Diskussionen um umstrittenen Elfer

Diskussionen um umstrittenen Elfer

Ein fragwürdiger Elfmeter ebnet England den Weg ins EM-Finale. Die Entscheidung von Schiedsrichter Danny Makkelie sorgt für heftige Kritik.
Die Dänen protestierten heftig gegen die Elfmeterentscheidung
Die Dänen protestierten heftig gegen die Elfmeterentscheidung
© Imago
. SPORT1
von SPORT1
am 8. Juli

Es war die Schlüsselszene - und sie ebnete England den Weg ins EM-Finale.

Nach einem minimalen Kontakt von Joakim Maehle ging Raheem Sterling in der Verlängerung des Halbfinales zwischen England und Dänemark (2:1 n.V.) im Sechzehner zu Boden. Maehle hatte Sterling mit seinem rechten Bein leicht am rechten Knie touchiert - Schiedsrichter Danny Makkelie deutete sofort auf den Punkt.

Die Dänen protestierten, doch auch der Videoassistent Pol van Boekel sah keinen Anlass, Makkelie zu überstimmen.

Der EM Doppelpass mit Uli Hoeneß, Stefan Effenberg und Mario Basler am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Gräfe über Elfmeter: "Insgesamt zu hart"

"Es gibt den VAR, also nehme ich an, dass sie es überprüft haben und bei der Entscheidung des Schiedsrichters geblieben sind", sagte Englands Trainer Gareth Southgate hinterher der BBC.

Für den langjährigen Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe war die Elfmeterentscheidung "insgesamt zu hart".

"Man sieht den Kontakt Knie gegen Wade. Aber Sterling geht schon mit der Intention rein, den ziehen zu wollen. Aufgrund des Fallmusters sieht man eigentlich schon, dass das nicht ausreichend ist", sagte Gräfe im ZDF. "Ich persönlich finde ihn nicht richtig und finde, dass Weiterspielen hier richtig gewesen wäre. Er hat auch ganz oft weiterlaufen lassen im Mittelfeld bei Situationen, die ähnlich waren."

Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich sah das ähnlich. "Bei der Linie von Makkelie, die relativ großzügig war, hätte man erwartet, dass man den Strafstoß nicht pfeift", meinte Ittrich bei MagentaTV.

"Lehrgeld für den Schiedsrichter"

Für Gräfe spielte in dieser Szene auch Makkelies mangelnde Erfahrung eine Rolle.

"Danny hat jetzt sein erstes großes Turnier und hat insgesamt ein super Spiel abgeliefert. Er ist für mich auch ein Riesentalent. Aber er hat noch keine EURO gepfiffen, noch keine WM gepfiffen und jetzt direkt ein Halbfinale. Das ist dann auch Lehrgeld für den Schiedsrichter. Er hat sich dann vielleicht doch ein bisschen beeinflussen lassen. Bei einem nicht ganz so erfahrenen Schiedsrichter in so einem Spiel kann das dann den alles entscheidenden, kleinen Unterschied machen", sagte Gräfe über den 38-jährigen Niederländer.

Zu allem Überfluss war in der Szene auch noch ein zweiter Ball im Spiel. Als Sterling auf dem rechten Flügel in den dänischen Strafraum eindrang, lief er sogar nur wenige Meter daran vorbei.

"Normalerweise ist das schon auch ein störender Faktor für die Spieler, sodass man das Spiel unterbrechen könnte. Man sieht aber auch, dass beide Spieler weiterspielen. Vielleicht hat das den Schiri auch kurz abgelenkt. Weil er überlegt hat, ob er unterbrechen muss oder nicht", sagte Gräfe.

Mertesacker bemängelt fehlenden Gang in die Review-Area

Die Elfmeterentscheidung des niederländischen Schiedsrichters konnte auch Per Mertesacker nicht nachvollziehen.

"Der Schiedsrichter hat seine Linie früh festgelegt. Aber warum nutzt er nicht den VAR? Warum lässt er sich nicht die Möglichkeit, erstmal laufen zu lassen und dann den VAR hinzuzuziehen? Das verstehe ich nicht", meinte der Weltmeister von 2014.

Für Ittrich passte der fehlende Gang in die Review-Area - wie es etwa in der Bundesliga üblich ist, wenn sich der Schiedsrichter nicht zweifelsfrei sicher ist - ins Bild dieses Turniers. "Ich glaube, dass das nicht die Devise bei den Schiedsrichtern bei dieser EM ist", sagte Ittrich. "Es gab eine kleine Berührung am Knie, deswegen haben sie wohl gesagt, wir greifen hier nicht ein."

Der Gefoulte hatte indes seine ganz eigene Sicht der Dinge. "Er hat sein Bein rausgestellt, daher ist es ein klarer Elfmeter", sagte Sterling bei ITV.

Harry Kane trat schließlich an, scheiterte aber zunächst an Dänemarks Keeper Kasper Schmeichel, den Abpraller verwertete der Stürmer zum 2:1-Endstand. "Ich habe mich für die Seite entschieden", sagte Kane. "Es war nicht der am besten ausgeführte Elfmeter von mir, manchmal verfehlt man und er fällt einem in den Weg, und zum Glück war das heute der Fall."

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