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Barca erregt nur noch Mitleid

Barca erregt nur noch Mitleid

Der FC Barcelona ist beim FC Bayern chancenlos. Selbst beim Gegner erregt die Mannschaft derzeit nur noch Mitleid - vom alten Glanz ist wenig zu sehen.
Jamal Musiala glänzt gegen den FC Barcelona auf ungewohnter Position. Den Fantalk versetzt Bayerns Youngster in Begeisterung.
Maximilian Schwoch
Maximilian Schwoch
von Maximilian Schwoch

„Der Zusammenbruch. Dieses Barca gehört in die Europa League. Ab jetzt wird donnerstags gekickt“, schrieb die Marca.

Als wäre es für den FC Barcelona nicht schlimm genug gewesen, wie chancenlos die Katalanen in der Allianz Arena war, folgte anschließend eine besonders bittere Erkenntnis: Diese Mannschaft erregt nur noch Mitleid. (PRESSESTIMMEN: Spaniens Presse nagelt Barca an die Wand)

Wer wirklich geglaubt hatte, Barca könnte das Wunder aus eigener Kraft schaffen, dürfte sich schnell eines Besseren belehrt gesehen haben. „In der Hölle. Barcas historisches Desaster, nach 21 Jahren in der Gruppenphase der Champions League gescheitert und zur Europa League verdammt“, lautete danach die Schlagzeile der As.

Zu deutlich war das, was sich auf dem Rasen der Allianz Arena abspielte. Der FC Bayern setzte sich - trotz zahlreicher Ausfälle - souverän mit 3:0 durch und besiegelte das Aus der Spanier nach der Gruppenphase endgültig. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

„Sie haben uns unterworfen. Wir wollen den Gegner immer dominieren und unterwerfen, und es war genau andersherum“, fasste Barcelona-Trainer Xavi die Partie im Anschluss aus Barca-Sicht zusammen. Ähnliche Worte fand auch die Marca, die kurz und knapp zusammenfasste: „Kein Spieler ist der Aufgabe gewachsen.“

Weil im Parallelspiel Benfica Lissabon gegen Dynamo Kiew gewann, hätte Xavis Team einen Sieg in München gebraucht. Doch davon war der vermeintliche Weltklub am Mittwochabend so weit entfernt wie von einer schwarzen Null in den Büchern.

Erinnerungen an die Schmach von Lissabon

Die Münchner diktierten das Geschehen nahezu die kompletten 90 Minuten, ohne das Gaspedal durchzudrücken. Immer mal wieder blitzte das Können des Teams von Julian Nagelsmann auf, mit einfachsten Mitteln wurde die Defensive der Katalanen ausgehebelt. Mal war es ein Steilpass auf einen schnellen Offensivspieler, mal eine Passstafette. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

Beim 0:1 wurde Robert Lewandowski nicht an der Flanke gehindert, der einlaufende Müller konnte sich gegen drei Barca-Verteidiger durchsetzen und einköpfen. Beim 0:2 durch Leroy Sané sah dann auch noch Marc-André ter Stegen nicht gut aus, er ließ den Flatterball über seinen Handschuh ins Tor gleiten.

Das letzte Gegentor erinnerte dann stark an das 2:8 aus dem August 2020. Alphonso Davies ließ Barcas Rechtsverteidiger mit einer Körpertäuschung stehen und setzte den gestarteten Jamal Musiala in Szene, der aus kurzer Distanz einschoss. Einen ähnlichen Treffer hatte Bayern vor 16 Monaten erzielt, damals narrte Davies Nelson Semedo und Kimmich verwertete den Querpass. (BERICHT: Diese Szene empört Barca-Fans)

Erinnerungen an die Schmach von Lissabon dürften bei den Fans der Katalanen an diesem Abend so einige hochgekommen sein. Zu sichtbar war der deutliche Qualitätsunterschied. Vom Gegner gab es nach dem Spiel dann noch das, was wohl kein Fan braucht: Mitleid.

„Wir wissen alle um die Umstände von Barcelona, dass es da wirtschaftlich nicht wirklich rosig zugeht“, sagte Müller nach dem Spiel bei DAZN und wurde dann deutlich: „Aber das habe ich in der Art und Weise in der Gruppe nicht kommen sehen, dass sie am Ende so untergehen.“

Bei der Vorstellung des neuen Trainers des FC Barcelona Xavi Hernández im Camp Nou kam es zu einem Eklat, als Barcelona-Anhänger "P*** PSG" skandierten.
01:18
Eklat bei Vorstellung von Barcas neuem Heilsbringer Xavi

Xavi wird nach dem Spiel deutlich

Trainer Nagelsmann erklärte: „Wenn wir richtig anziehen, können wir auch noch deutlich mehr als drei Tore machen.“ Die Bayern waren womöglich sogar noch gnädig mit ihrem Gegner.

Dass der Umbruch des hochverschuldeten Klubs Zeit brauchen würde, dürfte jedem klar gewesen sein. Dennoch war die Darbietung wie ein Schlag ins Gesicht. Kein Aufbäumen, man hatte das Gefühl, diese Mannschaft wollte oder konnte sich nicht gegen das Aus wehren.

„Vom Technischen und Taktischen sind das alles super Spieler. Im Moment können sie anscheinend die Intensität, die im Spitzenfußball herrscht, nicht mitgehen“, analysierte Müller.

Und Xavi? Der wurde nach dem Spiel deutlich. „Die Bayern sind aktuell besser als Barcelona. Wir müssen bei null anfangen. Von hier aus müssen wir hart arbeiten und Barca retten“, machte der 42-Jährige klar. Die Message: Es braucht Geduld.

„Wir müssen Barca zurück an den Platz bringen, wo es verdient zu stehen, und das ist ganz oben in der Champions League. Heute ist aber unsere Realität, dass wir aus der Champions League ausgeschieden sind“, sagte er.

Nagelsmann mit Ratschlag an Barca

Die Europa League sei nicht der Wettbewerb, in den sein Verein gehöre. „Wir müssen hart arbeiten, um Barca wieder auf die Beine zu bringen und es auf ein anderes Niveau zu heben“, sagte er und forderte von seinem Team: „Jetzt müssen wir die Europa League gewinnen und hart für die Punkte in der Liga arbeiten. Wir haben die Qualität im Team.“

Der Weg der Katalanen ist ein steiniger. Spätestens dieses Spiel hat gezeigt: Auch Xavi kann keine Wunderdinge vollbringen.

„Sie haben den Umbruch schon langsam eingeleitet, haben viele Nachwuchsspieler, die in den vergangenen Jahren nicht da waren. Das war immer eine Stärke“, erklärte Nagelsmann und fügte hinzu: „Sie müssen den alten Weg wieder gehen, den finden sie jetzt langsam wieder. Aber sie sind im Umbruch, daher gibt es vielleicht mal die eine oder andere Saison, die nicht hundertprozentig erfolgreich ist.“

Die triste Realität der Katalanen heißt Europa League, der Ligatitel ist mit 16 Punkten Rückstand auf Real Madrid beinahe schon weg. Dieser Umbruch braucht Zeit und Geduld. Das dürfte spätestens nach diesem Abend auch dem letzten Barcelona-Fan klar geworden sein.

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