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WM: Wer soll Kimmich vertreten?

Was, wenn Kimmich ausfällt?

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nimmt die WM-Vorbereitung auf. Der Kader ist auf nahezu jeder Position doppelt stark besetzt. Doch ausgerechnet auf einer Schlüsselposition wirkt die Auswahl dünn.
Deutschland hat mit Joshua Kimmich nur einen Rechtsverteidiger im WM-Kader. Bundestrainer Julian Nagelsmann begründet seine Entscheidung.
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nimmt die WM-Vorbereitung auf. Der Kader ist auf nahezu jeder Position doppelt stark besetzt. Doch ausgerechnet auf einer Schlüsselposition wirkt die Auswahl dünn.

Wenn es nach Philipp Lahm gegangen wäre, würde Joshua Kimmich in der deutschen Nationalmannschaft nicht hinten rechts in der Abwehrkette spielen. Der Weltmeister von 2014 stellte den DFB-Kapitän in seiner persönlichen Wunschelf auf die Doppelsechs.

Dazu wird es allerdings vorerst nicht kommen. Bundestrainer Julian Nagelsmann plant Kimmich weiterhin auf der rechten Abwehrseite ein. Doch was passiert, wenn der 31-Jährige bei der WM ausfällt und ersetzt werden müsste?

Genau hier könnte sich womöglich eine Achillesferse des DFB-Teams auftun. Denn echte Alternativen stehen Nagelsmann kaum zur Verfügung.

Wer soll Joshua Kimmich vertreten?

Bei der Auftaktpressekonferenz in Herzogenaurach wollte Nagelsmann am Mittwochnachmittag keine konkreten Namen nennen, erklärte aber, dass es „mehrere“ Optionen gäbe: „Es hängt davon ab, wie die Situation im Spiel ist, wie die Situation in der Gruppenphase oder in einem K.o.-Spiel ist, wie das Ergebnis ist, ob das im Spiel oder vor dem Spiel passiert. Es gibt verschiedene Optionen: offensivere Optionen oder ein Tick defensivere Optionen.“

Der Bundestrainer gab aber auch zu: „Es gibt nicht diesen klassischen Rechtsverteidiger-Backup.“ Er fügte dann aber an: „Aber auch bewusst gewählt, um auf einer offensiveren Position ein anderes Profil mitnehmen zu können. Ich kann nur so viel verraten, dass – sollte Joshua mal was passieren, wovon wir nicht ausgehen – nicht alleszusammenbricht, sondern wir schon Ideen haben. Nur die sind vielfältig und nicht nur auf einen Namen reduziert.“

Für den defensiveren Part kommen vor allem zwei Spieler infrage. In der offensiveren Variante gäbe es ebenfalls eine interessante Lösung. SPORT1 stellt die möglichen Kandidaten vor:

Waldemar Anton

Der Innenverteidiger des BVB absolvierte nahezu jedes Spiel der Saison. In der Bundesliga verpasste er gerade einmal zwei Partien, in allen anderen stand er jeweils über die volle Distanz auf dem Platz. Der 29-Jährige ist Mister Zuverlässig und entwickelte sich in Dortmund still und heimlich zum Abwehrchef. Gerade dann, wenn Nico Schlotterbeck schwächelte oder ausfiel, war Anton zur Stelle.

Meist agierte er im Zentrum einer Dreierkette. Nagelsmann könnte bei Bedarf jedoch umstellen und Anton hinten rechts aufbieten, denn der ehemalige Stuttgarter kann defensiv nahezu jede Position bekleiden. Auch in einer Viererkette könnte er seine Stärken ausspielen: zweikampfstark, robust und nur schwer zu überwinden. So schnell kocht ihn kein Offensivspieler ab. Ein ähnliches Profil bringen auch Malick Thiaw und Antonio Rüdiger mit.

Eine Lösung mit Anton als Außenverteidiger würde Erinnerungen an die WM 2014 wecken. Beim Titelgewinn wurde Innenverteidiger Benedikt Höwedes mit großem Erfolg als Linksverteidiger aufgeboten.

Pascal Groß

Der Routinier ist eigentlich im Zentrum zuhause, führte Brighton & Hove Albion nach seinem Winter-Wechsel sogar mehrfach als Kapitän aufs Feld. Allerdings verfügt auch der 34-Jährige über Erfahrung hinten rechts in der Kette. Beim BVB half Groß unter Ex-Trainer Nuri Sahin immer wieder auf der defensiven Außenbahn aus, wenn Not am Mann war.

Zwar gehört der ehemalige Brighton-Spieler nicht unbedingt zu den Schnellsten – wobei das auf Kimmich ebenfalls zutrifft –, doch mit seiner Erfahrung, Spielintelligenz und seinem Stellungsspiel kann er viele Situationen frühzeitig lösen. Genau das schätzt Nagelsmann enorm an Groß. Höchst fraglich bleibt allerdings, ob das gegen schnelle Eins-gegen-eins-Spieler ausreichen würde.

Maximilian Beier

Nagelsmann schwärmte zuletzt in höchsten Tönen vom Dortmunder, der sich gerade noch ein Ticket für die WM sichern konnte. Beier verkörpere „die deutsche Arbeitermentalität: Marschieren, Machen, Gas geben. So wollen wir die deutsche Nationalmannschaft sehen“, lobte der Bundestrainer vor allem die Einstellung des 23-Jährigen.

Dass Beier im Kader steht, hängt auch mit seiner Variabilität zusammen. Beim BVB ist er normalerweise offensiver unterwegs – ob auf dem Flügel oder im Zentrum. Doch auch er durfte unter Trainer Niko Kovac in dieser Saison eine für ihn ungewohnte Rolle übernehmen. Beier überzeugte auf der linken Abwehrseite und kristallisierte sich dort als mehr als nur eine Notlösung heraus – allerdings in einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette.

Diese zusätzliche Absicherung hätte Beier in der DFB-Elf, die normalerweise mit einer Viererkette aufläuft, nicht. Mit seiner Geschwindigkeit und seinem Offensivdrang könnte er dennoch eine interessante Option darstellen. Ein ähnliches Profil bringt auch Jamie Leweling mit.

Einer der heimlichen Helden des WM-Titels 2014

Wie wichtig ein vermeintlicher Backup gerade auf den Außenverteidigerpositionen bei einem Turnier werden kann, zeigte 2014 Benedikt Höwedes eindrucksvoll. Vor der WM in Brasilien galt der eigentliche Innenverteidiger nur als Außenseiterkandidat, am Ende spielte er als einer von nur drei Spielern jede einzelne Minute des Wettbewerbs – als Außenverteidiger.

Dabei war lange nicht einmal sicher, ob Höwedes es überhaupt in den Kader schaffen würde, nachdem er den Großteil der Rückrunde verletzt verpasst hatte. Heute gilt er als einer der heimlichen Helden des WM-Titels. Gut möglich also, dass auch diesmal ein vermeintlicher Ersatzspieler plötzlich seinen großen Auftritt bekommt.