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Bayerns Abwehr macht Sorgen

Bayerns Abwehr macht Sorgen

Der FC Bayern gewinnt in Kiew, offenbart aber auch defensive Schwächen. Durch Verletzungen könnte die wacklige Abwehr nun noch problematischer werden.
Die Abwehrarbeit beim FC Bayern bereitete zuletzt immer wieder Kopfzerbrechen. Julian Nagelsmann sieht nach dem Champions-League-Spiel gegen Kiew einen "kleinen Schritt" in die richtige Richtung.
Lukas von Hoyer
Lukas von Hoyer
von Lukas von Hoyer

„Wir müssen stabiler werden.“

Dem Fazit, das Julian Nagelsmann nach dem knappen Sieg des FC Bayern bei Dynamo Kiew (2:1) bei DAZN zog, kann wohl keiner widersprechen, der die Partie in der verschneiten Hauptstadt der Ukraine gesehen hat. Es war ein Erfolg in der Champions League ohne Glanz - der Fragen aufwirft. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Ja, die Münchner mussten in der Defensive improvisieren und ja, Nagelsmann musste seine Viererkette in der Pause durcheinanderwirbeln. Doch trotzdem war die Mannschaft, die auf dem verschneiten Rasen von Kiew stand, deutlich zu anfällig.

„Wir hatten heute in der ersten Halbzeit Aktionen, wo der Gegner ein Tor machen kann, aber keins macht. Wir müssen da stabiler sein und gegen Top-Gegner weniger Top-Chancen zulassen“, machte Nagelsmann klar, auch wenn er einen „kleinen Schritt“ nach vorne sah. Im ersten Durchgang wollte er mit Lucas Hernández und Tanguy Nianzou die Mitte zu machen. Benjamin Pavard begann hinten rechts, Alphonso Davies links.

Hernández und Nianzou verschärfen Defensiv-Sorgen der Bayern

Nianzou zeigte sich von Beginn an wacklig, doch Hernández als Abwehrchef war ein Lichtblick. Umso bitterer seine verletzungsbedingte Auswechslung nach dem ersten Durchgang. „In der Pause mussten wir die Grundordnung ändern“, erklärte Trainer Julian Nagelsmann bei DAZN. Man habe wechseln müssen, weil Hernández verletzt gewesen sei und kein dritter Innenverteidiger zur Verfügung gestanden habe. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

„Lucas hat oberhalb des Knies ein bisschen ein Ziehen gespürt, das ist eine sehr blöde Stelle, wir wollten nichts riskieren“, erklärte der Coach bei der Pressekonferenz. Der 34-Jährige brachte Bouna und Pavard ersetzte Hernández als Chef in der Mitte.

Mit diesem wirkte Nianzou aber noch wackliger und leistete sich einige schlimme Stellungsfehler - wie auch beim Gegentor. Mit der SPORT1-Note 4,5 war er schlechtester Bayern-Spieler. (Bericht: Einzelkritik des FC Bayern)

Zu allem Überfluss musste kurz vor Schluss auch der 19-Jährige raus, nachdem er auf die Schulter stürzte. „Bei Tanguy kann es sein, dass es die Bizepssehne ist“, sagte Nagelsmann über das nächste Sorgenkind: „Aber das Röntgenbild habe ich noch nicht, auch wenn ich mal Doktor Schiwago zu mir gesagt habe.“

Champions League: Pavard kann seine Chance nicht nutzen

Pavard konnte die Chance auf seiner Lieblingsposition in der Mitte unterdessen nicht nutzen. Der Franzose schaffte es nicht, seine Kette zu ordnen und teilweise schwammen die Münchner im Schneegestöber von Kiew - gegen eine Mannschaft, die zuvor in allen vier Spielen in der Saison der Königsklasse noch nicht getroffen hatte.

Davies zeigte offensiv durchaus wieder seine Qualitäten. Doch defensiv eben auch Schwächen. Beim Gegentor lief er viel zu spät mit zurück und fehlte letztlich. Eine schwächere Performance des Kanadiers, die allerdings keine Alarmglocken zum Klingen bringt. Zu gut waren seine Leistungen zuletzt in neuer Rolle als Schienenspieler.

Und Sarr? Der 29-Jährige konnte nicht zeigen, dass Nagelsmann sich auf ihn in der Champions League ganz ohne Magenschmerzen verlassen kann. Gleich nach seiner Einwechslung in der Pause war er überfordert und handelte sich eine Gelbe Karte ein - in einer Situation, in der er fast einen Elfmeter riskiert hatte. In der Folge zeigte sich Sarr in der Spieleröffnung ideenreich und sicher, aber defensiv ebenso unsicher.

Auf der Pressekonferenz zum Champions League Spiel des FC Bayern gegen Benfica Lissabon spricht Alphonso Davies über Lucas Hernandez und seine lautstarke Art.
00:39
Davies: „Hernandez spricht nicht so viel“

Nagelsmann sorgt sich vor dem Topspiel

Klar, die Defensive kann in dieser Form nicht eingespielt sein. Aber klar ist auch, dass es während einer langen Saison eben immer sein kann, dass die zweite Reihe ran muss - gerade in Zeiten der Corona-Pandemie. Das zeigt auch die Abwesenheit von Niklas Süle, der sich mit Covid-19 infizierte. Er wird wohl bald wieder einsatzbereit sein, aber noch Trainingsrückstand haben.

Nagelsmann war spätestens nach dem Gastspiel in Kiew klar, dass er für das Duell in elf Tagen gegen Borussia Dortmund, den ärgsten Verfolger in der Bundesliga, die volle Kapelle braucht. „Da brauchen wir das komplette Personal, weil Dortmund uns alles abverlangen wird“, sagte er.

Eben auch, weil die zweite Reihe nicht so weit zu sein scheint, dass sich Nagelsmann gegen Top-Mannschaften auf sie verlassen könnte.

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