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Julian Nagelsmann und das Longboard-Dilemma: Bundestrainer fordert Raum für Typen

Nagelsmann und das Longboard-Dilemma

Julian Nagelsmann verteidigt sich für eine Aktion, die schon Jahre zurücklegt. Gleichzeitig fordert er Raum für Typen.
Experte Dietmar Hamann kritisiert Bundestrainer Julian Nagelsmann für Pärchenauftritt beim DFB-Pokal.
Julian Nagelsmann verteidigt sich für eine Aktion, die schon Jahre zurücklegt. Gleichzeitig fordert er Raum für Typen.

Es ist über zwei Jahre her, seit Julian Nagelsmann als Trainer des FC Bayern mit einem Longboard an der Säbener Straße um Trainingsplätze gezischt ist. Ein Thema ist es bis heute. Oder genauer gesagt: Wie sich der heutige Bundestrainer der Öffentlichkeit präsentiert, ist Thema geblieben.

„Das mit dem Longboard habe ich nicht bewusst gemacht, dass es dann in irgendwelchen Zeitungen erscheint. Das hat mir in dem Moment einfach Spaß gemacht, deswegen habe ich es getan“, verteidigte Nagelsmann die Aktion aus dem September 2021 im ZDF-Sportstudio jetzt.

Damals sei er zunächst gefeiert worden, meinte er weiter. Nie zuvor sein ein Bayern-Trainer auf dem Trainingsgelände auf dem Longboard unterwegs gewesen.

Nagelsmann-Kritik: Auftritt, Style, und vorschnelle Aussagen

Neben Lob gab es aber eben auch Kritik, wie er selbst weiß: „Du musst dann auch damit rechnen, dass es dir im Falle mehrerer Niederlagen um die Ohren geworfen wird, dass man sowas nicht macht.“

Generell habe er über sein Bild in der Öffentlichkeit „natürlich“ nachgedacht. Auch über seinen Look, der während seiner Bayern-Zeit ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt hatte. „Das Klamotten-Thema ist jetzt nie etwas Bewusstes, man hat ja in den Klubs auch den einen oder anderen Ausstatter. Man wird auch dazu beauftragt, Dinge zu tragen. Das ist nicht immer alles selbst ausgesucht. Es ist schon immer ein großes Thema bei mir, nicht gewollt, das ist einfach so.“

Auftritt, Style und auch vorschnelle Äußerungen: Nagelsmann polarisierte schon immer: „Man hat schon gesehen, dass ich mich in den Interviews ein bisschen angepasst habe in gewissen Situationen“, meinte er auf der einen Seite. Auf der anderen Seite verwies er auf eine Uralt-Diskussion im deutschen Fußball: „Wir fordern immer alle ein, dass es Typen gibt.“

Als Paradebeispiel nannte er Freiburgs Trainer Christian Streich, „der im Interview die eine oder andere Pointe raushaut. Er hat eine Meinung, die ich oft teile, seine Interviews finde ich genial. Wenn wir Typen fordern, müssen wir auch ein bisschen Raum für Typen lassen.“ Und nicht sofort draufhauen, „wenn einer eine Meinung hat. Das betrifft nicht nur mich.“

„Gefordert, sich weiterzuentwickeln“

Diesen Freiraum will er sich nicht komplett nehmen lassen - der eigenen Entwicklung soll dies aber nicht im Weg stehen: „Als Trainer wie auch als Spieler bist du gefordert, dich in gewissen Momenten weiterzuentwickeln, an die Situation anzupassen, an den Klub anzupassen, an die Medienwelt, die um den Klub oder Verband herrscht.“

Zuletzt hatte Nagelsmann als Bundestrainer für Verwunderung gesorgt, als er verkündete, dass die deutsche Nationalmannschaft auf dem Weg zur EM keine „Verteidigungsmonster“ mehr hervorbringen werde. Die Zukunft wird zeigen, ob dieser Satz wie einst das Longboard in einigen Jahren noch ein Thema sein wird.