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Hitzkopf Can: Risiko statt Hilfe

Hitzkopf Can: Risiko statt Hilfe

Emre Can von Borussia Dortmund leistete sich im Spiel gegen Sporting Lissabon den nächsten Aussetzer und musste mit Rot den Platz verlassen. In dieser Form ist er keine Hilfe für den BVB.
Marco Rose äußert sich zu der Roten Karte von Emre Can im Spiel gegen Sporting Lissabon. Can prallte im Zweikampf mit Pedro Porro zusammen und kassierte dabei selbst einen Tritt.
Patrick Berger
Patrick Berger
von Patrick Berger

Mit hängendem Kopf schlurfte Emre Can am Donnerstagvormittag über Gate S des Lissaboner Flughafen.

Die dunkelblaue Wollmütze hatte der Abwehrspieler, der die Teamkollegen Marco Reus, Mahmoud Dahoud und Nico Schulz im Schlepptau hatte, tief ins Gesicht gezogen. Die Miene war ernst. (BERICHT: Darum sah Can Rot)

Can dürfte wissen, dass ihn eine Mitschuld am vorzeitigen Champions-League-Aus trifft. Bei der 1:3-Pleite bei Sporting Lissabon hat der deutsche Nationalspieler seinen Teamkollegen nämlich mit einer Roten Karte einen Bärendienst erwiesen. (BERICHT: Horror-Abend für Borussia Dortmund)

Rot für Can beim BVB-Debakel

In der 74. Minute hatte der zuvor eingewechselte Hitzkopf seine Emotionen einmal mehr nicht unter Kontrolle und ließ sich zu einem (wenn auch nur leichten) Tritt gegen Pedro Porro hinreißen.

Eine harte, aber vertretbare Entscheidung von Schiedsrichter Carlos Del Cerro Grande, die auch von den BVB-Verantwortlichen akzeptiert wurde.

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„Fakt ist, dass wir den Schiri gar nicht erst in die Situation bringen dürfen, dass er eine Rote Karte zeigen kann“, sagte Trainer Marco Rose nach Schlusspfiff über die viel diskutierte Szene. „Einfach weg bleiben. Das wäre besser gewesen. Wir hatten in der Phase die Chance, eventuell noch zurückzukommen.“(DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Immer wieder Can!

Der 28-Jährige, der im Winter 2020 unter großem Getöse für eine Ablöse von 25 Millionen Euro von Juventus Turin geholt wurde, ist in dieser Form keine große Hilfe für den BVB. Seine Böcke nehmen allmählich Überhand:

- Bereits in der Champions-League-Saison 2019/2020 brannten dem Mentalitätsspieler im entscheidenden Achtelfinale-Rückspiel mit dem BVB bei Paris St. Germain die Sicherungen durch. Er schubste Gegenspieler Neymar kurz vor Schluss und flog mit glatt Rot runter! Das Spiel endete 0:2, der BVB schied aus.

- In der vergangenen Champions-League-Runde stand Can in den Viertelfinals gegen Manchester City im Fokus. Im Hinspiel unterlief ihm ein folgenschwerer Rückpass, der zum 0:1 führte. Im Rückspiel verursachte er den Handelfmeter zum 1:1. Der BVB schied bekanntlich aus.

- Auch in dieser Saison fiel Can, der sich auch mit Verletzungen herumschlug, eher durch Fehler statt guter Leistungen auf. Beim 0:4-Debakel in Amsterdam wurde der gebürtige Frankfurter zur Pause gebracht, versuchte mit ein paar unbedarften Grätschen ein Zeichen zu setzen und war kurz darauf bei den Gegentoren zum 0:3 und 0:4 mittendrin.

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Dritter Platzverweis für Can in der Champions League

Seit dem schwarz-gelben Horror-Abend von Lissabon ist das Buch mit den Can-Patzern um ein Kapitel weiter. Der Platzverweis bei Sporting war sein dritter in 33 Königsklassen-Spielen für Liverpool, Juventus und Dortmund und der insgesamt fünfte in seiner Profi-Karriere.

Can schwankt zwischen Genie und Wahnsinn. Seine Klasse blitzte in Lissabon auf, als er auf der linken Seite im Strafraum zwei Gegenspieler genial ausraubte. Er hat in den letzten Jahren oft gezeigt, dass er es kann.

Zuletzt fiel er aber beim BVB eher durch unglückliche Szenen auf, was sicherlich auch daran liegt, dass er selten auf seinen Lieblingspositionen im defensiven Mittelfeld-Zentrum oder in der Innenverteidigung spielte. Oft agiert der ehrgeizige Profi ungestüm und übermotiviert. Auch ihm muss allmählich klar sein: Nur über Mentalität kann es nicht gehen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

Can hatte keinen Bock auf Europa League

Can, der im Frühjahr noch klarstellte, keinen Bock auf Europa League zu haben, muss nun mit seiner Mannschaft in eben jener ran.

In Pokal und Meisterschaft muss er seine Fehleranzahl schleunigst minimieren. Er muss konstanter werden, klarer. Ohne Schnickschnack. Dann kann er der Führungsspieler sein, den der BVB eigentlich holen wollte.

Und der er selbst sein will.

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