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Champions League: BVB vor vergiftetem Spiel in Italien

Vergiftetes BVB-Spiel in Italien

Das Playoff-Rückspiel des BVB bei Atalanta Bergamo wirft seine Schatten voraus. Der Kern der aktiven Fanszene boykottiert die Partie und auch die Verantwortlichen stehen im Clinch. Was hinter dem Zoff wirklich steckt.
Zwischen den Verantwortlichen von Borussia Dortmund und Atalanta Bergamo herrscht Eiszeit - sogar das obligatorische Bosse-Dinner wurde seitens der Italiener im Hinspiel abgesagt. Lars Ricken zeigt sich verwundert.
Das Playoff-Rückspiel des BVB bei Atalanta Bergamo wirft seine Schatten voraus. Der Kern der aktiven Fanszene boykottiert die Partie und auch die Verantwortlichen stehen im Clinch. Was hinter dem Zoff wirklich steckt.

Vor dem Playoff-Rückspiel des BVB bei Atalanta Bergamo (ab 18.45 Uhr im LIVETICKER) gab es für die italienischen Journalisten nur ein Thema: Samuele Inacio. Noch ist der 17 Jahre alte Dortmunder Youngster ohne Profiminuten, doch sein Wechsel – vor eineinhalb Jahren (!) von Bergamo zum BVB – elektrisiert nicht nur die Medien, sondern triggert vor allem auch Atalanta.

Und zwar so sehr, dass die Italiener das von der UEFA obligatorische Mittagessen der Klub-Verantwortlichen vergangenen Dienstag absagten und dem BVB am Dienstag in Bergamo gar nicht erst eine Einladung aussprachen. Kein Mittagessen vor einem Champions-League-Spiel – beim BVB kann man sich kaum erinnern, dass das zuvor schon einmal vorgekommen ist.

BVB-Juwel als Zündstoff: Bergamo sauer auf den BVB

Immer wenn Niko Kovac zum Audiogerät griff und sich die italienischen Fragen übersetzen ließ, landete er wieder beim Thema Samuele Inacio.

„Da fragen sie mich Sachen, die ich so nicht beantworten kann“, gab der BVB-Trainer zu – eine gewisse Portion Genervtheit war ihm dabei anzusehen. „Ich weiß um die Traurigkeit hier“, sagte Kovac und fand lobende Worte für den Youngster: „Er ist ein wirklich sehr talentierter junger Mensch, er ist sehr gut erzogen. Kompliment an die Eltern und sicherlich auch die Umgebung.“

Doch was ist passiert? Atalanta Bergamo wirft dem BVB vor, beim Transfer von Inacio im Sommer 2024 nicht ordnungsgemäß vorgegangen zu sein.

„Der BVB hat unseren Jungen gestohlen“

„Atalanta ist immer noch richtig sauer“, erklärt der italienische Journalist Giorgio Dusi (Bergamonews und Gazzetta dello Sport; Anm. d. Red.) im Gespräch mit SPORT1: „Die BVB-Bosse haben nicht den Verein, sondern erst mit der Familie von Inacio gesprochen, und das außerhalb des Transferfensters. Sie sind der Meinung: Der BVB hat unseren Jungen gestohlen.“

Dusi vergleicht die Situation um den italienischen U-Nationalspieler mit der von Florian Wirtz. Der DFB-Star war in ähnlich jungen Jahren (17) vom 1. FC Köln zu Bayer 04 Leverkusen gewechselt.

„Bergamo tut dieser Abgang immer noch extrem weh. Samuele ist in Bergamo geboren, sein Vater spielte schon für den Verein. Sie hatten so eine enge Verbindung zu dem Verein. Aber das Fußball-Business ist eben hart“, sagte Dusi.

Bergamo mit harten Vorwürfen gegen die BVB-Verantwortlichen

Der BVB hatte die Möglichkeit gesehen und den hoffnungsvollen Offensivspieler für einen mittleren fünfstelligen Betrag verpflichtet – ein Schnäppchen mit Sprengkraft.

Atalanta-Boss Luca Percassi spricht von „unmoralischem Verhalten“ und erklärte: „Es gibt einen Zeitraum, in dem man handeln kann, aber sie haben viel früher gehandelt. Zwischen Vereinen muss man sich vor allem gegenseitig respektieren. Wie kann Borussia Dortmund Atalanta ein Talent wegnehmen?“

Lars Ricken reagierte schon beim Abflug verwundert über die Äußerungen. „Das war ein Transfer eines Minderjährigen, da gibt es klare Regularien. Es muss alles dokumentiert werden. Das haben wir sehr umfangreich gemacht. Die FIFA hat uns das bestätigt, dass alles korrekt war.“

Die Enttäuschung der Italiener über das verlorene Talent ist spürbar und in Teilen nachvollziehbar. Doch das Verhalten der Klub-Verantwortlichen wirft Fragen auf. Gastfreundschaft sieht anders aus. Das dürfte auch die aktive Fanszene des BVB unterschreiben. Denn auch bei den schwarz-gelben Anhängern ist die Stimmung mehr als nur gereizt. Die Fans schlagen Alarm und boykottieren die Partie.

„Spießrutenlauf“ – BVB-Fans boykottieren Rückspiel

Die angekündigten Einschränkungen bei der Ticketvergabe, die erst auf öffentlichen Druck hin abgewendet werden konnten, sorgten bereits im Vorfeld für Unruhe. Am Wochenende wurde ersten Fans die Ausreise durch die Bundespolizei verwehrt. Der „Spießrutenlauf“, wie die aktive Fanszene „Südtribüne Dortmund“ es nannte, gipfelte schließlich in Durchsuchungen der Unterkünfte in Bergamo durch die italienische Polizei.

Die Folge: Von den 1300 verkauften Tickets werden nach SPORT1-Infos nur rund 1100 Fans ins Stadion gehen. Gerade der Kern der aktiven Fanszene boykottiert das Rückspiel. Der Atmosphäre dürfte das einen spürbaren Dämpfer verpassen.

Fakt ist: Dieses Spiel ist auf allen Ebenen vorbelastet. Sportlich geht es um viel – emotional womöglich um noch mehr. Ein brisanter, ja vergifteter Rahmen für einen Abend im schillernden Europapokal.