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FC Bayern: Ex-Schiri kritisiert ungleichen Umgang mit Neuer und Marciniak

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FC Bayern: Ex-Schiri kritisiert ungleichen Umgang mit Neuer und Marciniak

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„Den anderen nagelt man an die Wand“

Das Bayern-Aus hängt an zwei tragischen Schlüsselmomenten: dem Patzer von Manuel Neuer und dem zu frühen Pfiff von Schiedsrichter Szymon Marciniak. Für Ex-Schiri Lutz Wagner wird dabei zu Unrecht mit zweierlei Maß gemessen, wie er bei SPORT1 erklärt.
Der FC Bayern scheidet aus der Champions League aus. Kurz vor Ende der Partie sorgt eine Schiedsrichter-Entscheidung für Entsetzen bei den Münchnern.
Maximilian Lotz
Maximilian Lotz
Alexander Kortan
Alexander Kortan

Manuel Neuer und Szymon Marciniak waren in gewisser Weise in ihrem Schicksal vereint. Schließlich zählte sowohl der Kapitän des FC Bayern als auch der Schiedsrichter zu den unglücklichsten Akteuren am Mittwochabend im Estadio Santiago Bernabéu - aus unterschiedlichen Gründen.

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Während Torhüter Neuer mit seinem Patzer in der 88. Minute bei einem Schuss von Vinícius Jr. Real Madrids Wende einleitete, besiegelte Referee Marciniak mit seinem voreiligen Abseitspfiff in der 13. Minute der Nachspielzeit einen möglichen Ausgleich der Bayern und damit das bittere Aus im Halbfinale der Champions League.

Wagner: „Schiedsrichter wird fürchterlich angegangen“

In der Nachbetrachtung kommen beide Akteure unterschiedlich weg. „Beim einen sagt man, dass Fehler passieren können. Den anderen nagelt man an die Wand. Da würde ich mir das gleiche Verständnis wünschen“, kritisierte Ex-Schiedsrichter Lutz Wagner im Gespräch mit SPORT1.

„Während der Schiedsrichter fürchterlich angegangen wird, sagt man bei Neuer, dass er davor so gut gehalten hat und es mal passieren kann“, erklärte Wagner. „Manuel Neuer hat hervorragend gehalten, verschätzt sich aber bei einem Ball. Der Schiedsrichter hat hervorragend gepfiffen, pfeift in einem Moment allerdings zu früh.“

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Manuel Neuer diskutierte mit Schiedsrichter Szymon Marciniak
Manuel Neuer diskutierte mit Schiedsrichter Szymon Marciniak

Bayern-Trainer Thomas Tuchel hatte seinen Kapitän Neuer verständlicherweise in Schutz genommen. „Von 10.000 hält er den 10.000 Mal. Das ist der 10.001″, sagte Tuchel. „Das ist so bitter. Wenn es jemanden gibt, der das nicht verdient hat, ist es Manu.“

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Zwar nahm Tuchel die Entschuldigung von Referee Marciniak an, ging aber ansonsten auch hart mit dem Unparteiischen ins Gericht. „Es ist Halbfinale, es ist echt nicht der Moment für zwei so krasse Regelverstöße und danach Entschuldigung. Alle müssen ans Limit, alle müssen leiden, alle müssen fehlerfrei spielen. Dann müssen halt die Schiedsrichter auf diesem Niveau das auch tun“, wetterte Tuchel.

Bei DAZN sprach er mit Blick auf die Schiedsrichterentscheidung kurz vor Schluss von einem „absoluten Desaster“.

Wagner sieht zwei Fehler

Die Reue Marciniaks war für Regelexperte Wagner nur menschlich. „Das hilft zwar keinem weiter, zeigt aber Größe“, sagte der 60-Jährige. „Es macht zwar den Fehler nicht wieder gut, aber was soll er sonst sagen?“

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Der verfrühte Pfiff Marciniaks, nachdem sein Assistent an der Seite die Fahne gehoben hatte, machte eine Überprüfung der Situation durch den Videoassistenten zunichte.

Der Assistent hat die Fahne zu früh gehoben - und dann hat Marciniak auch noch zu früh gepfiffen. Da haben beide einen Teil dazu beigetragen“, sah Wagner eine Fehlerkette.

Ein Regelverstoß liegt im Übrigen nicht vor, „weil seine Abseitsentscheidung eine Tatsachen-Entscheidung ist“, erklärte Wagner.

Zwar sorge das verzögerte Heben der Fahne auch immer wieder für Diskussionen bei den Zuschauern. „An dem Beispiel sieht man allerdings, dass diese Verzögerung sehr sinnvoll ist“, betonte Wagner. „Wenn ich als Schiedsrichter also die Szene mit meinem Pfiff frühzeitig beende, dann kann ich die Szene im Nachhinein nicht mehr überprüfen, weil das Spiel unterbrochen ist.“

Abseits oder nicht? Wagner zweifelt

Dass den Bayern durch den verfrühten Pfiff ein sicheres Tor von Matthijs de Ligt geklaut wurde, sieht der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter nicht so klar. „Durch den Pfiff ist Lunin (Real-Torhüter, Anm.d.Red.) schon gar nicht mehr hingesprungen, sondern stehen geblieben. Wenn Marciniak nicht pfeift, geht Lunin ganz anders zum Ball. Ob er den Schuss hält, ist dann natürlich hypothetisch.“

Auch die Frage, ob Noussair Mazraoui zuvor tatsächlich nicht im Abseits gestanden hat, ist für Wagner nicht zweifelsfrei zu klären.

„Vielleicht war es ja wirklich Abseits, das ist ja noch gar nicht geklärt. Die bisher existierenden Bilder sehen zwar so aus, dass Mazraoui nicht im Abseits stand. Aber hundertprozentig sicher können wir anhand dieser Bilder nicht sein. Das kann man erst durch die halbautomatische Abseits-Erkennung sagen, die der VAR eingesetzt hätte“, erklärte der Ex-Referee.

Besser funktionierten die Abläufe beim Siegtreffer von Joselu (90.+1). „Da hat der Assistent nach dem Tor die Fahne gehoben, weil es für ihn knapp Abseits war. Im Anschluss haben sie es dann gecheckt und es wurde klar: Das war kein Abseits, das Tor zählt“, sagte Wagner.