Gündogan fleht Löw wegen Sané an

Gündogan fleht Löw wegen Sané an

Leroy Sané bleibt das Sorgenkind von Joachim Löw. Gegen Frankreich kommt er spät. Ilkay Gündogan fordert seinen Platz in der Startelf.
Ilkay Gündogan (l.) und Leroy Sané (r.) kennen sich bestens aus der Zeit bei Manchester City
Ilkay Gündogan (l.) und Leroy Sané (r.) kennen sich bestens aus der Zeit bei Manchester City
© Imago
von F. Plettenberg, P. Berger, J. Stutzky
am 16. Juni

Deutschland verliert, Leroy Sané lacht!

Kann man ihm das übel nehmen? Einige Fans tun das, denn nach dem Abpfiff gegen Frankreich (0:1) fingen die Kameras den 25 Jahre alten Flügelspieler dabei ein, wie er mit Freunden am Spielfeldrand sprach und lachte. Es hagelte einen Shitstorm im Netz. Sané polarisiert, doch das scheint ihm egal zu sein. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Seine Mitspieler hatten jedenfalls weniger Grund zur Freude. Der EM-Auftakt ging mächtig nach hinten los. Deutschland ist am Samstag gegen Portugal bereits zum Siegen verdammt.

Welche Rolle Sané gegen die Portugiesen spielen wird, die ihr Auftaktspiel gegen Ungarn 3:0 gewannen? Völlig unklar!

Erwartungsgemäß verspielte der Star des FC Bayern seinen Stammplatz auf den letzten Metern und musste anstelle von Kai Havertz auf die Bank.

Nach seiner Einwechslung in der 74. Minute (für Havertz) konnte er dem DFB-Spiel keine Impulse verleihen und blieb unauffällig. Einen Freistoß setzte er über das Tor. Ein Bewerbungsschreiben für einen Startplatz sieht anders aus.

Löw: "Nicht wie erhofft"

An der Seite von Antonio Rüdiger verließ er am Dienstagabend um 23.57 Uhr die Allianz Arena. Bundestrainer Joachim Löw sagte wenige Minute zuvor: "Unsere Einwechselspieler kamen nicht so gut ins Spiel wie erhofft. Frankreich hat aber auch tief verteidigt."

Sané war damit ebenfalls gemeint.

Seine Joker-Rolle, in welcher er sich mangels konstant guter Leistungen selbst hineinmanövriert hat, ist die falsche für ihn. Diese Auffassung vertritt vor allem Ilkay Gündogan, einer seiner besten Freunde.

SPORT1 fragte Gündogan: Was muss passieren, damit Sanés EM-Knoten platzt?

"Leroy ist ein Spieler, der Rhythmus braucht. Der das Gefühl braucht, ständig den Unterschied machen zu können. Wenn er topfit ist, dann hat er auch alle Möglichkeiten, bei uns den Unterschied zu machen", sagt Gündogan.

Er selbst, daraus machte er keinen Hehl, hätte seinen Kumpel gerne in der Startelf gesehen.

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"Er ist ein Spieler, der sich nicht leicht damit tut, die letzten 20 Minuten zu kommen, um dann im nächsten Spiel zu starten und dann wieder nach 60 Minuten heruntergenommen zu werden und wieder eine halbe Stunde zu spielen”, sagt Gündogan: "Er ist jemand, der dieses Selbstverständnis haben muss, ständig zu spielen. Und wenn er dann spielt, dann ist er unglaublich."

Und weiter: "Ich kenne ihn aus Zeiten bei Manchester. Auch bei City hatte man das Gefühl, dass an ihm kein Weg vorbeigeht. So war es ja auch. Er hat dort mit einem Selbstverständnis gespielt, das er für sein Spiel braucht. Gerade für jemanden, der offensiv auch immer wieder ins Risiko geht, ins Eins zu Eins geht und den Unterschied ausmachen will."

Nur Sané kennt die Antwort

Ohne Frage will Sané viel, doch oft gelingt ihm zu wenig. Liegt es nun daran, dass er nicht in Form ist? Die falsche Einstellung hat? Zu wenig Vertrauen vom Bundestrainer spürt? Oder ist es sogar eine Frage der Qualität?

Nur Sané wird die Antwort kennen. Doch klar ist, dass er vor allem an seiner Körpersprache arbeiten muss. Lacht er nach einer Niederlage im krisengebeutelten Fußball-Deutschland, muss er mit Reaktionen rechnen. Ist er lustlos im Training oder Spiel, sieht man ihm das an. Anderen Mitspielern nicht.

Sanés Schonzeit ist jedoch vorbei. Das hat Löw mit der Aufstellung gegen Frankreich bewiesen.

Trotzdem sagt Gündogan: "Ich hoffe einfach, dass er so viel Einsatzzeit wie möglich bekommen wird, damit er in diesen Rhythmus kommt. Wir sind hier, um ihm zu helfen. Wir unterstützen ihn. Wir wissen, wie gut er ist und wie gut er uns tun kann. Er selbst weiß es auch."

Irgendwann muss es dann Sané dann aber auch zeigen. Bestenfalls gegen Portugal, sodass ganz Fußball-Deutschland mit seinem Hoffnungsträger lachen kann.

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