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WM 2022: DFB-Sponsoren reagieren auf Debatte um "One Love"-Binde

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WM 2022: DFB-Sponsoren reagieren auf Debatte um "One Love"-Binde

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Weitere DFB-Partner reagieren

Weitere DFB-Partner reagieren

Nach den Diskussionen um die „One Love“-Binde beendet REWE seine Kooperation mit der Nationalmannschaft. Die weiteren DFB-Sponsoren kritisieren hauptsächlich die FIFA.
Der DFB und der Lebensmittelkonzern REWE kooperieren nicht länger miteinander. Daher ersetzt der Verband das Markenzeichen mit dem "One Love"-Logo.
Sebastian Mühlenhof
Sebastian Mühlenhof

Die Debatte um die „One Love“-Binde war bislang ein beherrschendes Thema der Weltmeisterschaft. (NEWS: Alles Wichtige zur WM)

Am Mittwoch mündete der Streit zwischen FIFA und einigen Verbänden in der Mund-zu-Aktion der deutschen Mannschaft vor der Auftaktpleite gegen Japan.

Zuvor hatte der erste Sponsor die Konsequenz gezogen. So hatte REWE mit sofortiger Wirkung die Partnerschaft mit dem DFB, die sowieso zum Jahresende ausgelaufen wäre, gekündigt.

„Wir stehen ein für Diversität – und auch Fußball ist Diversität. Diese Haltung leben wir und diese Haltung verteidigen wir – auch gegen mögliche Widerstände. Die skandalöse Haltung der FIFA ist für mich als CEO eines vielfältigen Unternehmens und als Fußballfan absolut nicht akzeptabel“, begründete Lionel Souque, CEO der REWE Group, den Schritt in einer Pressemitteilung.

Volkswagen kritisiert FIFA: „Nicht akzeptabel“

Diese Äußerungen haben auch für etwas Sorgen beim DFB-Präsidium gesorgt. Flyeralarm etwa erklärte SPORT1, dass die DFB-Führung um Präsident Bernd Neuendorf und Geschäftsführer Dr. Holger Blask das Gespräch mit den Partnern gesucht habe.

Es sei „offen über den Entscheidungsprozess“ berichtet worden, an dessen Ende auf die „One Love“-Binde verzichtet wurde. „Die Partner hatten Gelegenheit, auch ihre Enttäuschung und Erwartungshaltung an den DFB unmittelbar zu adressieren“, schildert Flyeralarm.

Die Online-Druckerei ist bei dem Turnier nicht werblich vertreten und hat „auch auf sonstige Aktivierungen rund um das Turnier gänzlich und bewusst verzichtet.“ Dennoch stünden sie weiterhin zu ihrer Kooperation mit dem Verband.

Volkswagen kritisiert FIFA: „Nicht akzeptabel“

Mit ihrer Haltung steht Flyeralarm nicht alleine da. So schreibt Coca-Cola auf SPORT1-Nachfrage: „Wir glauben, dass der Sport Menschen zusammenbringt und eine Kraft für das Gute ist. Wir wollen durch unsere Partnerschaft und unser Engagement bei FIFA-Weltmeisterschaften dazu beitragen, Optimismus und Zusammenhalt in der Gesellschaft weltweit zu fördern.“

Deswegen will der Getränkehersteller auch sein Engagement beim DFB „gemeinsam fortführen“. Denn: „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Veränderungen Zeit brauchen und durch nachhaltige Zusammenarbeit und aktives Engagement erreicht werden können. Wir unterstützen die LGBTQI+-Gemeinschaft seit langem und werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass diese Werte weltweit respektvoll vertreten werden.“

Bundestrainer Hansi Flick hat sich zum Verbot der "One Love"-Binde und die damit verbundenen Sanktionen geäußert.
02:54
Hansi Flick äußert sich zum Verbot um "One Love"-Binde durch die FIFA

Auch bei Volkswagen ist ein vorzeitiges Ende des Sponsorings kein Thema. „Für uns umfasst die Partnerschaft mit dem DFB nicht nur die Nationalmannschaft der Männer, sondern den gesamten deutschen Fußball wie z.B. die Nationalmannschaft der Frauen und besonders auch den Fußball der Jugend und Amateure. Es gab beim DFB in den letzten Monaten viele gute Entwicklungen. Und wir wollen auch zukünftig mit dem DFB gemeinsam an positiven Veränderungen im Fußball insgesamt arbeiten“, teilte das Unternehmen mit.

VW sieht die aktuelle Debatte um die von der FIFA verbotene Binde jedoch sehr kritisch: „Wir bedauern die aktuelle Entwicklung sehr. Das Verhalten der FIFA ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel.“

Zudem fügte der Autohersteller an: „Wir sind kein Partner der WM oder der FIFA. Dennoch hätten wir es begrüßt, wenn die europäischen Verbände ein solches sichtbares Zeichen für Vielfalt bei diesem Turnier gesetzt hätten. Die Diskussionen und Reaktionen zeigen, dass sich im Weltfußball dringend etwas Grundsätzliches ändern muss!“ (DATEN: WM-Spielplan 2022)

Ergo „bedauert“ Aus von „One Love“-Binde

Auch die Versicherung Ergo zeigt klare Kante. „Menschenrechte gelten universell und sind unteilbar. Fußballerische Großereignisse und die damit verbundene Aufmerksamkeit bieten auch immer eine Bühne für gesellschaftliche Themen, auch auf internationaler Ebene“, verkündete das Unternehmen bereits vor dem Turnier.

Auf SPORT1-Nachfrage untermauerte ein Unternehmenssprecher diese Haltung: „Wir haben die Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der anderen europäischen Fußballverbände, auf das Tragen der One-Love-Binde zu verzichten, zur Kenntnis genommen. Wir bedauern, dass die Binde nicht getragen wird, unterstützen die verschiedenen Initiativen des DFB mit Blick auf Menschenrechte, Diversität und Chancengleichheit und stehen in engem Austausch mit dem Verband.“

Eine deutliche Kritik an die FIFA richtet auch Engelbert Strauss. „Strauss kritisiert – ebenso wie der DFB – die Haltung und die gesetzten Richtlinien des Weltverbandes FIFA gegen eine klare Zeichensetzung durch die One-Love-Armbinde sehr scharf“, erklärte das Unternehmen zu SPORT1.

Das Einzelhandelsunternehmen vertritt die Überzeugung, „dass der Sport offen für alle Menschen sein muss – egal welcher Herkunft, welcher Religion, welcher Orientierung.“ Deswegen haben sie sich auch „bewusst gegen werbliche Maßnahmen und Aktivierungen rund um die WM entschieden und ist im Rahmen seiner DFB-Partnerschaft auch in keiner anderen Form vor Ort in Katar präsent.“

Commerzbank hält sich in „One Love“-Debatte zurück

Kein großes Thema ist die Debatte hingegen bei der Commerzbank. So ist die Bank zwar weiterhin DFB-Partner, hat ihren Vertrag für die Herren-Nationalmannschaft jedoch zum Ende des vergangenen Jahres auslaufen lassen.

„Die Beendigung des Engagements bei der Herren-Nationalmannschaft hatte keinen Bezug zur WM, sondern wurde primär aus internen marketingstrategischen Gründen umgesetzt“, erklärte das Unternehmen auf Anfrage von SPORT1 und verwies auf das Sponsoring der DFB-Frauen. Dennoch positioniert sie sich „klar gegen Intoleranz und für Vielfalt“.