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Völler: "Bei allem Talent, das Jamal Musiala oder Joshua Kimmich haben ..."

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Völler: "Bei allem Talent, das Jamal Musiala oder Joshua Kimmich haben ..."

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Völler legt Finger in die Wunde

Der Plan von Rudi Völler als Direktor der deutschen Nationalmannschaft ist klar umrissen: Fans begeistern, Mannschaft aufrütteln und die Europameisterschaft 2024 gewinnen.
Der neue DFB-Sportchef Rudi Völler sorgt sich um die langfristige Zukunft des deutschen Fußballs und nimmt auch die Vereine in die Pflicht.
Christopher Michel
Christopher Michel

Der neue Arbeitsplatz von Rudi Völler befindet sich absolut im DFB-Campus in Frankfurt. Der 62 Jahre alte Weltmeister geht einerseits „mit viel Demut“ an diese so wichtige Aufgabe. Dennoch ist das Ziel bei der Vorstellungs-Pressekonferenz nach den zuletzt so enttäuschend verlaufenden Turnieren 2018, 2021 und 2022 klar gesteckt: „Wir wollen eine Mannschaft haben, die den Titel gewinnen kann.“

Völler will „Fans wieder zurückgewinnen“

Völler, flankiert von Joachim Watzke und DFB-Präsident Bernd Neuendorf, setzt sein erstes Ausrufezeichen in neuer Funktion. „Demütiger werden“ wiederholt der frühere Geschäftsführer von Bayer Leverkusen häufiger sein Motto: „Wir werden zwar nicht alles machen, was die Öffentlichkeit fordert. Aber wir wollen unsere Fans wieder zurückgewinnen. Dafür muss die Mannschaft auch guten Fußball spielen.“

Er könne nicht versprechen, dass die Nationalmannschaft das Luxus-Hotel gegen eine Sporthochschule eintausche. „Aber wir wollen die EM gut organisieren. Bundestrainer Hansi Flick und die Nationalspieler sollen sich wieder volksnäher geben“, betonte Völler. Entfremdung und Distanzierung sollen der Vergangenheit angehören, öffentliche Trainingseinheiten und möglicherweise auch Autogrammstunden auf dem Programm stehen.

Ergebnisse der Mannschaft müssen für Begeisterung sorgen

Wer allerdings die technokratische Abhandlung eines Fünf-Punkte-Planes erwartet hat, sah sich getäuscht. Die Europameisterschaft im eigenen Land startet in 18 Monaten, bis dahin stehen für Flick und das DFB-Team ausschließlich Testspiele auf dem Programm. Die Hürden sind gewaltig, der Druck riesengroß. Zeit für große Umstrukturierungen bleibt daher nicht, es sind eher die „Soft Skills“ wie Herzblut und Leidenschaft, die gefragt sind.

Um Begeisterung im Umfeld zu entfachen, müssen nämlich vor allem Ergebnisse und Spielweise der Mannschaft stimmen. Die Bilanz der letzten drei Turniere? Zweimal WM-Aus in der Vorrunde, einmal war Endstation im EM-Achtelfinale. Von zehn Pflichtspielen wurden nur drei siegreich gestaltet. Bonjour tristesse!

Völler fordert: „Benötigen Teamspirit und Leidenschaft“

Völler legte auf SPORT1-Nachfrage den Finger in die Wunde: „Bei allem Talent, das Jamal Musiala oder Joshua Kimmich haben, hatte man das Gefühl, dass die Argentinier und Marokkaner ein paar mehr Prozent auf den Rasen gebracht haben. Wir haben richtig tolle Spieler. Aber diesen Teamspirit und diese Leidenschaft benötigen wir.“

Der DFB sucht einen Weg in die Zukunft und findet einen Mann aus der Vergangenheit. Rudi Völler wird Direktor für die Nationalmannschaft. Und Hans-Joachim Watzke erklärt, wie es dazu kam.
01:26
Hans-Joachim Watzke spricht über Auswahl von Rudi Völler als DFB-Direktor

Doch der gebürtige Hanauer alleine wird diese Aufgabe nicht meistern können: „Wenn die Bundesliga startet, dann ist die Heim-EM weit weg. Wir müssen den ein oder anderen dann wieder daran erinnern. Das ist ein weiter Weg, aber das kriegen wir hin.“ Sprich: Die Bundesligisten müssen mitziehen, die Ausbildung der Spieler vorantreiben. Kurzfristig werden Flick keine fünf neuen Stürmer oder Abwehrspieler zur Verfügung stehen.

„Das ist der Plan“: Nach der EM 2024 ist Schluss für Völler

Die Förderung von Talenten darf auf lange Sicht gesehen nicht vernachlässigt werden. Völler wird in seiner Rolle als Übergangslösung und Nachfolger von Oliver Bierhoff viele Gespräche führen, sein großes Netzwerk nutzen und an Stellschrauben drehen. Das Projekt ist aber nach diesen 18 Monaten auch – bestenfalls erfolgreich - abgeschlossen: „Das ist der Plan!“ Der Abtritt mit dem Pokal, es wäre die Krönung für Völler.