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Nationalmannschaft: Duelle gegen Rumänien - Anekdoten mit Berti Vogts und Co.

Als Rumänien die Vogts-Ära beendete

Vor dem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft blickt SPORT1 auf die besten Anekdoten in den Duellen mit Rumänien.
Timo Werner und Kai Havertz erleben beide eine schwierige Phase beim FC Chelsea. Hansi Flick erklärt, dass jeder Spieler Eigeninitiative zeigen muss und das solche Tiefs dazugehören.
Vor dem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft blickt SPORT1 auf die besten Anekdoten in den Duellen mit Rumänien.

Deutschland trifft am Freitag in Hamburg zum bereits 14. Mal auf Rumänien. (WM-Qualifikation: Deutschland - Rumänien, Fr. 20.45 Uhr im LIVETICKER)

Legendäre Spiele waren nicht wirklich dabei, nur zwei Mal ging es um mehr als das Prestige. Aber zu erzählen gab es doch so einiges. Sport 1 öffnet den Anekdotenschatz dieser Länderspielpaarung.

25. 8. 1935 – der Blitzstart

Beim 4:2 in Erfurt erzielte Josef Rasselnberg vom VfL Benrath bereits nach 21 Sekunden das 1:0. Es war eines der schnellsten Tore der DFB-Historie und definitiv das schnellste in einer neuen Paarung. Denn damals trafen sich Deutsche und Rumänen erstmals zu einem Länderspiel.

25. 9. 1938 – Nationalhymne auf dem Hauptbahnhof

Zum ersten Gastspiel in Bukarest reisten die Deutschen im mondänen Orientexpress an und wurden am Bahnhof mit der Nationalhymne empfangen. Sogar der rumänische König Carol machte seine Aufwartung.

Diese Gesten der Gastfreundschaft hielt die Herberger-Elf nicht vom Siegen ab. In sengender Hitze – obwohl es schon Ende September war – gewannen sie mit 4:1. Unter den Schützen war der spätere Bundestrainer Helmut Schön

14. Juli 1940 – Ein ganzes Stadion wartet auf einen Spieler

Die Zuschauer wurden immer ungeduldiger und begannen zu pfeifen. Die Mannschaften waren doch da, Betreuer und Schiedsrichter auch. Warum also wurde nicht pünktlich angepfiffen im Frankfurter Waldstadion? Einer immerhin wusste es. (DATEN: Tabellen der WM-Qualifikation)

Einsam stand Nationaltrainer Sepp Herberger vor dem Stadion und spähte unruhig nach einem Nachzügler aus. Dann kam er endlich herbei gespurtet. Hans Fiederer, 20Jahre alter Stürmer der Spielvereinigung Fürth, ging in die Geschichte ein als der Nationalspieler, auf den ein ganzes Stadion wartete. 15 Minuten lang!

Und das kam so:

„In der Eile der Abfahrt vom Hotel zum Stadion hatte man zwar im Omnibus genau abgezählt, mich dabei aber vergessen.“, erzählte Fiederer 1966 im Sport Magazin, dessen Chefredakteur er nach dem Krieg wurde. Er sei wegen einer Darminfektion geschwächt gewesen, das Training am Vortag für ihn deshalb zu anstrengend – und so habe er eben vor lauter Erschöpfung verschlafen.

Fiederer: „Deshalb am Sonntag der gesunde Schlaf, deshalb das glatte Verschlafen nach vorherigem Wecken. Was blieb mir anders übrig, als auf dem überfüllten Trittbrett der überfüllten Straßenbahn zum Stadion zu fahren? Deshalb die Verspätung. Die Zuschauer von Frankfurt, die dadurch empört pfiffen, mögen mir bis heute verzeihen.“

Sie wurden schnell wieder versöhnt, am Ende stürmte die Jugend jubelnd den Platz. Denn auf der manuell betriebenen Anzeigetafel stand ein furioser 9:3-Sieg, Fiederer steuerte dazu zwei Treffer bei. Übertroffen nur von einem Debütanten, der einmal erster Ehrenspielführer des DFB und Weltmeister werden sollte. Der 19jährige Kaiserslauterer Fritz Walter schoss an jenem Juli-Sonntag sogar drei Tore und erlebte anschließend eine weitere Premiere. „Beim ersten Bankett meines Lebens – ganze neunzehn Jahre war ich alt – staunte ich auch über jede Kleinigkeit: die prächtig gedeckte Tafel, die geschliffenen Gläser, die diensteifrigen Ober.“, lesen wir in seinen Erinnerungen „Spiele, die ich nie vergesse“.

Auch Hans Fiederer hat jenes Spiel nie vergessen und schrieb – wenn auch kein Buchkapitel – so doch immerhin einen launigen Zeitungsartikel über sein Missgeschick, das bis dahin der Öffentlichkeit unbekannt geblieben war. Die NS-Presse hatte es mit keinem Wort erwähnt. Es passte wohl nicht in die Wertevorstellung der Nazis, dass eine von ihnen organisierte Veranstaltung nicht pünktlich beginnen würde.

Sie wurden schnell wieder versöhnt, am Ende stürmte die Jugend jubelnd den Platz. Denn auf der manuell betriebenen Anzeigetafel stand ein furioser 9:3-Sieg, Fiederer steuerte dazu zwei Treffer bei. Übertroffen nur von einem Debütanten, der einmal erster Ehrenspielführer des DFB und Weltmeister werden sollte. Der 19jährige Kaiserslauterer Fritz Walter schoss an jenem Juli-Sonntag sogar drei Tore und erlebte anschließend eine weitere Premiere.

„Beim ersten Bankett meines Lebens – ganze neunzehn Jahre war ich alt – staunte ich auch über jede Kleinigkeit: die prächtig gedeckte Tafel, die geschliffenen Gläser, die diensteifrigen Ober.“, lesen wir in seinen Erinnerungen „Spiele, die ich nie vergesse“.

Auch Hans Fiederer hat jenes Spiel nie vergessen und schrieb – wenn auch kein Buchkapitel – so doch immerhin einen launigen Zeitungsartikel über sein Missgeschick, das bis dahin der Öffentlichkeit unbekannt geblieben war. Die NS-Presse hatte es mit keinem Wort erwähnt. Es passte wohl nicht in die Wertevorstellung der Nazis, dass eine von ihnen organisierte Veranstaltung nicht pünktlich beginnen würde.

1. Juni 1966 – Seelers Rekordtor

Im letzten Test vor der WM in England gab es für ein zähes 1:0 der Schön-Elf Pfiffe von den mit 72.000 Menschen voll besetzten Ludwigshafener Rängen. „Im Hinblick auf die Weltmeisterschaft ein deprimierendes Länderspiel“, schrieb Hans Fiederer ernüchtert. Historisch war es dennoch, denn Torschütze Uwe Seeler holte Rekordhalter Fritz Walter mit seinem 33. Länderspieltor ein. Bei der so erfolgreichen WM, als man das Finale erreichte, zog Seeler dann am alten Fritz vorbei.

14. 6. 1984 – Die Irrfahrt nach Lens

Erstmals trafen sich die beiden Auswahlteams bei einem Turnier, in der EM-Vorrunde ging es erstmals um Punkte. Wobei die Premiere beinahe geplatzt wäre. Dass das erste Pflichtspiel in dieser Paarung überhaupt stattfand, ist vor allem DFB-Busfahrer Walter Kohr zu danken. Wie das?(DATEN: Spielplan und Ergebnisse der WM-Qualifikation)

Von offenbar nicht sonderlich ortskundigen französischen Polizisten eskortiert, verpasste der Mannschaftsbus die Ausfahrt nach Lens. Busfahrer Kohr behielt die Nerven, vertraute seinem Instinkt, fuhr auf eigene Faust 50 Kilometer über Landstraßen und verdiente sich ein Extralob der mitreisenden Frau von DFB-Präsident Hermann Neuberger: „Herr Kohr, das haben Sie sehr gut gemacht!“

Das erzählte der beliebte Busfahrer noch Jahrzehnte danach voller Stolz immer wieder gern.

In Lens angekommen, half sogar der DFB-Präsident beim Auspacken der Koffer, es ging um jede Minute. Eine halbe Stunde später als von der Uefa vorgeschrieben, aber noch rechtzeitig zum Anpfiff waren die für ihre Pünktlichkeit gerühmten Deutschen im Stadion. Der Adrenalinkick vor dem Anpfiff hatte womöglich sein Gutes. Jedenfalls gewannen sie dank eines Doppelpacks von Rudi Völler mit 2:1. Es war der einzige Sieg bei jener EM und der letzte des Bundestrainers Jupp Derwall, der nach dem Aus zurücktrat.

5. 9. 1998 – Bertis Ende

Musste Derwall noch sanft zu seinem Rücktritt gedrängt werden, ging 14 Jahre später die Initiative vom Bundestrainer aus. Der hieß Berti Vogts und hatte nach nach einem trostlosen Testspiel gegen Rumänien (1:1), das seltsamerweise auf Malta stattfand, die Nase voll. In Ta‘Qali hatte die Nationalelf drei Tage zuvor schon gegen die Malteser gespielt (2:1) und die Vogts-Kritiker nach der schwachen WM in Frankreich nicht besänftigen können.

Das Remis gegen Rumänien brachte an jenem September-Tag das Fass zum Überlaufen. Auch der späte Ausgleich durch Bayerns Christian Nerlinger (86.) änderte nichts an der Stimmung in der Medienlandschaft. Vogts tat nicht nur den Kritikern, sondern auch sich selbst einen Gefallen damit, dass er zwei Tage danach zurücktrat. Er sehe keine Möglichkeit mehr, die Mannschaft auf die EM 2000 vorzubereiten. „Außerdem bin ich es mir selbst schuldig, den letzten Rest von Menschen-würde zu verteidigen, welche mir noch gelassen worden ist.“

Mit ihm beendete auch der für gerade mal zwei Spiele zurückgekehrte Stefan Effenberg seine Länderspielkarriere – nun endgültig. So ersparte er sich die verkorkste EM 2000, bei der die Deutschen wieder auf Rumänien trafen. Das Ergebnis war das gleiche und kein gutes Omen – eine Woche und zwei Niederlagen später trat auch Ribbeck zurück. Rumänien in der Gruppe zu haben ist also kein gutes Omen. Hoffentlich gilt das nicht auch für Qualifikationsspiele…

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