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Deutscher Handball-Showdown: "Es geht um die Zukunft unserer Sportart"

Hanning-Alarm: Geht um Handball-Zukunft

Für die deutschen Handballer geht es im letzten EM-Gruppenspiel um alles. Bob Hanning analysiert vor dem Spanien-Duell die Situation.
Alfred Gislason drückt bei der Handball-EM zu früh den Timeout-Buzzer - und klaut der eigenen Mannschaft so ein Tor. Nach dem Spiel zeigt er sich niedergeschlagen über den Verlauf der Szene.
Für die deutschen Handballer geht es im letzten EM-Gruppenspiel um alles. Bob Hanning analysiert vor dem Spanien-Duell die Situation.

Am Montagabend geht es für die deutschen Handballer bei der Europameisterschaft um alles. Im letzten Gruppenspiel wartet ab 20.30 Uhr (im LIVETICKER) das Team aus Spanien. Vom Weiterkommen mit Maximalpunktzahl bis zu einem historischen Aus ist dabei alles möglich.

Für Bob Hanning, der mit seinem italienischen Team keine Chance mehr auf die Hauptrunde hat, kann die Bedeutung dieser Partie nicht hoch genug bewertet werden.

„Am Montagabend geht es um alles! Es geht um die Zukunft dieser Mannschaft, es geht um die Zukunft des Bundestrainers und es geht um nicht weniger als die Zukunft unserer Sportart“, konstatierte er in seiner Bild-Kolumne.

Hanning: Aussetzer dürfen sich nicht wiederholen

Für das vielleicht „wichtigste Spiel des letzten Jahrzehnts“ muss sich nach Meinung des 57-Jährigen vieles im deutschen Team ändern. Der „kollektive Aussetzer“ gegen Serbien, der „Horrorstreifen“, den das DHB-Team am Samstagabend ablieferte, dürfe sich so in keinem Fall wiederholen.

Eine der am meisten diskutierten Szenen ist dabei für Hanning nicht wirklich entscheidend. Weniger als drei Minuten vor dem Ende hatte Bundestrainer Alfred Gislason den Buzzer für die Auszeit gedrückt, nur Sekundenbruchteile später traf Juri Knorr zum Ausgleich, doch das Tor zählte nicht – verhindert durch die deutsche Bank.

Handball-EM: Die Highlights der deutschen Spiele, der Halbfinals und des Finales auf SPORT1.de und in der SPORT1 App

Für den Italien-Coach eine „unglückliche“ Szene, die immer passieren kann, die im Serbien-Spiel aber ins Bild passte. Immerhin ehre es den Bundestrainer, dass er die Schuld auf sich genommen habe.

Rollenzuweisung fehlt im DHB-Team

Viel wichtiger aber ist für Hanning die Frage der Rollenzuweisung. „Nach einer wunderbaren ersten Halbzeit mit Tempo und Spielfreude ging unser Spiel nach der Pause den Bach runter. Fehlwürfe und technische Fehler wechselten sich munter ab, doch was mir viel mehr Sorgen macht: Ich hatte das Gefühl, dass von den Nationalspielern niemand so recht seine Rolle kennt.“

Und weiter: „Juri Knorr, unser so begnadeter Spielmacher, schmorte nach vier Treffern in Abschnitt eins plötzlich auf der Bank. Der eingewechselte Marko Grgic machte diesmal eine unglückliche Figur und wirkte ohne jede Art von Selbstvertrauen.“

Nach Meinung des Funktionärs hätte Julian Köster in einer solchen Situation eigentlich führen müssen, tat dies aber nicht.

„Und Miro Schluroff? Dessen Wurfkraft kam hinten raus überhaupt nicht mehr zur Geltung. Selbst unserer so hochgelobten Defensive fehlte am Ende der Überblick. Die von allen Seiten hochgelobte Kaderbreite ist nichts wert, wenn man sie nicht sinnvoll nutzt. Das alles müssen wir am Montag aber ausblenden.“

Deutschland braucht Glauben an sich selbst

Allzu negativ will Hanning im Angesicht der Chance auf die Hauptrunde aber nicht sein. Schon ein Sieg mit drei Toren Unterschied würde das Weiterkommen bedeuten – gegen Spanien keine unlösbare Aufgabe.

Dafür brauche es aber die eine oder andere Änderung. Wichtig vor allem: Die Abwehr aus der ersten Hälfte gegen Österreich müsse wiederkommen, betont Hanning. Dazu brauche es den Glauben an sich selbst, Spielfreude und auch die eine oder andere verrückte Idee. Und ein Spiel über die Außenpositionen, welches gegen Serbien kaum stattgefunden habe.

„Wir brauchen den absoluten Willen aller Nationalspieler. Es geht schließlich auch um unsere Ehre“, betont Hanning.