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Bundesliga: Schlägt bald seine große Stunde?

Das fast vergessene HSV-Juwel

Otto Stange deutete bereits vergangene Saison in der 2. Liga sein Talent an. Nach einer durchwachsenen Ausleihe nach Elversberg ist er nun zurück beim HSV – und trifft im Sturm auf ein Überangebot an Konkurrenten.
Otto Stange war ein halbes Jahr an die SV Elversberg ausgeliehen und feierte gegen Leverkusen sein Comeback beim Hamburger SV. Trainer Merlin Polzin lobt den Youngster.
Otto Stange deutete bereits vergangene Saison in der 2. Liga sein Talent an. Nach einer durchwachsenen Ausleihe nach Elversberg ist er nun zurück beim HSV – und trifft im Sturm auf ein Überangebot an Konkurrenten.

Otto Stange war in den vergangenen Monaten nur äußerst selten präsent beim Hamburger SV. Doch wenn dies der Fall war, dann ließ das Juwel die Herzen der Fans höher schlagen.

So auch am Mittwochabend, als der 19-Jährige gegen Bayer Leverkusen eingewechselt wurde: Es brandete großer Jubel in der Hamburger Arena auf. Bis Szenen dieser Art zur Regelmäßigkeit werden, dauert es allerdings womöglich noch ein wenig.

Die Konkurrenzsituation beim HSV ist für Stange groß. Der Mittelstürmer hat mit Yussuf Poulsen, Robert Glatzel, Ransford Königsdörffer und Winter-Neuzugang Damion Downs vier Spieler auf der gleichen Position um sich. Was er tun muss, um ausreichend Spielzeit zu bekommen? „Ich muss besser sein“, antwortete er grinsend auf Nachfrage von SPORT1.

Beim Nachholspiel gegen Leverkusen, als er sein zweites Bundesligaspiel absolvierte, deutete er dies an. In der Nachspielzeit zog er an drei Leverkusenern vorbei und brachte den Ball mit dem Außenrist auf das Tor. Leverkusen-Torwart Janis Blaswich verhinderte zwar das mögliche 1:1. Bemerkenswert war sein Auftritt dennoch.

Tore von Stange sorgten für Euphorie im Volksparkstadion

„Er hat und zeigt noch immer diese Unbekümmertheit“, betonte HSV-Trainer Merlin Polzin auf Nachfrage von SPORT1: „Wenn du der Mannschaft, dem Trainer und dem Stadion das Gefühl gibst: Wenn der Junge am Ball ist, kann etwas entstehen, ist das als Offensivspieler nicht ganz so verkehrt.“

Stanges Fähigkeiten sind schon länger bekannt. Der deutsche U19-Nationalspieler ist gebürtiger Hamburger und wurde unter anderem beim HSV ausgebildet. Vergangene Saison ließ er mehrfach sein Talent durchblicken, als er in 14 Zweitligaspielen zum Einsatz kam.

Bei den Heimspielen gegen Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf erzielte er jeweils ein Tor. Die Treffer wurden im Volksparkstadion besonders euphorisch gefeiert, weil er als Eigengewächs für Identifikation sorgt.

Ausleihe nach Elversberg abgebrochen

Und doch geriet das HSV-Juwel rund um die Aufstiegseuphorie in Vergessenheit. Um Spielpraxis zu sammeln, wurde er im Sommer in die 2. Liga an die SV Elversberg verliehen. Der Plan ging nur teilweise auf. Mit drei Toren und zwei Torvorlagen war er zwar effektiv. Doch er stand in keinem einzigen Zweitligaspiel in der Startelf, weil Younes Ebnoutalib (wechselte im Winter zu Eintracht Frankfurt) als Torgarant gesetzt war.

Die Konsequenz war ein vorzeitiger Leihabbruch im Winter. Viel gelernt hat er trotzdem. „Ich bin dem Trainer (Vincent Wagner; Anm. d. Red.) dankbar. Ich glaube, dass ich mich spielerisch ein bisschen weiterentwickeln konnte“, erklärte Stange.

Die Zeit in Elversberg war das erste Mal, dass er außerhalb seiner Heimatstadt lebte. Für jeden jungen Menschen ist dies meist eine prägende Phase im Leben.

„Er hat definitiv die nächsten Schritte gemacht. In seiner Persönlichkeit ist er durch das halbe Jahr gereift“, stellte Polzin fest: „Nichtsdestotrotz bleibt Otto weiterhin ein ganz junger Kerl, den wir weiterhin eng begleiten müssen, damit er die nächsten Schritte geht. Er hat heute gezeigt, dass er in der Liga mithalten kann. Alles Weitere erarbeiten wir uns.“

Stange feierte Bundesligadebüt gegen Ex-Verein St. Pauli

Auch wenn Stange erst zwei Bundesligaspiele absolviert hat, waren dies ganz besondere Erlebnisse. Sein Bundesligadebüt gab er Mitte Januar, als er im Stadtderby gegen den FC St. Pauli (0:0) eingewechselt wurde. Auch in dessen Jugend war Stange zeitweise aktiv, ehe er über die Zwischenstationen SC Victoria Hamburg und Eimsbütteler TV beim HSV landete.

Gegen Leverkusen stand er plötzlich gegen Topspieler wie Robert Andrich auf dem Platz. „Vor ein paar Jahren habe ich mir die noch im Fernsehen angeguckt, man hat sie in der Champions League gesehen. Das ist ja auch ein Ziel. Es ist geil, gegen solche Nationalspieler zu spielen. Da will man selber hin“, unterstrich Stange.

Dazu müsste er sich zunächst im internen Konkurrenzkampf durchsetzen. Immerhin weiß Stange, was er dafür zu tun hat: „Mehr machen! Einfach die Chancen nutzen, Tore schießen, Vorlagen geben, gute Spiele machen und Merlin die Entscheidung nicht so leicht machen.“

Letzteres ist ihm teilweise schon gelungen. Bei Polzin hat nämlich die Erkenntnis eingesetzt, dass dieses Talent „für die nächsten Wochen und Monate sicherlich ein ganz wichtiger Spieler“ sein wird.