpiaz ging ebenfalls leihweise zur AC Mailand und Adin Licina wechselte ablösefrei zu Juventus.
FC Bayern: Der Campus ist besser als sein Ruf
Der Bayern-Campus liefert
Hinzu kamen aus dem erweiterten Kreis Jussef Nasrawe (leihweise zum SV Ried), Grayson Dettoni (leihweise nach Darmstadt), Richard Meier (leihweise nach Unterhaching) und Moritz Göttlicher (fester Wechsel nach Bochum).
Es sind Abschiede, die viele Fans schmerzen. Schließlich lieben es die Anhänger des Rekordmeisters, wenn es junge Talente vom Campus in die Profi-Mannschaft schaffen. Aleksandar Pavlovic, Lennart Karl, Josip Stanisic und Jamal Musiala sind die Namen, auf die noch weitere Youngster folgen sollen.
Daher ist aktuell im Zusammenhang mit der Nachwuchsarbeit der Bayern immer wieder von einem „Aderlass“ die Rede oder gar einer „Flucht der Talente“. Doch die Wahrheit steckt im Detail. Der Campus ist besser als sein Ruf.
Antwort auf den Transfer von Neymar zu PSG
Fakt ist: Aktuell befindet sich der Campus auf einem guten Weg. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2017 verfolgt man geradlinig einen Weg, der mittlerweile Früchte trägt. Niemand Geringerer als Klub-Patron Uli Hoeneß hatte bereits damals die Jugendarbeit des FC Bayern als Antwort auf den 222-Millionen-Transfer von Neymar zu PSG auserkoren. Nun ist es so weit.
Dass es aber nicht jeder begabte Spieler in die erste Mannschaft schaffen kann, liegt auf der Hand. Deswegen verlassen reihenweise Talente den FC Bayern. „Jetzt bist du in einer Halbserie und entscheidest immer wieder neu. Wir machen uns immer wieder Gedanken (…) und haben keine UEFA Youth League mehr“, sagte Sportvorstand Max Eberl am Samstag auf der Pressekonferenz. Man wolle den Spielern den nächsten Schritt ermöglichen und die potentiellen Karrierewege vorhersehen.
Zudem die Marschroute am Campus: Man möchte nicht nur dem eigenen Klub dienen, sondern dem deutschen Fußball im Allgemeinen. Dass in den Profiligen reihenweise Ex-Bayern aktiv sind, sieht man als Auszeichnung. Der Campus liefert – und zwar an das ganze Land.
Ein wichtiger Finanzfaktor für den gesamten Verein
Die Rechnung der Münchner: Jeder Spieler, der es in einer Spielklasse, in der man üblicherweise 100.000 Euro oder mehr pro Jahr verdient, auf 30 Einsätze bringt, ist ein Erfolg. Legt man dieses Maß an, schafft das fast die Hälfte der am Campus ausgebildeten Spieler.
Zur Wahrheit gehört zudem: Die Nachwuchsarbeit hat sich zu einem wichtigen Finanzfaktor für den gesamten Verein entwickelt. In den Punkten Leihgebühren und Transfererlöse kam der FCB durch die Abgabe seiner Youngster im vergangenen Sommer auf fast 40 Millionen Euro. Angesichts der horrenden Gehälter und Handgelder, die man mittlerweile im Profibereich bezahlen muss, ein nicht unwichtiger Punkt.
Mit dem gerade frisch verpflichteten Michael Wiesinger will der Klub nun den nächsten Schritt gehen. „Der Campus rückt beim FC Bayern immer mehr in den Fokus. Das zeigen die aktuellen Einsatzzeiten unserer jungen Talente bei den Profis, allen voran Lennart Karl. Wir planen für immer mehr Spieler erfolgreich ihre Schritte in den Profifußball“, ließ sich jüngst Nachwuchs-Direktor Jochen Sauer zitieren. Der Rekordmeister will sich daher in der Breite noch besser aufstellen, um den Aufgaben im Alltag gerecht zu werden.
FC Bayern: Zukunft von Weinzierl offen
Wiesinger gilt trotz seiner Trainer-Vergangenheit eher als Manager-Typ, der langfristige Karriere-Planungen im Blick hat. Er wird im Mai sportlicher Leiter am Campus und ersetzt damit Markus Weinzierl. Dessen Zukunft ist SPORT1-Infos zufolge weiterhin vollkommen offen, eine Tendenz ist bislang nicht erkennbar. Ein Abschied ist genauso in der Verlosung wie ein Verbleib in München.
„Wenn wir was verändern, heißt es nicht automatisch, dass Personen gehen müssen. Aber wenn wir in Führungsdingen etwas anpassen, dann werden die sich mit diesen Menschen unterhalten und schauen, was sind die besten Mitarbeiter für den Campus für die nächsten Jahre“, sagte Sportvorstand Max Eberl Ende Januar auf Nachfrage von SPORT1.
Das klang nicht so, als hätte Weinzierl eine Jobgarantie. Sein Schicksal liegt womöglich unter anderem in den Händen von Wiesinger.