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„Der Lewandowski der Zukunft“

„Der Lewandowski der Zukunft“

Beim Debakel der deutschen U21-Nationalmannschaft gegen Polen spielt sich ein Trio in den Fokus, das zum Teil auch schon auf größerer Bühne aktiv war.
Antoni Di Salvo spricht über die Verletzung von Youssoufa Moukoko. Dieser hatte sich eine muskuläre Verletzung zugezogen und ist im MRT.
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von Robin Klausmann

Es war ein rabenschwarzer Abend für die Jungs von Antonio di Salvo.

Mit 0:4 verlor die deutsche U21-Nationalmannschaft am Freitag im Nebel von Großaspach gegen Polen und suchte nach der herben Niederlage nach Antworten auf das Geschehene.

„Sie haben mich aber beeindruckt in den Zweikämpfen. Kompromisslos, wie ich das normalerweise auch von uns erwarte und mit aller Härte aber das gehört dazu. Es gab ja auch einen Schiedsrichter auf dem Platz der gepfiffen hat und die haben da schon ein paar Talente drin, die herausragend waren“, kommentierte Co-Trainer Hermann Gerland die Leistung der Polen.

Doch wer sind die Youngster, die das deutsche Team überrannten? SPORT1 stellt die drei Hauptdarsteller der polnischen Mannschaft vor.

Adrian Benedyczak - Mit Buffon im Abstiegskampf

Kosta Runjaic hätte ihn am liebsten gehalten: Bis zum vergangenen Sommer trug Adrian Benedyczak noch das Trikot vom polnischen Erstligisten Pogon Stettin und trainierte unter dem ehemaligen Duisburg- und Lautern-Coach, bevor er für zwei Millionen Euro zu Parma Calcio in die Serie B wechselte.

„Sie haben einen sehr guten, jungen Spieler gekauft, der mitten in der Entwicklung steht. Aus meiner Sicht kann das der Lewandowski der Zukunft werden“, schwärmte der gebürtige Wiener bei ProSieben MAXX über seinen ehemaligen Schützling. Worte, die dem 20-Jährigen gefallen werden und der beim Gala-Auftritt der Polen gegen Deutschland zwei Mal traf.

Körperlich besitzt Benedyczak jedenfalls beste Voraussetzungen, seinem erfolgreichen Landsmann nachzueifern: Mit 1,91 Meter hat der Stürmer seine Stärken vor allem im Kopfballspiel und im Spiel mit dem Rücken zum Tor, ähnlich wie Lewandowski. Derzeit arbeitet der Parma-Profi vor allem daran, seine Physis und seine Dynamik zu verbessern, was die deutsche U21 schmerzlich zu spüren bekam.

Ansonsten liest sich seine bisherige Vita unspektakulär: In der Ekstraklasa kam er in der vergangenen Saison auf drei Treffer in 25 Spielen, nach seiner Leihe zu Chrobry Glogow in Polens zweite Liga im Jahr zuvor standen ebenfalls vergleichsweise magere acht Torbeteiligungen in 19 Spielen zu Buche.

Nun spielt er also bei AC Parma gemeinsam mit Torhüter-Legende Gigi Buffon gegen den Abstieg, zeigte sich zuletzt aber in aufsteigender Form. Drei Startelf-Einsätze und zwei Tore sorgten für ordentlich Selbstvertrauen beim Talent aus Kamién Pomorski, einer Kleinstadt im Norden Polens. Leistungen, die Weltmeister Buffon nach seinem Siegtreffer beim 1:0-Erfolg über LR Vicenza in einem Tweet würdigte:

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Aus dem italienischen „Che Dio ci Benedica“ für „Gott segne uns“, machte der 43-Jährige kurzerhand „Che Dio ci Benedyczak!“

Sympathiebekundungen, die der polnische Youngster nur zurück geben kann: „Er vermittelt nicht den Eindruck von Distanz oder Überlegenheit, er lächelt ununterbrochen, er hilft anderen, er gibt Anregungen. Gigi hat einen guten Kontakt zu fast allen Leuten im Verein, er gibt Parma eine sehr positive Energie.“

Benedyczak könnte also eine größere Karriere bevorstehen, sollte er den Durchbruch in Italien schaffen. Einer, den man auf dem Schirm behalten sollte.

Kacper Kozlowski - der „polnische Pogba“

Das wohl größte Talent im polnischen Fußball, Kacper Kozlowski, hat seinen Weg derweil noch nicht ins Ausland gefunden.

Der ehemalige Teamkollege von Benedyczak hat sich seit der vergangenen Spielzeit bei Pogon Stettin in der Ekstraklasa festgespielt und kämpft mit dem Team von Kosta Runjaic derzeit um die Meisterschaft mit.

Der zeigte sich auf transfermarkt.de von der Entwicklung seines Schützlings beeindruckt: „Seine Entwicklung und die Anpassung im Seniorenfußball ist von Woche zu Woche sichtbar. Er hat vor allem im körperlichen Bereich große Fortschritte gemacht. Kacper spielt unbekümmert, dennoch schon sehr reif und erwachsen unter Drucksituationen. Sein Zweikampfverhalten wird besser und besser – er ist robust, scheut keine Duelle und kann auch mal seinem Gegenspieler ‚wehtun‘“.

Kein Wunder also, dass der zentrale Mittelfeldspieler als „polnischer Pogba“ bezeichnet wird und sogar schon für die A-Nationalmannschaft debütierte. Dort avancierte er bei der vergangenen Europameisterschaft mit 17 Jahren und 246 Tagen zum jüngsten Spieler der EM-Geschichte.

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Nach schwierigem Start ist der 18-Jährige aus der Startelf von Stettin nicht mehr wegzudenken und kommt nach zwölf Spielen bereits auf drei Tore und drei Vorlagen - eine beeindruckende Bilanz für einen Mittelfeldspieler.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Youngster den Sprung ins Ausland schafft, was angesichts der Liste an Interessenten - von Borussia Dortmund über Juventus Turin bis zum FC Liverpool - nicht zum Problem werden sollte. Von einem Wechsel zu den Reds riet ihm Weltfußballer Robert Lewandowski kürzlich jedenfalls schon einmal ab, was die Konkurrenz sicher freuen wird. (Bericht: Wechsel zu Klopp? Lewy rät Talent davon ab)

Lewandowski glaubt indes an eine große Zukunft seines Landsmanns, wie er zuletzt am Rande eines Trainingslagers der polnischen Nationalmannschaft verriet: „So wie er sich bewegt, aussieht und verhält, ist er definitiv älter als in seinem Pass angegeben. Er hat Talent. Das können Sie sehen. Wenn er alles mit dem Kopf macht, hat er eine große Zukunft vor sich.“

Und auch der ehemalige Juventus-Spielmacher und Präsident des polnischen Fußballverbandes, Zbigniew Boniek, ist überzeugt, dass Kozlowski den Weg in Europas Elite finden wird: „Vor ein paar Jahren war ich bei einem internationale Nachwuchsturnier. Dort spielten unter anderem Musiala, Elliott, Bellingham und Kozlowski. Ich muss sagen, dass Kacper sie damals übertroffen hat.“

Egal in welche Top-Liga es den Mittelfeldspieler ziehen wird, die Fußballwelt dürfte noch einiges von Kozlowski erwarten.

Jakub Kaminski - Flügelstürmer á la Blaszczykowski

Ähnliche Veranlagungen bringt auch der nächste Deutschland-Schreck mit: Jakub Kaminski, der im Spiel gegen die deutsche U21 die ersten drei Treffer vorlegte. Wie Kozlowski befindet sich der Außenstürmer im Kampf um die Meisterschaft in der Ekstraklasa und kam für Lech Posen in dieser Spielzeit bereits auf fünf Tore und vier Vorlagen.

Der 19-Jährige wurde bereits zweimal zum Jugendspieler des Monats der Ekstraklasa gewählt, war bei seiner letzten Auszeichnung gar der jüngste Spieler seit dem Ex-Leverkusener Arkadiusz Milik, dem diese Ehre zu Teil wurde. Daneben darf sich der gebürtige Schlesier seit September dieses Jahres A-Nationalspieler nennen, als er beim 7:1-Erfolg der Polen gegen San Marino über 90 Minuten auf dem Platz stand.

„Ich bin ein charaktervoller Mann aus Schlesien, ich möchte meine Träume verwirklichen. Einige dieser Träume habe ich mir seit meinem Debüt in der Ekstraklasa bereits erfüllt. Ich stehe jeden Morgen auf, um zu trainieren, Spiele zu bestreiten und mich weiterzuentwickeln“, sagte der Nationalspieler zu Beginn des Monats dem polnischen Sportsender Canal+Sport.

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Seinen Traum lebt der 1,79-Meter große Flügelflitzer jedenfalls schon. In der vergangenen Saison schnupperte er mit Lech Posen internationale Luft, als er nach drei Einsätzen mit dem siebenmaligen polnischen Meister allerdings schon in der Vorrunde der Europa League ausschied.

Der Youngster kommt bereits auf beeindruckende 80 Pflichtspieleinsätze für die Posener, mit denen er ambitionierte Ziele hat: „Ich möchte das Schicksal von Spielen entscheiden. Ich will die Figur sein, die Lech Posen antreibt.“

Dabei macht Jakub Kaminski keinen Hehl daraus, nach dieser Saison den nächsten Schritt machen zu wollen, wie er dem Magazin Liga+ Extra verriet: „Mein Plan für 2022 darin besteht, mit Lech Posen die polnische Meisterschaft zu gewinnen und zu einem Verein aus den fünf besten europäischen Ligen zu wechseln sowie zur Weltmeisterschaft 2022 in Katar zu fahren.“

Ambitionierte Ziele für ein Talent, das seine große Zeit erst noch vor sich hat. Wo genau der die verbringen wird, ist derzeit allerdings noch unklar. Im vergangenen Sommer scheiterte der VfL Wolfsburg mit einem Ablöse-Angebot über sieben Millionen Euro.

Günstiger wird das Top-Talent nach den jüngsten Leistungen wohl nicht und so ist es gut möglich, dass Kaminski im Sommer den Transferrekord der Ekstraklasa von elf Millionen Euro knacken und Jakub Moder als teuersten Spieler ablösen wird.