Die deutsche Nationalmannschaft hat zum Abschluss der WM-Gruppenphase enttäuschend mit 1:2 gegen Ecuador verloren. Torhüter Manuel Neuer machte besonders beim zweiten Gegentreffer keine allzu glückliche Figur – wies eine Schuld aber von sich.
WM 2026: Die Presse sieht es anders als Neuer
Die Presse sieht es anders als Neuer
„Ne“, sagte der 40-Jährige in der Mixed-Zone kurz und knapp auf die Rückfrage eines Reporters, ob der Gegentreffer auf seine Kappe gehen würde. Torschütze Gonzalo Plata hatte nach einer Ecke seinen Fuß entscheidend in die Kopfballverlängerung hineingehalten und den fangbereiten Neuer schlecht aussehen lassen.
„Warum nicht?“, fragte der Reporter nach einer Erklärung. „Weil es eine ganz normale Kopfballverlängerung ist und ich dann versuche, den Ball zu fangen. Also eine ganz normale Situation. Jeder Torwart, der schon gespielt hat, weiß, dass ich mich so zu dem Ball hinstellen muss und dass ich versuchen muss, ihn so zu fangen“, begann Neuer seine Erklärung.
WM: Neuer erklärt seinen Gedankengang
Neuer führte aus: „Ich schaue auf den Ball und versuche, ihn zu fangen. Ich sehe ihn (Gegenspieler Plata, d. Red.) natürlich von hinten ja auch gar nicht. Ich muss auf das schauen, was vor mir passiert, wo der Ball ist und was mit dem Ball passiert. Deshalb wollte ich ihn einfach nur fangen und das wäre auch die sicherste Lösung gewesen.“ Ein Patzer sei es „auf gar keinen Fall“, wie er lachend anmerkte.
„Ich finde beim zweiten Tor, dass sollte er besser machen“, meinte Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger in der ARD, stellte jedoch direkt klar: „Es ist aber keine Leistung, bei der wir eine Grundsatzfrage stellen müssen. Wenn jetzt eine Diskussion darüber anfängt, können wir gleich nach Hause fahren. Es war nicht so schlecht, dass man genau das diskutieren muss.“
„Das geht mir dann doch zu schnell. Ich glaube, auch da wussten wir vor dem Turnier, dass Manuel Neuer nicht mehr absolut fehlerfrei ist“, sagte der 44-Jährige. „Ich bleibe bei meiner Überzeugung: Manuel Neuer ist immer noch so gut, dass er Spiele gewinnen kann. Wir werden ihn später noch einmal brauchen, wenn es vielleicht richtig eng wird und er einen unhaltbaren Ball hält. Dazu ist er immer noch in der Lage. Daher würde ich die Diskussion heute nicht länger führen.“
Presse sieht Neuer-Situation anders
Als Fehler Neuers sah es jedoch zum Teil die internationale Presse: „Die Südamerikaner verleihen ihrer Kampagne neuen Schwung, weil ein Patzer von Manuel Neuer den Underdogs in New Jersey den Sieg schenkt“, schrieb etwa die englische Daily Mail. Die italienische Gazzetta dello Sport meinte: „Ecuador feiert: Sieg gegen Deutschland und Einzug ins Sechzehntelfinale – Plata entscheidet, Neuer mit Unsicherheit (…). Neben der Niederlage droht auch ein Kratzer im Selbstvertrauen.“
Weltmeister Bastian Schweinsteiger nahm Neuer in Schutz: „Also bis jetzt gut“, bewertete der ARD-Experte die bisherigen Leistungen des Torhüters. „Manchmal denkst du dir ein bisschen, ja gut: Wo sind die großen Paraden und so weiter und so sofort? Aber die sind halt auch noch nicht gekommen, weil es jetzt auch noch nicht so viele Schüsse aufs Tor gab. Den einen Ball von Enner Valencia hält er sehr gut“, erklärte er.
Neuer und Tah entscheidend beteiligt
Beim ersten Gegentor konnte Neuer nicht viel ausrichten, wie auch Schweinsteiger klarstellte: „Der geht mit dem Vollspann durch die Beine von Pavlovic durch, in die Ecke rein. Das ist ganz schwer zu halten. Es ist extrem schwer für einen Torwart, darauf zu reagieren. Da kannst du wenig machen.“ Mit Blick auf das zweite Gegentor konnte der 41-Jährige nur festhalten: „Es gab eine Situation in der zweiten Halbzeit, wo Tah und er den einen dann noch kurz an den Ball lassen …“
Dieser eine war Plata, der das entscheidende zweite Tor für die Südamerikaner schoss und Ecuador somit den dritten Platz und den Einzug ins Sechzehntelfinale sicherte. Deutschland stand bereits vorher als Gruppensieger fest und hatte das Ticket für die K.-o.-Runde vorzeitig gelöst.