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Er schaute bei Frankreichs WM-Aus tatenlos zu

Er schaute nur tatenlos zu

Frankreichs Star-Ensemble bleibt gegen Spaniens Defensive zahnlos. Ausschlaggebend dafür ist eine spanische Gala taktischer Natur und unstimmiges Pressing der Franzosen. Und ein Trainer, der tatenlos zusieht.
Die Schiedsrichterleistung von Referee Ivan Barton sorgt nach dem Spiel für Diskussionen. Während man in Frankreich sehr skeptisch ist, scheint Spanien-Trainer Luis de la Fuente das Problem woanders zu sehen.
Frankreichs Star-Ensemble bleibt gegen Spaniens Defensive zahnlos. Ausschlaggebend dafür ist eine spanische Gala taktischer Natur und unstimmiges Pressing der Franzosen. Und ein Trainer, der tatenlos zusieht.

Noch vor wenigen Tagen ging es vornehmlich darum, ob Frankreich mit dem Super-Sturm rund um Kylian Mbappé überhaupt aufzuhalten wäre. Spanien gab am Dienstag in Arlington eine klare Antwort darauf. Nach 90 Minuten plus die übliche Nachspielzeit stand die „Équipe Tricolore“ bei drei Schüssen aufs Tor von Unai Simón und einem Wert von 0,31 xGoals.  

Spanien war schon vor diesem Halbfinale für die eigene Defensive bekannt. Im gesamten Turnier erlaubte man bis jetzt nur neun Schüsse aufs eigene Gehäuse. Gerade weil Lamine Yamal und Nico Williams, die beim EM-Gewinn vor zwei Jahren noch ein kongeniales Flügelduo bildeten, nicht bei 100 Prozent sind, konzentriert sich Cheftrainer Luis de la Fuente so dezidiert auf die defensive Stabilität.  

Mit dem personellen Wechsel von Pedri auf Laufmaschine Fabián Ruiz während dieser WM hat er das noch einmal unterstrichen. Spanien möchte physisch wie positionell das Mittelfeld dominieren. Und genau das gelang gegen Frankreich. Mbappé und Co. wurden von der Zufuhr an Pässen weitestgehend abgeschnitten. Obendrein kamen technische Malheurs von Michael Olise und anderen im Mittelfeld.  

Deschamps hat keine Lösung parat 

Die oftmals kreierte Überzahl in den mittigen Räumen mit Rodri, Fabián und Dani Olmo wurde sowohl defensiv wie offensiv zu einem wichtigen Element des spanischen Erfolges. Frankreich lief im Spielaufbau während dieses Turniers nie auf 100 Prozent. Zu Beginn der WM ließen sich deshalb wahlweise Olise oder Ousmane Dembélé zurückfallen. Aus dem 4-2-3-1 wurde des Öfteren ein 4-3-3, um bessere Passspiel-Verbindungen zu kreieren.  

Was ansonsten bevorteilend hinzu kam, waren die Fehler der Gegner im Mittelfeld, welche anschließend durch lange Anspiele und die Tiefenläufe von Mbappé oder auch Dembélé ausgehebelt wurden. Spanien hingegen unterband die Vielzahl dieser Pässe aufgrund der Kompaktheit in Ballnähe. Nur punktuell kam Mbappé mit Tempo hinter die spanische Abwehrlinie.  

Didier Deschamps fand wie so oft in seiner Zeit als Nationaltrainer keine adäquate In-Game-Anpassung. Er brachte zur Pause Manu Koné für etwas mehr Dynamik am Ball, ließ aber den wirkungslosen Aurélien Tchouaméni auf dem Feld. Dieser hatte in seiner Rolle als Mittelfeld-Quarterback gar keinen Einfluss, weil er den Ball in der Zirkulation immer nur weiterschob, aber nie einen Impuls nach vorn setzte.

Die zweite Veränderung war der positionelle Wechsel zwischen Olise und Dembélé, wodurch der FC-Bayern-Profi wieder vermehrt auf seiner angestammten rechten Seite auftauchte. Während des Turniers hatte sich Olise ansonsten eher als Zehner im französischen Team etabliert. Ein richtiger Zehner wie Rayan Cherki kam nur von der Bank, wie auch in der Schlussphase gegen Spanien.  

Mbappé kritisiert Pressing-Taktik 

Vielleicht wäre es sogar ein Ansatz gewesen, einfach einmal lange Bälle zu schlagen und dadurch Gegenpressing-Momente zu erzeugen. Zumindest hätte man dadurch etwas Chaos erzeugen und das dominante Mittelfeld Spaniens umgehen können. Jedoch fiel es Frankreich in Texas auch auf die Füße, dass die Pressingqualität des Teams seit Turnierbeginn deutlich Luft nach oben hatte.  

Auch das normale Anlaufverhalten sah nie wirklich rund aus. „Fabián und Rodri hatten jede Menge Zeit zum Spielen. Es mangelte im Pressing an der Kommunikation. Ich denke, wir hätten auf ein Mann-gegen-Mann-Pressing setzen sollen, um sie dazu zu zwingen, mit uns zu laufen“, sagte Mbappé nach der Partie. Der Superstar des Teams riss sich in den letzten Partien etwas mehr zusammen, was die Defensivarbeit betraf. In der ersten Woche passten seine Laufwege im Pressing überhaupt nicht.  

Kramer hat Theorie für Frankreichs Probleme

2014er-Weltmeister Christoph Kramer hatte einen anderen Erklärungsansatz. „Du siehst bei Frankreich im Anlaufverhalten, dass Spanien gegen sie ewig spielen kann. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie einfach keinen Bock haben zu trainieren und du es deswegen nicht einstudieren kannst“, sagte er im ZDF. Ob nun das Anlaufverhalten nicht trainiert wurde oder die taktische Anweisung von Deschamps nicht passte, sei einmal dahingestellt. Das Pressing war aber so oder so überhaupt nicht effektiv.  

Deshalb kam Frankreich ganz selten zu den notwendigen Balleroberungen und wurde nach und nach müde gespielt. Bis zu dem Punkt, an dem Frankreichs Willen in der Schlussphase gebrochen schien. Selbst konnte man sich wenig herausspielen und defensiv hatte man keinen Zugriff. So schied das Team mit dem hochgejubelten Super-Sturm sang- und klanglos aus.