WM 2026>

Felix Magath: "Die sollen froh sein, dass sie endlich mal einen Deutschen hatten"

Tuchel? „Sie können froh sein“

Die Experten im FIROCKX.ONE WM Doppelpass auf SPORT1 nehmen England-Coach Thomas Tuchel gegen die aus ihrer Sicht überzogene Kritik in der Wahlheimat in Schutz.
Felix Magath analysiert im FIROCKX.ONE WM Doppelpass Thomas Tuchel und England. Die Trainerlegende ist kein Freund des englischen Nationaltrainers - hält aber dennoch ein flammendes Plädoyer für dessen WM-Leistungen.
Lars Hinzberg
Die Experten im FIROCKX.ONE WM Doppelpass auf SPORT1 nehmen England-Coach Thomas Tuchel gegen die aus ihrer Sicht überzogene Kritik in der Wahlheimat in Schutz.

Mit dem dritten Platz hat Thomas Tuchel mit England das beste WM-Ergebnis seit dem viel zitierten Triumph 1966 erzielt.

Aus Enttäuschung über das Halbfinal-Aus gegen Argentinien und die umstrittene Defensivtaktik steht der deutsche Nationalcoach dennoch stark in der Kritik – zu Unrecht, befand der dreimalige deutsche Meistercoach Felix Magath im FIROCKX.ONE WM Doppelpass auf SPORT1.

„Sollen froh sein, dass sie mal einen Deutschen hatten“

„Ich bin kein Freund von Tuchel“, leitete der frühere Bayern-Trainer seine Ausführungen zwar kritisch ein, sagte dann allerdings: „Das war eine Leistung, wie sie die Engländer seit Jahrzehnten nicht gesehen haben. Er hat den Kader nicht nach Günstlingen zusammengestellt, er hat Spieler herausgeschmissen, die keiner erwartet hat. Entweder er fliegt nach der Vorrunde raus oder er kommt damit sehr weit, stand für mich fest.“

Seit der Verpflichtung Tuchels wird der 52-Jährige in den englischen Medien kritisch beäugt. Viele Debatten hatte vor der WM seine Kader-Nominierung ausgelöst, bei der Stars wie Cole Palmer und Phil Foden keine Berücksichtigung fanden.

Nach dem dramatischen Halbfinal-Aus gegen Lionel Messi und Co. folgte geballter Unmut über Tuchels Defensivstrategie in dem Spiel.

Für Magath ist unverständlich, dass die Niederlage zu Grundsatzzweifeln am Coach führte – und er sieht sich bestätigt durch den Auftritt der Engländer im turbulenten Spiel um Platz 3 gegen Frankreich.

Tuchels Entscheidung, Jude Bellingham und Harry Kane auf die Bank zu setzen, habe sich da bezahlt gemacht und die Teamkollegen erfolgreich motiviert: „Ich weiß immer noch nicht, was es an Tuchel zu diskutieren gibt. Die sollen froh sein, dass sie endlich mal einen Deutschen hatten.“

Freund springt Magath bei

Unterstützung bekam Magath vom ehemaligen Tottenham-Spieler Steffen Freund: „Diese extreme Kritik hat Tuchel nicht verdient. Du hast englische Trainer, englische Experten. Und dann kommt ein Deutscher und soll sie zum Titel führen. Das ist nicht einfach. Bronze war nochmal wichtig für Tuchel. Gareth Southgate hat England in die Weltspitze geführt und nur den letzten Schritt nicht geschafft. Das sollte Tuchel jetzt.“

Bei allem Lob für den ehemaligen BVB- und Bayern-Coach blieb aber auch Raum für Kritik am 52-Jährigen. „Man muss sagen, es war mehr drin im Halbfinale. Das war kein gutes Coaching. Da hätte mehr rausspringen müssen. Wenn du drei Offensive rausnimmst und drei Defensive bringst, sendest du ein Zeichen. Er hätte die Konterspieler einwechseln müssen, um zu zeigen, dass sie den Bus nicht parken“, befand SPORT1-Experte Stefan Effenberg.

An der Seitenlinie alleine werde das Spiel allerdings nicht entschieden, sagte Effenberg. Die Spieler auf dem Platz hätten genauso Verantwortung am Scheitern der Three Lions: „Ich erwarte von den Spielern auch eine gewisse Eigenverantwortung, da auch zu handeln. Da würde ich sogar Harry Kane als Kapitän nehmen und ihm sagen, er muss ein oder zwei Leuten sagen, da ein Auge für zu haben.“

In dieselbe Kerbe schlug auch Magath: „Das 1:1 von Argentinien, das war sowas von schlecht, miserabel, falsch. Das kann ich gar nicht erklären. Das war ein Eckball, wo zehn Engländer im Strafraum waren. Aber keiner außerhalb von denen. 18 Meter vor dem Tor war alles frei. Da hätte ich einen Herzanfall bekommen, fast heute noch. Da würde ich jeden Trainer rauswerfen, wenn ich Verantwortung hätte.“

England rettet sich mit dem dritten Platz

Die Expertenrunde zeigte sich dennoch überzeugt: Durch die berauschende Offensive im letzten Spiel gegen Frankreich hat sich Tuchel wieder etwas Luft verschafft.

„Ich gehe ganz stark davon aus, dass er 2028 die Chance bekommt, den nächsten Schritt zu gehen“, konstatierte Stefan Effenberg. „Durch den Sieg weiß ich, er bekommt die Chance beim Heimturnier“ ging Steffen Freund noch einen Schritt weiter.

Gemeinsam mit Schottland, Wales, Nordirland und Irland richtet England die Europameisterschaft 2028 aus. Bis dahin läuft auch Tuchels Vertrag auf der Insel.