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"Ich habe mich selten so geschämt": Marseille nach CL-Aus am Boden

„Ich habe mich selten so geschämt“

Olympique Marseille geht nach einem desaströsen Auftritt gegen Brügge unter und verpasst nach einer furiosen Nachspielzeit in Lissabon die Teilnahme an den Playoffs der Champions League. Die Schmach wird besonders in der französischen Presse deutlich.
Olympique Marseille gerät nach dem Aus in der Champions League unter den Beschuss der Kritiker
Olympique Marseille gerät nach dem Aus in der Champions League unter den Beschuss der Kritiker
© IMAGO/Isosport
Olympique Marseille geht nach einem desaströsen Auftritt gegen Brügge unter und verpasst nach einer furiosen Nachspielzeit in Lissabon die Teilnahme an den Playoffs der Champions League. Die Schmach wird besonders in der französischen Presse deutlich.

Olympique Marseille hatte gerade mit 0:3 das Auswärtsspiel bei Club Brügge in der Champions League verloren und doch schien die Stimmung, trotz der Pfiffe der eigenen Fans, zunächst noch einigermaßen versöhnlich zu sein.

„Glückwunsch zur Qualifikation, Olympique Marseille“, gratulierte Brügge auf der Stadionleinwand den Gästen nach dem Abpfiff zur vermeintlichen Teilnahme an den Playoffs.

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„Brügge wollte nett zu OM sein, doch die belgische Gutmütigkeit entwickelte sich am Ende zu einem Dolchstoß“, schrieb die französische L‘Équipe im Anschluss an die Partie. Der Grund: Die belgischen Glückwünsche kamen eindeutig zu früh, weil sich im Parallelspiel von Benfica Lissabon noch ein dramatisches Finale abspielte.

Real-Niederlage gegen Benfica besiegelt Aus für Olympique Marseille

Ausgerechnet Champions-League-Rekordsieger Real Madrid (15 Titel) verlor am Mittwochabend mit 2:4 gegen die Portugiesen und verpasste damit den direkten Einzug ins Achtelfinale. Bis zur achten Minute der Nachspielzeit wäre Marseille beim Stand von 3:2 für Lissabon aber noch weiter gewesen, ehe völlig verrückte Szenen folgten, die alles auf den Kopf stellten.

Benfica-Torhüter Anatoliy Trubin kam beim letzten Freistoß der Partie mit nach vorne und köpfte die Hereingabe wuchtig zum 4:2 ins Tor. Ein absoluter Wahnsinn, der Marseille aufgrund der Tordifferenz über die Kante stieß.

Nur ein eigener Treffer gegen Brügge hätte den Franzosen gereicht, um das Aus in der Ligaphase abzuwenden. Laut Opta-Vorhersage hatte OM bei seiner Ausgangslage eine 96-prozentige Chance, die Top 24 zu erreichen. Die Reaktionen in Frankreich fielen nach der Partie entsprechend deutlich aus.

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„Erbärmlich“: Französische Presse zerlegt Marseille

Die Tageszeitung Le Figaro titelte „OM erbärmlich“ oder „Das Fiasko von OM“ und schrieb: „Ein historischer Absturz. Marseille, das anlässlich dieses großen europäischen Abends unter Druck stand, war auf dem Rasen von Brügge nicht wiederzuerkennen – es war fast schon peinlich.“

Auch Le Parisien kritisierte: „Mit einer Meisterleistung der Inkonsequenz am Mittwochabend in Brügge (0:3) ist Marseille nun aus Europa ausgeschieden. Eine Katastrophe.“ Marseille habe sich „selbst ins Aus manövriert“.

Trotz 62,6 Prozent Ballbesitz und 18 Schüssen, davon neun aufs gegnerische Tor, blieb Marseille in Brügge zu oft inkonsequent. So urteilte L‘Équipe: „OM wurde zu Beginn des Spiels am Mittwochabend vom Club Brügge völlig dominiert.“ Bereits nach elf Minuten war Marseille mit 0:2 in Rückstand geraten.

Während Olympique in der Ligue 1 nach 19 Spielen auf Platz drei steht und sich damit auf Kurs befindet auch im kommenden Jahr in der Champions League zu spielen, nahm nach der Pleite auch die Kritik an den Bossen zu. „Werden die Verantwortlichen für dieses x-te Desaster zur Rechenschaft gezogen werden?“, fragte Le Figaro und urteilte selbst: „Eines ist sicher: Marseille wird turbulente Wochen erleben.“

De Zerbi unter Beschuss

Vor allem Star-Trainer Roberto De Zerbi, der vor zwei Jahren noch mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht wurde, musste sich nach der jüngsten Pleite den Kritikern stellen.

„Nicht in der Lage, auf die vom FC Brügge vorgegebene taktische Herausforderung zu reagieren, erlebte Roberto De Zerbi – sinnbildlich für seine Mannschaft – einen gebrauchten Abend“, schrieb L‘Équipe und führte aus: „De Zerbi fand keine Lösungen. Er begann mit einem etwas hybriden System, doch seine Mannschaft wurde früh unter Druck gesetzt und ließ es in nahezu allen Zonen an Intensität vermissen.“

Schon im Interview bei Canal+ kündigte der Trainer an: „Wir müssen um Entschuldigung bitten“, ehe er auf der anschließenden Pressekonferenz erklärte: „Es gibt immer ein gewisses Maß an Scham, wenn man so verliert, das darf man nicht verschweigen. Das, was wir gezeigt haben, ist nicht akzeptabel.“

Ex-Bayern-Star Benatia: „Du kannst nicht verlieren wie heute“

Marseilles Sportdirektor und Ex-Bayern-Profi Medhi Benatia fand im Anschluss an die Partie ebenfalls deutliche Worte und sagte: „Ein besch***ener Abend. Wenn man in einem Verein wie diesem ist, kann man Spiele verlieren, wie man in Madrid verloren hat, wie man in Lissabon verloren hat. Aber du kannst nicht verlieren wie heute Nacht. Wir haben es mit einem Problem des Auftretens zu tun.“

Darüber hinaus stellte der Marokkaner klar: „Man muss die Fans um Verzeihung bitten, die Menschen, die Opfer für diesen Verein bringen. Ich hoffe, dass sich die Spieler bewusst sind, dass dies ein berufliches Versagen ist. Ich habe in meiner Karriere viele Spiele verloren, aber selten habe ich mich so geschämt wie jetzt.“

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„Dann ist das nicht die Schuld des Trainers“

Die Nachspielzeit in Lissabon habe man gebannt auf dem Handy verfolgt, in der Hoffnung, sich vielleicht doch noch zu qualifizieren. „Der Fußball schreibt ja manchmal Wunder – aber wir hätten es nicht verdient. Das ist das Traurige“, meinte Benatia.

Anschließend nahm der Sportdirektor aber Trainer De Zerbi in Schutz und erklärte: „Ich weiß, dass die Spieler genau wussten, dass Brügge stark beginnt, in der Lage ist, in den ersten Minuten mehrere Tore zu schießen und den Ball zu halten. Aber wenn in der Box ein Gegner steht und vier Spieler nur zuschauen, dann ist das nicht die Schuld des Trainers.“

Champions-League-Aus erinnert in Marseille an dunkle Zeiten

In der Königsklasse konnte OM neben einem deutlichen Sieg gegen ein kriselndes Ajax Amsterdam (4:0) nur knapp gegen Newcastle United (2:1) und Union Saint-Gilloise (3:2) gewinnen. Die weiteren fünf Partien gingen allesamt verloren.

Besonders die Niederlage gegen Brügge erinnert nun an alte Zeiten, die man in Südfrankreich schnell vergessen wollte. „Lange Zeit verspottet wegen ihres traurigen Champions-League-Rekords – einer endlosen Serie von 13 Niederlagen in Folge, über mehrere Spielzeiten hinweg, die erst mit einem mühsamen 2:1 gegen Olympiakos am 1. Dezember 2020 endete – war Marseille in dieser Saison mit dem klaren Ziel auf die große europäische Bühne zurückgekehrt, diesmal wirklich mithalten zu können“, erinnerte sich L‘Équipe vor dem Hintergrund der erneut brutalen Enttäuschung, die auch bei den Spielern tief saß.

„Es ist schwer, diesen Abend zu verdauen. Wir sind mit großen Hoffnungen hierhergekommen, aber wir haben vieles falsch gemacht“, schilderte der ehemalige BVB-Star Leonardo Balerdi bei Canal+, wollte den Blick jedoch schnell auf die kommenden Wochen richten.

Bereits am Samstag steht das Ligaspiel gegen Aufsteiger Paris FC an, bevor mit dem Pokal-Achtelfinale gegen Stade Rennes und dem Auswärtsspiel bei Paris Saint-Germain zwei echte Brocken bevorstehen, die die volle Konzentration der Mannschaft erfordern.