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Rekordmann Gordon "ist halb Blitz, halb Fragezeichen"

Ein europäischer Superheld

Anthony Gordon sorgt in der Champions League für einen Abend voller Rekorde. In der Premier League zeigte der Engländer bisher jedoch ein anderes Gesicht und wirft somit Fragen auf.
Anthony Gordon feiert einen Champions-League-Abend für die Ewigkeit, wirft aber auch einige Fragen auf
Anthony Gordon feiert einen Champions-League-Abend für die Ewigkeit, wirft aber auch einige Fragen auf
© IMAGO/NurPhoto
Anthony Gordon sorgt in der Champions League für einen Abend voller Rekorde. In der Premier League zeigte der Engländer bisher jedoch ein anderes Gesicht und wirft somit Fragen auf.

„Anthony Gordon der Große!“, titelte Goal. Von einem „europäischen Superhelden“ schrieb die englische Sun. Es ist nur ein kleiner Auszug der Lobeshymnen auf Newcastle Uniteds Mann der Stunde, die nach einem historischen Abend in der Champions League aufkamen.

Nur 122 Sekunden dauerte es am Mittwochabend, da eröffnete Anthony Gordon den Torreigen im Playoff-Hinspiel gegen Qarabag Agdam mit einem trockenen Rechtsschuss ins linke untere Toreck. Es war das schnellste Tor in der Champions-League-Historie von Newcastle, aber nur eine Duftmarke für das, was noch folgen sollte.

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Newcastle dominierte das Spiel nach Belieben und verpasste nach dem 2:0 durch DFB-Innenverteidiger Malick Thiaw (8.) weitere vielversprechende Chancen - auch in Person von Gordon, der mehrfach an Keeper Mateusz Kochalski scheiterte.

Vier Tore in 45 Minuten! Gordon dreht in der Champions League auf

Doch in der Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit nahm der Rekordabend von Gordon erst richtig Fahrt auf. Mit einem Blitzschlag traf Gordon zunächst in der 32. Minute per Elfmeter zum 3:0 und erhöhte nur eine Minute später auf 4:0.

Damit jedoch nicht genug: Kurz vor der Pause lief Gordon abermals frei auf das Tor von Kochalski zu, spitzelte den Ball am Schlussmann vorbei und ging nach einem Kontakt zu Boden. Die Folge? Natürlich ein weiterer Elfmeter, der vom Gefoulten selbst sicher verwandelt wurde.

Das 5:0 war schließlich nicht nur Schlusspunkt einer spektakulären ersten Halbzeit von Newcastle (Endstand: 6:1) und vierfach Torschütze Gordon, sondern auch der Höhepunkt einer Rekordshow.

Historischer Abend! Gordon lässt Rekorde purzeln

Nach dem Brasilianer Luiz Adriano war Gordon erst der zweite Spieler, dem in der Königsklasse das Kunststück gelang, vier Tore in einer Halbzeit zu erzielen. Dazu zog Gordon schon durch seinen ersten Treffer des Abends an England-Ikone Alan Shearer vorbei und wurde zum alleinigen Rekordtorschützen der Magpies in der Champions League.

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Seine insgesamt zehn Treffer erzielte der 24-Jährige allesamt in der laufenden Saison und wird damit einzig von Real Madrids Kylian Mbappé (13 Tore) überflügelt. Der zwischenzeitliche Champions-League-Hattrick nach 33 Minuten war zudem der schnellste eines Engländers aller Zeiten.

„Er war in der ersten Halbzeit wirklich gut“, lobte Teammanager Eddie Howe seinen Schützling im Nachgang und analysierte: „Er hat den Druck aufgebaut, und viele seiner Tore sind seiner Einstellung ohne Ball zu verdanken. Er hätte noch mehr erzielen können, aber es war eine sehr gute Leistung.“

Das Fußballportal Goal bewertete den Auftritt des Man of the Match zudem mit 10/10 Punkten und schrieb: „Qarabag kam mit ihm einfach nicht zurecht. Er verwertete seine vier Treffer eiskalt – auch wenn es vielleicht sogar sechs hätten sein müssen! – und sorgte mit seinem Pressing für permanente Unruhe in der Defensive der Gastgeber. Er liebt einfach die Champions League!“

Nur ein Tor aus dem Spiel: Gordon gibt Fragen auf

So groß wie die Liebe von Gordon für die Champions League zu sein scheint, so groß sind im Nachgang aber auch die aufkommenden Fragezeichen mit Blick auf die Torausbeute des Offensivspielers in den weiteren Wettbewerben.

Während Gordon in der Champions League alle 63,1 Minuten trifft, verbuchte er in Liga und Pokal bislang nur vier Saisontore. Anfang Dezember traf er abseits der Königsklasse überhaupt das erste Mal und erzielte lediglich bei der 1:4-Niederlage gegen den FC Liverpool vor wenigen Wochen ein Tor aus dem Spiel heraus.

Dieser deutliche Kontrast rückte auch bei The Athletic in den Fokus: „Anthony Gordon ist halb Blitz, halb Fragezeichen – ein rätselhafter Fußballer mit atemberaubendem Tempo, dessen starke Formschwankungen die von Newcastle United perfekt widerspiegeln.“

Schaue man nur auf die Champions League, könne man Gordon „problemlos als Unterschiedsspieler und Matchwinner bezeichnen“, bei einem isolierten Blick auf die Premier League „käme man womöglich zu einem anderen Urteil“.

Geplatzter Liverpool-Deal? „Hat mir Freude am Fußball genommen“

Die Erwartungen dürften bei Gordon in Zukunft darauf liegen, die Leistungen aus der Königsklasse auch in den Ligabetrieb zu übertragen. Schließlich kam Gordon im Januar 2023 als damals 21 Jahre alter Shootingstar für rund 45 Millionen Euro vom FC Everton, wo er bereits mit 16 Jahren in der Europa League debütiert hatte.

Seit seinem Wechsel als damals zweitteuerster Spieler der Klubhistorie konnte Gordon aber nur eine vollends überzeugende Saison spielen. Nach Anlaufschwierigkeiten in der Rückrunde 2022/23, brachte er es in der folgenden Saison auf elf Tore und 15 Vorlagen in der Premier League.

Diese Leistungen verschafften Gordon nicht nur einen Platz im englischen EM-Kader, sondern sollten Newcastle ursprünglich auch aus einer finanziellen Notlage befreien. Unter dem Druck der Premier League-Regularien zur Profitabilität und Nachhaltigkeit stand offenbar ein Tauschgeschäft mit dem FC Liverpool kurz vor dem Abschluss.

Liverpool soll bereit gewesen sein, über 80 Millionen Euro für Gordon zu zahlen, während Verteidiger Joe Gomez im Gegenzug für über 50 Millionen Euro zur Newcastle wechseln sollte.

Gordon soll seinen Nationalmannschaftskollegen noch während der EM mitgeteilt haben, dass er von einem Wechsel zu den Reds ausgehe. Doch der Deal wurde auf Eis gelegt, nachdem die Magpies durch weitere Verkäufe die nötigen Einnahmen erzielten.

„Es wurde dieses Jahr viel über meine Zukunft geredet – wohin ich gehe, wohin ich gehen will – ohne dass mich jemand wirklich gefragt hat. Lasst mich einfach Fußball spielen. Ich will einfach glücklich sein, Fußball spielen, und ich liebe es hier“, sagte Gordon damals in einem Interview mit Sky Sports und erklärte: „Das hat mich frustriert. Es hat mir ein Stück weit die Freude am Fußball genommen, und ich glaube, daher kommt auch meine Inkonstanz, weil ich mich davon habe beeinflussen lassen.“

„Kompletter Unsinn“: Gordon erneut im Rampenlicht

Bis heute scheint den 16-maligen Nationalspieler dieses Problem zu verfolgen, genau wie die Gerüchte um einen möglichen Abgang. Nach seiner spektakulären Show in der Champions League stritt Gordon die kürzlich aufgekommenen Spekulationen um einen Wechsel in der Premier League eindeutig ab.

„Es ist immer das Gleiche. Ich habe nichts gehört – vielleicht wollen sie es mir sagen, bevor sie es euch (den Medien, Anm. d. Red.) sagen“, ärgerte sich Gordon nach der Partie und sagte: „Ich habe inzwischen genug Transferspekulationen erlebt, um zu wissen, dass das alles kompletter Unsinn ist.“

Durch seine Leistungen in der Champions League und die Transfergerüchte bleiben der Druck und die Aufmerksamkeit auf Gordon und den Tabellenzehnten der Premier League aber vorerst bestehen.

Doch die Qualitäten von Gordon könnten das entscheidende Mittel werden, um mit Blick auf die WM 2026 und den Saisonendspurt seine persönlichen Ziele und die des Klubs zu erreichen.

„Genau dieser Ehrgeiz, dieser unstillbare Torhunger, ist es, was Newcastle braucht – und was sie von Gordon erwarten“, schrieb auch The Athletic.