Oranje nach EM-Aus unter Schock

Oranje nach EM-Aus unter Schock

Die Niederlande scheitern sensationell im Achtelfinale der EM 2021. Eine Rote Karte gegen Matthjis de Ligt ist gegen Tschechien der Knackpunkt der Partie.
Georginio Wijnaldum reagierte geschockt auf das EM-Aus
Georginio Wijnaldum reagierte geschockt auf das EM-Aus
© Imago
. SPORT1
von SPORT1
am 27. Juni

Überraschendes EM-Aus für die Niederlande!

Die nach einer Roten Karte gegen Matthijs de Ligt (55.) dezimierte Elftal verlor im Achtelfinale der EM 2021 gegen Außenseiter Tschechien mit 0:2 (0:0) und wartet damit seit 2008 weiter auf den Einzug in ein EM-Viertelfinale. Dort geht das Turnier nun für die Tschechen am Samstag in Baku (18 Uhr) gegen Dänemark weiter. (Spielplan & Ergebnisse der EM 2021)

"Es ist wirklich verrückt, dass wir ins Viertelfinale gekommen sind. Das hätte niemand gedacht, dass wir so weit kommen. Wir sind unglaublich glücklich", sagte Tschechiens Torjäger Patrik Schick in der ARD. "Wir haben vielleicht nicht die großen Stars so wie die Niederländer, aber wir hatten einen wahnsinnigen Teamspirit. Das war heute der Schlüssel des Erfolgs. Wir haben gekämpft wie die Löwen."

Wijnaldum: "Das ist sehr schmerzhaft"

Tomás Holes (68.) markierte nach einer Ecke die Führung für die Tschechen. Leverkusen-Stürmer Schick sorgte mit seinem vierten Turniertreffer (80.) für die Entscheidung und stürzte die Tausenden Oranje-Fans auf den Rängen in Budapest ins Tal der Tränen. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Mir geht alles durch den Kopf. Wir haben zu wenig geleistet. Ich weiß, dass die Liebe des Landes zu uns im Laufe des Turniers gewachsen ist. Es ist sehr schmerzhaft, sehr schwierig", sagte Wijnaldum beim TV-Sender NOS. "Von der Roten Karte konnten wir uns nicht erholen."

Denzel Dumfries ergänzte: "Das ist wie ein Schlag ins Gesicht. Dies ist ein sehr schmerzhafter Moment für uns. Das war ungenügend. Das ist sehr hart, aber das ist auch die Realität in diesem Moment. Es ist eine Schande, dass wir nach Hause fahren müssen. Wir haben eine gute Gruppenphase gespielt, aber heute hatten wir einen schlechten Tag. Wir haben als Team versagt."

De Ligt fliegt nach Videobeweis

13 Minuten vor dem tschechischen Führungstor hatte de Ligt nach VAR-Check die Rote Karte gesehen, da er im Laufduell mit Patrik Schick als letzter Mann den Ball knapp vor dem Strafraum mit der Hand gestoppt hatte. Schiedsrichter Sergey Karasev hatte zunächst nur Gelb gezeigt, korrigierte seine Entscheidung aber nach Sichtung der TV-Bilder.

Unmittelbar zuvor hatte Donyell Malen nach einem klasse Solo (52.) noch die Großchance zur Führung für die Niederländer vergeben.

"Die Tore, die wir verschenkt haben, die Chancen, die wir nicht genutzt haben - das alles geht einem durch den Kopf", sagte Wijnaldum noch. "Nach der Roten Karte hatten wir Schwierigkeiten, sie unter Druck zu setzen. Es wurde einfach schwieriger für uns."

Nach dem lockeren Spaziergang durch die Vorrunde vertraute Bondscoach Frank de Boer erneut auf das in den Niederlanden weiter umstrittene 5-3-2 - ohne den Wolfsburger Wout Weghorst.

Oranje tut sich gegen clevere Tschechen schwer

Mit dem Schwung aus der Gruppenphase suchten die Niederländer gleich den Weg in die Offensive. Immer wieder im Blickpunkt: die pfeilschnellen Memphis Depay und Malen. Vor allem nach Hereingaben von den Außenbahnen sorgte die Elftal in der Anfangsphase für einige brenzlige Situationen im tschechischen Strafraum. Doch nur Denzel Dumfries (13.) kam zu einer zwingenden Chance. 

Die Tschechen, mit den Bundesliga-Stars Schick und Pavel Kaderabek in der Startelf, stemmten sich ohne ihren Taktgeber und Kapitän Vladimir Darida gegen die dominanten Niederländer. Doch die Mannschaft von Trainer Jaroslav Silhavy nahm Oranje geschickt den Anfangsschwung und sorgte durch Tomas Souchek (22.) sowie Antonin Barak (38.) selbst für Gefahr.

Wijnaldum völlig aus dem Spiel genommen

Der Elftal fehlten dagegen im Offensivspiel die Impulse vom bislang so überragenden Wijnaldum, der mit einer "OneLove"-Kapitänsbinde ein Zeichen gegen Diskriminierung aller Art setzte. Der Mittelfeldregisseur wurde von den Tschechen komplett aus dem Spiel genommen: Nur zehn Pässe brachte Wijnaldum an den Mann, laut Opta die wenigsten eines niederländischen Feldspielers in einem K.o.-Spiel einer EM (über 90 Minuten) seit Beginn der Datenerfassung 1980. Während er in der Gruppenphase noch pro Spiel an mindestens drei Torschüssen direkt beteiligt war, initiierte Wijnaldum im Achtelfinale keinen einzigen Abschluss.

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Bis auf wenige Momente enttäuschten die Niederländer im ersten Durchgang, nur selten blitzte der Spielwitz der Offensivstars auf.

So etwa auch nach der Pause, als Depay Malen mit einem genialen Hackenzuspiel in Szene setzte, der aber frei vor Keeper Tomas Vaclik die beste Möglichkeit fahrlässig ausließ (52.). Auf der Gegenseite klärte de Ligt den Ball mit der Hand vor Schick, verhinderte damit eine klare Torchance und flog nach Videobeweis vom Platz.

Die beiden Szenen versetzen den Niederländern einen Schock, den die Tschechen umgehend zu nutzen versuchten. Gleich im Anschluss blockte Dumfries noch gerade so den Abschluss von Kaderabek (64.), beim Führungstreffer köpfte Holes allerdings frei aus kurzer Distanz ein - und belohnte sein Team damit für die Drangphase.

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