Das Warten hat ein Ende! Am Donnerstag beginnt die Weltmeisterschaft 2026 und damit auch der letzte Tanz sowie die unerwartete Rückkehr eines absoluten Phänomens bei Co-Gastgeber Mexiko.
Der letzte Tanz einer WM-Legende
Der letzte Tanz einer WM-Legende
Die Rede ist von Guillermo Ochoa – einem Mann, der eine ganze Generation prägte, alle vier Jahre WM-Zauber aufkommen lässt und längst zu einer Ikone des Wettbewerbs geworden ist.
Mit inzwischen 40 Jahren schreibt der Torhüter Geschichte. Wie auch die Superstars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo wird Ochoa in diesem Jahr an seiner sechsten Weltmeisterschaft teilnehmen – noch nie zuvor war dies einem Spieler gelungen.
Ochoa wird zur Kultfigur und entfacht einen Mythos
Besonders im Internet wurde Ochoa zu einer echten Kultfigur. Insgesamt spielte der Mexikaner in sieben Ländern der Welt, ein europäischer Spitzenklub war jedoch nie dabei. Stattdessen tauchte er alle vier Jahre auf der großen WM-Bühne auf und verhexte mit seinen schnellen Reflexen die gegnerischen Mannschaften.
Die beachtlichen WM-Leistungen verleiteten eine mexikanische Zeitung sogar zu dem Scherz, der Torhüter habe sechs Finger. Eine Meldung, die zum Mythos wurde. „In meinem Land haben alle darüber gelacht, doch dann hat es sich überall verbreitet“, berichtete Ochoa einst.
Sein größter Erfolg? Das Achtelfinale bei der WM 2014 gegen die Niederlande. Ochoa ließ die Offensivreihe der Elftal um Arjen Robben, Wesley Sneijder und Co. lange verzweifeln, bis zur 88. Minute führte Mexiko mit 1:0.
Es folgte ein niederländischer Doppelschlag, den der Torhüter nicht verhindern konnte. Wesley Sneijder (88.) und Klaas-Jan Huntelaar (90. +4) drehten das Spiel zugunsten von Oranje, der mexikanische Traum von einem WM-Viertelfinale zerplatzte.
Vier Jahre später ließ Ochoa ganz Deutschland verzweifeln, als die DFB-Auswahl ihr Auftaktspiel mit 0:1 gegen Mexiko verlor. 26 Torschüsse gab Deutschland damals ab, kein einziger fand den Weg ins gegnerische Tor.
Das unwahrscheinliche Comeback von Ochoa
Sein Debüt in der Nationalmannschaft feierte Ochoa bereits im Dezember 2005, vor über 20 Jahren. Insgesamt 153 Spiele absolvierte der Torhüter für „El Tri“ (Platz drei der ewigen Nationalspieler Mexikos). Dass er nach 2006, 2010, 2014, 2018 und 2022 allerdings noch einmal zum WM-Kader gehört, gleicht einem kleinen Wunder.
„Die Zeit arbeitet gegen mich, und das ist ein entscheidender Faktor“, sagte der Routinier nach der WM 2022 in Katar, auch wenn er stets den Wunsch äußerte, bei der Heim-WM erneut im Kader zu stehen.
Ochoas Zeit als unangefochtener Stammkeeper fand jedoch ein abruptes Ende. Durch eine Schulterverletzung im November 2023 feierte Luis Ángel Malagón sein Debüt. Seither etablierte sich der 29-Jährige als neuer Stammkeeper – doch dann folgte der Schock.
Malagón riss sich im März die Achillessehne. Plötzlich rückte Ochoa, der letztmals im November 2024 zwischen den Pfosten stand, wieder in das Blickfeld der Nationalmannschaft.
„Dieses Trikot zu tragen war nie Routine. Es war ein Privileg“, schrieb Ochoa zum Start der WM-Vorbereitung und bestätigte: „Heute beginnt mein letztes Trainingslager, aber dieses Mal sehe ich es anders. Mit mehr Narben, mehr Erinnerungen – und derselben Hoffnung wie der Junge, der einst davon träumte, dieses Wappen zu verteidigen.“
Erinnerungen an 2010: Rückt Ochoa doch noch ins WM-Tor?
Wenn am Donnerstagabend (21 Uhr im LIVETICKER) im Aztekenstadion das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika steigt, nimmt Ochoa mit hoher Wahrscheinlichkeit aber nur die Rolle des Unterstützers auf der Ersatzbank ein. Der 14 Jahre jüngere Raúl Rangel spielte in diesem Jahr in jeder der acht Partien Mexikos und kam dabei nur zweimal nicht über die volle Distanz zum Einsatz.
Ein wenig Hoffnung auf einen Einsatz gegen Südafrika bleibt Ochoa aber wohl. In Mexiko berichtete unter anderem Azteca Deportes vor wenigen Tagen, dass der Oldie beim Auftaktspiel doch ins Tor rücken könnte.
Der erfahrene Schlussmann habe im Training mit seinen Leistungen überzeugt und auch bei seinen 45 Minuten Einsatzzeit im vorletzten WM-Test gegen Australien einen starken Eindruck gemacht. Stattdessen führte ein Patzer von Rangel, der bisher nur bei Testspielen im Tor stand, beinahe zu einem Gegentor.
Für Ochoa könnte sich bei einem Einsatz zum Auftakt sogar ein Kreis schließen. Schon bei der WM in Südafrika 2010 fand das Eröffnungsspiel zwischen den beiden Teams statt.
Damals rechnete sich der heutige Kult-Keeper große Chancen aus, im Tor zu stehen. Ochoa galt als die Nummer eins zwischen den Pfosten, Mexikos Nationaltrainer Javier Aguirre – auch heute noch im Amt – entschied sich allerdings doch für die Erfahrung und setzte auf den 37-Jährigen Óscar Pérez.
Bekommt Ochoa 16 Jahre später nun doch überraschend den Vorzug und darf ein WM-Auftaktspiel von Beginn an auf dem Platz bestreiten? Ausgerechnet Pérez spricht sich dafür aus.
„Ohne Zweifel ist er eine Option. Er steht auf der Liste. Er hat fünf Weltmeisterschaften gespielt und eine große Konstanz gezeigt“, meinte der ehemalige Nationaltorhüter im As-Interview und erklärte: „Für mich hat er die nötigen Voraussetzungen, um dabei zu sein. Man muss abwarten, was der Trainerstab entscheidet, aber ich glaube nicht, dass wir ein Problem im Tor haben werden.“
WM-Rolle? Das sagt Ochoa
Ochoa selbst zeigte sich bei Mediotiempo zurückhaltender und bereit, jede Rolle anzunehmen. „Ich war schon immer ein Wettkämpfer und möchte das bis zum letzten Tag meiner Karriere bleiben“, sagte Ochoa und erklärte: „Meine Verantwortung ist es, mich auf das Spielen vorzubereiten, zu reagieren, wenn ich auf dem Feld sein muss, aber auch die Gruppe zu unterstützen, wenn die Rolle anders ist.“
Bei einer Weltmeisterschaft seien die Stammspieler genauso wichtig wie andere Akteure, die nach ihrer Einwechslung spezielle Aufgaben lösen müssen. „Ich bin bereit für alles, was kommt“, betonte Ochoa.
Die Frage, ob seine Karriere mit dem großen Highlight in diesem Sommer ein Ende finden wird, beantwortete Ochoa bei TUDN zuletzt mit einem „vielleicht“. Er meinte: „Irgendwann sagen dir Kopf und Körper: Wir haben alles gegeben.“
Zumindest bei einer WM dürfte es sein letzter Tanz werden. Auch wenn die Fans dies wohl erst glauben, wenn Ochoa 2030 tatsächlich nicht mehr wie aus dem Nichts auftaucht.