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Doué: Aus dem Schatten des Bruders zum Deutschland-Schreck?

Nur der Bruder oder Deutschland-Schreck?

Guéla Doué brachte seinem Bruder und Frankreich mit der Elfenbeinküste - Gruppengegner der DFB-Elf - eine bittere Niederlage bei. Eine Warnung auch an das deutsche Team.
Guéla Doué bejubelt seinen Treffer gegen Frankreich
Guéla Doué bejubelt seinen Treffer gegen Frankreich
© IMAGO / ABACAPRESS
Conrad Fröhlich
Guéla Doué brachte seinem Bruder und Frankreich mit der Elfenbeinküste - Gruppengegner der DFB-Elf - eine bittere Niederlage bei. Eine Warnung auch an das deutsche Team.

Den Anflug eines Lächelns konnte Desiré Doué sich nicht verkneifen, als die Elfenbeinküste zum 1:1-Ausgleichstreffer gegen Frankreich kam. Schließlich war es Desirés zwei Jahre älterer Bruder Guéla, der in der 53. Minute cool links unten einschob.

Das Testspiel zwischen Frankreich und der Elfenbeinküste verfolgte der frischgebackene Champions-League-Sieger 90 Minuten von der Bank aus und sah, wie sich sein Bruder mit einem Tor und einer Vorlage zum Matchwinner des 2:1-Sieges gegen die stark favorisierten Franzosen aufschwang. Der Rechtsverteidiger von Racing Straßburg machte sich damit zum fünften in Frankreich geborenen Spieler, der in einer offiziellen Partie gegen sein Herkunftsland ein Tor erzielte.

Auch das DFB-Team dürfte die Partie aufmerksam verfolgt haben, schließlich handelt es sich bei der Elfenbeinküste um einen Gruppengegner der Elf von Bundestrainer Julian Nagelsmann (2. Spieltag, Samstag, 20. Juli, um 22 Uhr). Doué und die Elfenbeinküste kauften den Franzosen gerade in Hälfte zwei den Schneid ab und sandten somit eine Warnung an die deutsche Auswahl.

Zwei Brüder, unterschiedliche Wege

Doch warum half PSG-Offensivmann Desiré nicht dabei mit, sondern findet sich in Frankreichs Kader wieder? Auch umgekehrt hätte sich Guéla für Frankreich entscheiden können. Die Brüder haben eine französische Mutter und einen ivorischen Vater, was beiden die freie Wahl der Nationalmannschaft ermöglichte. Guéla entschied sich für die Elfenbeinküste, Desiré für die französische Auswahl. Die Doué-Brüder sind beide in Frankreich geboren.

Die Wege der Akteure mit so unterschiedlichen Spielarten trennten sich schon weitaus früher. Die Brüder wuchsen in Le Rheu auf, einer Stadt in der Nähe von Rennes. Folglich reiften sie bei Stade Rennes, dem nächstgrößeren Verein heran, und durchliefen dort die Jugendmannschaften. Beide kamen bei Rennes zum Profidebüt.

Schon die Tatsache, dass der Desiré 2022 im Alter von 17 Jahren debütierte und der zwei Jahre ältere Guéla erst im darauffolgenden Jahr, zeigt auf, wie unterschiedlich die Reise der beiden Spieler ausfallen sollte. Während Desiré für Furore sorgte und Ligaprimus PSG auf sich aufmerksam machte, sprang für Guéla „nur“ Racing Straßburg heraus.

Beide verließen Rennes nach der Saison 2023/24. Zuvor durften sie aber noch gemeinsam auf dem Platz stehen. Im Oktober gegen Nantes erzielte der Jüngere sein erstes Saisontor, während Guéla einen Elfmeter verursachte.

Guéla Doués Mentalität

„Desiré ist ein reines Talent, und Guéla – alles, was er hat, hat er sich geholt“, wird ein enger Freund von Guéla in der l’Equipe zitiert. „In Rennes leidet er unter seinem Image, weil er sich Zeit genommen hat, um zu wachsen, aber er ist ein Monster. Guéla ist gefasster Spieler, er hat eine unfassbare Reife.“

Der flexibel einsetzbare Rechtsverteidiger hat die Rolle des großen Bruders auf den Platz übertragen. Dass zwischen die beiden Brüder kein Blatt Papier passt, machte er bei den offiziellen Vereinsmedien von Stade Rennes deutlich: „Mein kleiner Bruder hat mich immer begleitet. Wir gehen gemeinsam voran. Ich zeige ihm den Weg, er folgt mir. Wir wollen zeigen, wozu die Familie Doué fähig ist.“

Ein Mann für die besonderen Momente ist Guéla eher nicht, aus dem Spiel von Racing Straßburg ist er aber nicht mehr wegzudenken und hat sich als feste Säule in der Abwehrkette etabliert. „Die Wertschätzung seiner Wegbegleiter spricht Bände. Guéla ist ein anderes Phänomen durch Arbeit, weil sein Weg keine Autobahn war. Er war nie ganz oben, aber jede Erfahrung hat sein System genährt“, wird Mathieu le Scornet, einst Co-Trainer bei Stade Rennes, von der l’Equipe zitiert.

Schockt die Elfenbeinküste die DFB-Elf?

Für Straßburg-Kapitän Habib Diarra sei er der „fleißigste Arbeiter im Team“. Auch Èmerse Faé, Trainer der Elfenbeinküste, lobte seine vorbildliche Einstellung: „Es ist schön, ihn zu trainieren, weil er sich hohe Ziele setzt, hart arbeitet und sich nie beschwert. Er ist sehr strukturiert und gut von seiner Familie umgeben.“

Mit dieser Einstellung soll er seiner Nation dabei helfen, Deutschland im zweiten Gruppenspiel einen empfindlichen Dämpfer beizubringen. Die Sinne der DFB-Elf dürften spätestens nach dem Achtungserfolg gegen Frankreich geschärft sein – auch weil mit Leipzigs Yan Diomande der Shootingstar der vergangenen Bundesligasaison schlechthin in der Angriffsreihe wirbelt.

Einer deutschen Mannschaft tat Doué in dieser Saison übrigens bereits weh: Racing Straßburg beendete die Conference-League-Reise von Mainz 05 im Viertelfinale – auch wenn der Rechtsverteidiger das furiose Rückspiel (4:0-Sieg) krankheitsbedingt verpasste.

Kommt es wieder zum Brüder-Duell?

Gegen die DFB-Elf sollen bei der Elfenbeinküste jedoch andere Spieler für die besonderen Momente sorgen. Wie gewohnt soll Doué die Dinge auf dem Platz erledigen, die nur äußerst selten großen Raum in den Medien finden – auf verlässliche Art und Weise. Ob er so seinen Bruder, der mit Paris stets im Scheinwerferlicht steht, übertrumpfen kann? Wahrscheinlich nicht.

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Dagegen sprechen schließlich schon die unterschiedlichen Spielweisen der Geschwister. Wohl auch deshalb zieht Ex-Rennes-Trainer den Hut vor Doué und findet es „mental stark, sich vom Schatten seines jüngeren Bruders zu befreien“. „Nur“ der große Bruder ist Guéla also lange nicht mehr – falls er es überhaupt mal gewesen ist.

Bei der Weltmeisterschaft dürfte der Fokus der beiden Brüder ihren jeweiligen Nationen gelten – möglicherweise bis zum Sechzehntelfinale. Beenden die Elfenbeinküste und Frankreich ihre Gruppe auf dem zweiten Platz, folgt bereits am 30. Juni das nächste Familienduell – möglicherweise mit beiden Doués in der Startelf. Erzielt einer der Brüder einen Treffer, sollte sich das Lächeln ob der sportlichen Tragweite des Duells aber besser verkniffen werden.