So denkt Effenberg über Eriksen-Drama

So denkt Effenberg über Eriksen-Drama

SPORT1-Experte Stefan Effenberg spricht über die Entscheidung, das Spiel nach dem Drama um Christian Eriksen fortzusetzen. Unverständnis äußert er über Timo Werner.
Im EM Doppelpass diskutieren die Experten, ob es richtig war, dass das Spiel Dänemark-Finnland nach Eriksens Zusammenbruch fortgesetzt wurde. Stefan Effenberg meint Ja.
Spielabbruch richtig? "...musst du wegschütteln!"
05:45
von S. Effenberg
am 13. Juni

Liebe Fußball-Freunde,

beim Kollaps-Drama um Dänemarks Christian Eriksen war natürlich auch ich geschockt. Gerade wenn man bedenkt, dass so etwas nicht passieren sollte, da man heutzutage im Profisport medizinisch doch so gut aufgestellt ist. (NEWS: Alles zur EM)

Ich bin aber der Meinung, sie haben es richtig gemacht, das Spiel fortzusetzen, nachdem Eriksen der Mannschaft ja selber gesagt hatte: "Macht weiter!" Natürlich ist das diskutabel, aber meine Meinung ist, dass es richtig war (Kommentar: Das Handeln der UEFA ist Wahnsinn).

Da findet ja auch ein Verdrängungsmechanismus statt. Was wäre denn gewesen, wenn man einen Tag später weitergespielt hätte? Die Spieler hätten ja permanent wach gelegen. Klar: Am Ende muss so etwas jeder für sich selber entscheiden. Aber wenn Eriksen sagt: "Ich bin stabil!" Ja, dann spricht meiner Meinung nach auch nichts dagegen, dass man weitergespielt hat.

Unabhängig davon, ob man Profi ist: Jeder Spieler ist charakterlich natürlich anders, der eine ist eben sensibler, der andere kann das schneller abschütteln. Aber es geht schon, dass du das dann beiseiteschiebst. (SERVICE: Der Spielplan der EM)

Und so hart es sich vielleicht anhört: Das ist dann das Geschäft! Und dann musst du das auch abschütteln. Einige können das besser, andere beschäftigt das noch Tagen und Wochen. Aber leider Gottes gehört auch das dazu. Kurzum: Wenn du einen Kader hast, in dem alle gefragt werden und die meisten dafür sind, dann spielt die Mannschaft eben weiter.

Effenberg über Timo Werner, DFB-Team und Frankreich

Bei der deutschen Nationalmannschaft ist mir Timo Werner wegen seiner recht zurückhaltend wirkenden Anspruchshaltung aufgefallen. Dieses Interview von ihm, das hätte ich so nicht gegeben von wegen: "Ich bin zwar hinten dran, aber das ist okay, ich schmolle nicht."

Was soll ich dazu sagen?! Ja klar, im Sinne der Nationalmannschaft … aber du kannst doch auch sagen: "Wenn ich nicht spiele, dann bin ich angefressen und sauer, klar will ich spielen!" Aber so dahingehen wie Werner und sagen: "Ja, ich stellte mich da hinten an." ... Oder wird man so geschult vom DFB, dass die den Spielern sagen: "Geh da hin, sag' das dann so."

Was die offenbar ja neu entfachte gute Stimmung der Deutschen betrifft: Die Stimmung ist immer wichtig, sie kann aber auch schnell kippen. Warten wir mal ab, wie sie nach den Spielen gegen Frankreich und Portugal ist. Aber dass sie ihre Stimmung nach der verkorksten WM 2018 derart plakativ verkaufen, würde ich denn jetzt auch nicht auf die Goldwaage legen wollen.

Beim ersten deutschen Vorrundengegner Frankreich geht der Blick momentan vor allem auf das Störfeuer zwischen Kylian Mbappé und Olivier Giroud

Ob dieser Zoff nun gut ist für Deutschland? Vielleicht sollten wir das alles nicht zu hoch kochen. Das ist doch nicht unser deutsches Problem, wenn es da zwischen Mbappé und Giroud geknallt haben soll. Wir müssen doch auf uns schauen. (NEWS: Alles zum DFB-Team)

Timo Werner gibt sich vor dem EM-Start zurückhaltend in Bezug auf seine Rolle in der Mannschaft. Die Experten im EM-Doppelpass können das nicht verstehen.
02:42
Für diese Aussage hagelt es Kritik an Werner

Trotz WM-Blamage 2018: Respekt vor Deutschland

Was auch klar ist: Die anderen Nationen haben noch immer Respekt vor uns. Da spielt auch die WM 2018 gar keine Rolle mehr. Und Bundestrainer Joachim Löw baut genau auf seine Erfahrung im Team und eine Achse – deshalb ist Toni Kroos für mich auch gesetzt, wenn er fit ist.

Nicht vergessen sollten wir übrigens auch Italien: Sie zählen für mich zu den Titel-Favoriten, kleinmachen müssen sie sich sicher nicht. (EM: Alle Tabellen der EM 2021)

Der EM Doppelpass vom 13. Juni in voller Länge zum Nachschauen - u. a. mit Torwart-Legende Toni Schumacher und Comedian Oliver Pocher.
1:48:32
Sendung verpasst? Der EM Doppelpass mit Schumacher und Pocher

Sie haben einen überragenden Torhüter, Donnarumma ist für mich der kommende Welttorhüter, Und durch diese Abwehr mit Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci musst du erst mal durchkommen, das ist ja wie eine Wand.

Trainer Roberto Mancini hat die perfekte Mischung gefunden, im Kollektiv hat mich das echt begeistert. Er setzt auch nicht mehr nur auf die großen Namen, sondern auch auf die Jungen und Kreativität in der Offensive - das gab es in der Vergangenheit bei den Italienern auch nicht immer so. Und nach der WM-Blamage 2018 wollen sie natürlich den Titel.

Euer
Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 bildet der 52-Jährige mit Marcel Reif und Mario Basler das feste Experten-Team des CHECK24 Doppelpass.

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