Belgien schien bei der WM schon aus dem Turnier ausgeschieden zu sein – und steht nun doch im Achtelfinale. Gegen Senegal lagen die „Roten Teufel“ bis weit in die Schlussphase mit 0:2 hinten, schafften es mit einem irren Endspurt aber doch noch die Verlängerung. Am Ende wurde aus Verzweiflung Ekstase: 3:2 nach über 120 gespielten Minuten.
Das WM-Wunder, das einen an Real Madrid erinnert
WM-Wunder? Courtois denkt an Real
Dabei hatte Senegal den Favoriten lange am Haken. Habib Diarra traf zur Führung, Ismaila Sarr legte nach – und Belgien wirkte angezählt. Erst als Romelu Lukaku als Joker stach, kippte die Partie: Der Stürmer verkürzte in der 86. Minute, Youri Tielemans glich in der 89. Minute aus.
Die Entscheidung fiel ganz spät – und nach Videobeweis. Tielemans wurde kurz vor Ablauf der Verlängerung im Strafraum gefoult, der Schiedsrichter zeigte nach einem Check des Videobeweises auf den Punkt. Tielemans blieb eiskalt, verwandelte in der 125. Minute – laut ESPN der späteste Treffer der WM-Geschichte – und schickte Senegal in einem K.o.-Drama aus dem Turnier.
Courtois denkt an Real Madrids magische Nächte
Für Thibaut Courtois hatte dieser Wahnsinn einen vertrauten Klang. „Wir haben bis zum Ende geglaubt, wir haben ein Tor gemacht – und wie uns der Trainer in der Trinkpause gesagt hatte, hat sich alles verändert. Ich habe das oft erlebt – mit Real Madrid“, sagte der Keeper.
Courtois wurde noch konkreter: „Ich erinnere mich an ein Champions-League-Halbfinale, in dem Rodrygo in den letzten Minuten zwei Tore geschossen hat. Das sind sehr intensive Emotionen. Der Trainer hatte uns gesagt: Wenn wir treffen, haben wir die Chance zu gewinnen.“ Belgien nahm diese Botschaft brutal ernst – auch wenn Senegal über weite Strecken die reifere Mannschaft war.
So bewertet Trainer Gracia den Belgien-Zoff
Neben Tielemans stand auch Lukaku im Fokus – nicht nur wegen seines Treffers. „Ich glaube, es ist mein Vater, der mir von dort oben hilft“, erzählte der Stürmer über sein Tor, das die Aufholjagd lostrat. Tielemans beschrieb seinen Elfmeter-Moment so: „In diesem Moment musst du an deine Fähigkeiten glauben. Lukaku nahm den Ball, um abzulenken. Wir haben darüber gesprochen und er sagte: ‚Schieß ihn‘.“
Am Rande des Spiels kochte zudem die Stimmung im belgischen Lager hoch: Tielemans und Leandro Trossard gerieten in der zweiten Hälfte während der Trinkpause aneinander. Trainer Rudi Garcia sah dies allerdings als Zeichen von Schärfe: „Meine Spieler haben das Recht, zu diskutieren, anderer Meinung zu sein.“
„Mir gefällt das. Ich weiß nicht, warum sie stritten, aber ich will Spieler sehen, die bereit sind, alles zu geben – mit echter Gier“, so Garcia weiter: „Das Schlimmste ist, zu schweigen. Sonst bist du erledigt.“