BVB: Ein Kovac-Kniff befreite Bellingham
Drei Fragen: Dieser BVB-Star ist das Thema auf der PK
Jobe Bellingham blüht beim BVB auf und wird für die Nationalmannschaft nominiert. Das Juwel straft viele Kritiker mit seiner Entwicklung ab. In wenigen Wochen hat sich alles verändert.
Niko Kovac hatte reichlich zu tun. Der Trainer von Borussia Dortmund musste vor dem Bundesliga-Duell gegen die SV Elversberg (Samstag, 15.30 Uhr im LIVETICKER) gleich drei Fragen zu Jobe Bellingham beantworten. Diese PK am Freitagmittag zeigte deutlich: Der Mittelfeldspieler ist im Rampenlicht angekommen.
Das lag auch an Thomas Tuchel. Englands Nationaltrainer hatte den BVB-Star kurz zuvor erstmals für die Three Lions nominiert. Tuchel begründete: „Er hat seinen Weg und seinen Rhythmus in Dortmund gefunden. Er verdient es, sich zeigen zu dürfen, und wir freuen uns auf ihn.“
Jobe Bellingham kommt mit großem Rucksack zum BVB
Dass dieser Tag so schnell kommen würde, schien vor einigen Wochen noch ziemlich unrealistisch zu sein. Bellingham wurde von vielen Beobachtern vor der Saison bereits angezählt. Im Sommer 2025 hatten die Schwarz-Gelben 30 Millionen Euro an Sunderland für den Transfer gezahlt.
Schon damals sahen viele Experten darin einen melancholisch begründeten Schritt des BVB, nachdem Jobes älterer Bruder Jude Bellingham zwischen 2020 und 2023 groß beim Bundesligisten aufgespielt hatte und schließlich für 130 Millionen Euro zu Real Madrid ging.
Als Jobe Bellingham nach Dortmund kam, musste er mit den riesigen Erwartungen in Verbindung mit seinem Nachnamen erst klarkommen. Zwar absolvierte in der Premierensaison 49 Pflichtspiele, konnte aber kaum nachhaltig überzeugen.
Auch vor dieser Saison Zweifel bei Borussia Dortmund
„Die Entwicklung, die er genommen hat, ist eine sehr große. Er hat sehr viel investiert und ist sehr fleißig. Es braucht auch ein wenig Zeit. Viele haben nicht die Geduld. Er hat die Geduld mitgebracht, genau wie ihr Journalisten, was auch wichtig ist“, sagte Kovac nun.
Als der BVB auch noch Joey Vermeer verpflichtete, sahen einige Bellingham bereits außen vor. Entgegen der Meinung vieler Beobachter schenkte der Coach dem 21 Jahre jungen Mittelfeldmann aber auch diese Saison immer wieder das Vertrauen – und das zahlt sich nun voll aus.
Ein Kovac-Kniff befreit Bellingham
„Er wächst im Selbstvertrauen und sieht, dass seine Fähigkeiten auch wachsen – sowohl technisch, taktisch als auch physisch. Man darf nicht vergessen, dass er erst 21 und nicht 31 Jahre alt ist. In diesem Alter ist er schon weiter als so mancher ältere Spieler“, fasste Kovac zusammen.
Bellingham wirkt plötzlich wie ein ganz anderer Spieler und verzückte die Klub-Bosse. Körperlich hat er zugelegt, spult ein riesiges Laufpensum ab und ist vor allem mit dem Ball am Fuß mutiger als je zuvor.
Dabei hat auch Kovac mit einem kleinen Kniff viel bewirkt. Er lässt sein Juwel nun ein wenig offensiver spielen und hat so die Ketten gelöst.
„Er soll weitermachen und davon bin ich überzeugt, weil er eine großartige Einstellung hat, diesen Beruf liebt und deshalb wird er ein sehr großer Spieler werden“, prophezeite Kovac sogar. Einziges Manko bei Bellingham ist derweil nur noch die Torgefahr. Nur ein Treffer bei der Klub-WM gelang dem Senkrechtstarter. Gegen den FC Bayern im Topspiel bejubelte Bellingham nur kurz sein vermeintlich erstes Bundesliga-Tor.
Kovac schwärmt von „Fußballfreak“ Bellingham
Doch schon bald wird auch dieser Knoten platzen, ist sich Kovac sicher. Denn auch neben dem Platz hat Bellingham in den vergangenen Monaten einen Status als Vorbild hart erarbeitet.
„Er ist ein kompletter Fußballfreak, der sich selbst pflegt. Er studiert sehr viel sein eigenes Spiel und das anderer, um sich etwas abzuschauen. Er ist einer der Ersten, mit Sicherheit aber der Letzte, der dieses Trainingsgeländer verlässt“, verriet Kovac. Der Coach selbst wird ebenfalls als harter und disziplinierter Arbeiter beschrieben und surft mit seinem Talent auf einer Wellenlänge.
Die Bellingham-Kritiker sind längst deutlich leiser geworden. Stattdessen wird der Engländer mittlerweile auch in seinem Heimatland positiv wahrgenommen.
Am 12. November könnte sich Bellingham ausgerechnet im Wembley ein Lebenstraum erfüllen und gemeinsam mit Bruder Jude das Nationaltrikot überstreifen. Noch vor einigen Wochen konnte sich das kaum einer vorstellen. Doch es hat sich viel verändert.