Das lange Warten hat für ihn endlich ein Ende. Mit seinem Wechsel von der PSV Eindhoven zu Borussia Dortmund ging für Joey Veerman der lang ersehnte Traum von einem Wechsel ins europäische Ausland in Erfüllung.
Er soll ein großes BVB-Problem lösen
Er soll ein großes BVB-Problem lösen
Der niederländische Mittelfeldspieler hatte schon länger mit einer sportlichen Veränderung geliebäugelt. „Ich habe hier fünf schöne Jahre verbracht. Ich habe acht Titel gewonnen. Aber ich möchte irgendwann einmal einen solchen Schritt wagen“, erklärte Veerman im Vorfeld des perfekten Transfers.
In der Vergangenheit war der 27-Jährige bereits mit einem Wechsel zu Brentford in Verbindung gebracht worden. Angeblich konnte sich Eindhoven mit dem Premier-League-Klub hinsichtlich der Ablösesumme nicht einigen, weshalb ein Transfer am Ende platzte. Einer möglichen sportlichen Zukunft bei Fenerbahce Istanbul soll Veerman selbst eine Absage erteilt haben.
So plant der BVB mit Neuzugang Veerman
Lange schien es, als würde die kommende Saison 2026/27 ein weiteres Kapitel seiner bislang unglücklichen Transfergeschichte schreiben. Doch dann kam der BVB und erfüllte den großen Traum.
Dortmund bekommt mit Veerman einen Mittelfeldspieler, der beim PSV Eindhoven über Jahre den Takt vorgab. Nachdem Pascal Groß und Salih Özcan den Vizemeister zu Jahresbeginn verlassen hatten, soll der 27-Jährige nun eine Lücke im Zentrum schließen und dem Spiel der Schwarz-Gelben neue Impulse geben.
In Dortmund plant Trainer Niko Kovac mit Veerman auf der Doppel-Sechs neben Felix Nmecha und Jobe Bellingham.
„Joey ist ein ähnlicher Spielertyp wie Felix Nmecha: sehr ballsicher, einer, der alle Bälle fordert, der alle Bälle sucht. Das brauchen wir zum Übergangsspiel von hinten nach vorne. Da sehe ich Parallelen“, erklärte der kroatische Cheftrainer.
Joey Veerman: Präzision, Überblick, Spielwitz
Gleichzeitig erinnerte Kovac an die vergangene Saison, als Nmecha mehrere Wochen verletzungsbedingt ausfiel und die Probleme im Mittelfeld deutlich sichtbar wurden. Damit sich eine solche Situation nicht wiederholt, hat der BVB nun Veerman verpflichtet.
Die erste Trainingseinheit lieferte bereits einen kleinen Vorgeschmack darauf, was die Borussia und ihre Anhänger vom Neuzugang erwarten dürfen: Präzision, Überblick und Spielwitz.
Veerman bewegt sich kontinuierlich, scannt permanent seine Umgebung und scheint früh zu erkennen, wo sich Räume öffnen. Seine Ballannahme und seine Pässe überzeugen durch Präzision. Besonders seine Steilpässe gehören zu den auffälligsten Elementen seines Spiels.
Zentraler Leistungsträger in Eindhoven
In Eindhoven war er deshalb weit mehr als nur ein weiterer Mittelfeldspieler. Veerman war Taktgeber und Verbindungsspieler. BVB-Sportdirektor Ole Book schwärmte bei der Vorstellung des 27-Jährigen von dessen Qualitäten: „Joey ist ein richtig toller Fußballer, der über eine Menge Kreativität, Technik und Übersicht verfügt.“
Die Zahlen unterstreichen diese Bedeutung. Insgesamt kam Veerman auf 198 Einsätze für PSV. Er erzielte dabei 31 Tore und steuerte 67 Vorlagen bei. Neben Ismael Saibari, der in diesem Sommer zum FC Bayern wechselte, fungierte er als einer der zentralen Leistungsträger der Mannschaft.
Auf internationaler Fußballbühne konnte Veerman hingegen in letzter Zeit keine Duftmarke setzen. Seit der Europameisterschaft 2024 wurde er nicht mehr für den Kader der niederländischen Nationalmannschaft berücksichtigt. Die Konkurrenz im Mittelfeld der Elftal ist groß, andere Spieler bekamen den Vorzug.
Veermans Charakter ist „anders“
Was im Zusammenhang mit der niederländischen Nationalmannschaft dennoch überrascht, ist eine Aussage des langjährigen Coachs Ronald Koeman. „Auch der Charakter spielt hier eine Rolle. Es ist vor allem eine fußballerische Frage, aber Joeys Charakter ist … anders“, betonte Koeman. Aber was genau meinte Koeman mit „anders“?
Ist Veerman direkter oder selbstbewusster als andere Spieler? Ist er zu eigenwillig? War sein Charakter am Ende auch ausschlaggebend, dass er für die diesjährige WM in den USA, Mexiko und Kanada nicht berücksichtigt wurde?
Koeman verneint dies. „Es ist nicht so, dass ich deshalb denke: Diesen Charakter will ich nicht. Ich habe ihn danach auch noch eingesetzt, also habe ich ihm damals auch noch geholfen. Aber ich entscheide mich jetzt für andere“, sagte er im Zuge der Nichtberücksichtigung von Veerman für die WM.
Es bleibt ein großes Fragezeichen, was Koeman mit seiner Aussage andeuten wollte. Der BVB wird künftig seine eigenen Erfahrungen machen und herausfinden müssen, was den Charakter des Mittelfeldspielers so „anders“ macht.
Findet er auch beim BVB den richtigen Rhythmus?
Trotz der ausbleibenden Einsätze im Oranje-Trikot sind sich die Verantwortlichen in Dortmund sicher, dass sie mit Veerman einen „sehr guten Spieler“ verpflichtet haben. Auch andere Stimmen betonen die Qualität des 27-Jährigen und lassen sich zu gewagten Vergleichen hinziehen.
Der frühere Nationalspieler Arnold Mühren verglich Veerman sogar mit Toni Kroos und sagte dem niederländischen Fußballmagazin Voetbal International: „Veerman spielt dieselben Pässe wie Kroos. Das Einzige, was Kroos mehr hat, ist Erfahrung.“ Und ein paar große Titel, so hatte Kroos im gleichen Alter unter anderem schon mehrmals die Champions League gewonnen.
Datenscouting-Experte Dr. Patrick May fühlt sich bei Veerman an den spanische Superstar Rodri erinnert. „Rodri ist auch nicht der allerschnellste der Welt, aber er versteht, wie er das Tempo des Spiels und auch die Positionierung seiner Mitspieler dirigiert“, meinte er in der Sendung „At Broski – Die Sport Show“.
Nun muss der langjährige Leistungsträger der PSV Eindhoven seine Qualitäten in Dortmund unter Beweis stellen und zeigen, dass er auch beim BVB den richtigen Takt findet.