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VAR-Debatte: Was Schiris hinter vorgehaltener Hand sagen | Bundesliga-Kolumne

Was Schiris über den VAR denken

Im DFB-Pokal wird das VAR-Chaos einmal mehr offensichtlich. Was selbst Schiedsrichter hinter vorgehaltener Hand sagen und wie der Videobeweis noch zu retten ist, verrät die SPORT1-Kolumne von Tobias Holtkamp.
Leipzig-Coach Ole Werner war nach dem Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern wegen Schiedsrichter Daniel Siebert außer sich. Wurden seine Roten Bullen gleich zweimal benachteiligt?
Im DFB-Pokal wird das VAR-Chaos einmal mehr offensichtlich. Was selbst Schiedsrichter hinter vorgehaltener Hand sagen und wie der Videobeweis noch zu retten ist, verrät die SPORT1-Kolumne von Tobias Holtkamp.

Auch im Pokal-Viertelfinale FC Bayern gegen RB Leipzig gab es Ärger um den VAR. Die Gäste waren aufgebracht, weil ein Foulspiel an der Strafraumgrenze nicht geahndet wurde. Und jeder konnte den Ärger verstehen.

Dass sich Schiri Daniel Siebert danach nicht zum Interview stellen wollte, um Licht ins Kommunikations-Dunkel mit dem „Kölner Keller“ zu bringen, erhitzte die Gemüter weiter. Laut RB-Trainer Ole Werner verweigerte ihm Siebert nach Abpfiff sogar den Handschlag, die Geste der Versöhnung.

Darüber beschweren sich auch Schiris beim VAR

Es vergeht kaum mehr ein Spiel, in dem es nicht knallt. Wut und Unverständnis regieren auf Seiten der Klubs und immer mehr Experten, die lange vor allem die positiven Aspekte des Video-Schiedsrichters in den Vordergrund gestellt hatten, verlieren den Glauben. Nicht an die Technologie, aber an die Umsetzung.

Das Schlimme: Hinter vorgehaltener Hand sprechen auch die Schiris über die großen Probleme beim VAR-Einsatz.

Dass eine klare und vor allem einheitliche Linie fehlt. Dass es jede Woche, je nach Besetzung der Kontrollräume in Köln, unterschiedliche Sicht- und Arbeitsweisen gibt. Wann sich wer einschaltet – und wann nicht. Die Fronten sind verhärtet, schon auf Seiten der Schiedsrichter.

Als Konsequenz, so sieht es ein aktueller Bundesliga-Schiedsrichter, sei immer häufiger zu erkennen, dass es den Spielleitern vor allem darum ginge, bei potenziellen Fehlentscheidungen nicht der offensichtlich Schuldige zu sein. Der eigene Ruf und die anschließende Bewertung, nämlich nichts falsch gemacht zu haben, stehen über allem.

Was im DFB-Pokal ohne VAR auffiel

Die Schiedsrichter auf dem Platz lassen das Spiel in kritischen Situationen immer häufiger laufen und geben die Verantwortung ab in Richtung Kontrollraum. Der Assistent vor dem Bildschirm wird so zum Haupt-Verantwortlichen gemacht.

In den DFB-Pokalrunden, die ohne VAR-Einsatz gespielt wurden, war die neue Verunsicherung der Spielleiter deutlich zu spüren. Ohne „Entscheider“ im Ohr wirkten einige überfordert. „Die Schiedsrichter haben verlernt, autonom zu arbeiten“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Warum der VAR trotzdem bleiben muss

Aktuell herrscht VAR-Chaos und die Lage wird immer schlimmer statt besser. Dennoch darf die Nutzung technologischer Hilfsmittel in der Aufklärung schwieriger Spielsituationen nicht in Frage gestellt werden.

Gerade die momentane Unzufriedenheit – und zwar auf allen Seiten – zeigt, wie wichtig klar nachvollziehbare und verständliche Entscheidungen sind. Deswegen muss der VAR auf jeden Fall bleiben.

Nur, und darum muss es dringend gehen: Einsatz und Integration ins Spiel müssen verbessert werden. Dass bei der Einführung neuer Technologien etwas ruckelt, auch mal ganz heftig, das war immer so und das gehört, so nervenaufreibend es oft ist, leider auch dazu.

Es müssen nur die richtigen Schlüsse gezogen und das Projekt transparent mit allen Beteiligten nach vorne entwickelt werden. Immer weiter, immer besser – statt immer frustrierter.

Das Thema VAR einfach zu beenden und im deutschen Profifußball wieder einzustellen, wäre ein Armutszeugnis. Und der größtmögliche Schritt zurück.