Auftakt nach Maß für die deutschen Handballer! Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason ist mit einem Sieg in die Handball-EM 2026 gestartet. Im ersten Vorrundenspiel im dänischen Herning setzte sich das DHB-Team gegen Österreich mit 30:27 (12:8) durch.
Handball-EM: Deutscher Auftaktsieg mit einem Makel
Deutscher Auftaktsieg mit einem Makel
Mit einer lange Zeit starken Abwehrleistung stellte das deutsche Team seine großen Ambitionen unter Beweis. In dem emotionsgeladenen Nachbarschaftsduell gelangen der DHB-Auswahl immer wieder minutenlange Phasen ohne Gegentor.
Die Defensive sei „das Prunkstück“ gewesen, sagte Marko Grgic in der ARD: „Wir haben eine super Abwehr gestellt über das gesamte Spiel. Die Zeitstrafen haben das Spiel wieder etwas enger gemacht. Aber wir waren nie gefährdet, irgendwas aus der Hand zu geben.“
Wenn doch mal ein Ball durchkam, war häufig Keeper Andreas Wolff zur Stelle. Der Torhüter, der mit seinen „Anti-Handball“-Aussagen über den Gegner im Vorfeld für mächtig Wirbel gesorgt hatte, parierte mit dem Bein auf Kopfhöhe, hielt mit den Armen und war einmal sogar mit seinem Gesicht zur Stelle.
Handball-EM: Deutscher Angriff sorgt für gemischte Gefühle
Nicht zufrieden waren die deutschen Spieler hingegen mit ihrem Offensivspiel: „Wir haben im Angriff leider zu viele Fehler gemacht. Haben uns schwergetan mit den hohen Verteidigern“, analysierte Renars Uscins bei Dyn. Lukas Zerbe forderte: „Wir müssen vorne einfach die freien Bälle reinschmeißen.“
Ähnlich fiel das Fazit von Coach Gislason am ARD-Mikrofon aus: „Unser Angriff, da müssen wir uns wirklich steigern. Trotzdem hätten wir das Spiel höher gewinnen können. Aber letztlich gibt es Vieles, was wir besser machen können“, bemängelte der 66-Jährige. „Wir haben teilweise das leere Tor nicht getroffen.“
Gislason jubelte nach gelungenen Aktionen an der Seitenlinie, als wenn er selbst Teil des Defensiv-Bollwerks sei. Gislason wechselte viel und nutzte die volle Breite seines Kaders. Zum besten deutschen Werfer avancierte vor 5820 Zuschauern in der Jyske Bank Boxen von Herning Kapitän Johannes Golla mit sieben Toren.
Den Schwung kann das deutsche Team mit Blick auf die kommenden Aufgaben gut gebrauchen. Die weiteren Vorrundenspiele bestreitet das deutsche Team gegen Serbien am Samstag (20.30 Uhr) und gegen Spanien am Montag (20.30 Uhr). Nur die ersten beiden Teams erreichen die zweite Turnierphase, in welche die Punkte gegen die ebenfalls qualifizierte Mannschaft mitgenommen werden. Erklärtes DHB-Ziel ist der Einzug ins Halbfinale.
Aufgeheizte Stimmung vor dem Nachbarduell
Die Stimmung für das Nachbarduell war nach den provokanten Wolff-Sätzen („Österreich spielt absoluten Anti-Handball. Das möchte eigentlich keiner sehen“) mächtig aufgeheizt. Und so rief Gislason seine Spieler kurz vor der Partie zu „Lockerheit“ auf.
In einem Eröffnungsspiel sei es „extrem wichtig, dass keiner verkrampft, alle aufeinander vertrauen“, so der Isländer am ARD-Mikrofon. Es gehe darum, „das Zusammensein mit den Kollegen zu genießen und dass der Spaßfaktor wirklich da ist. Dafür müssen wir uns konzentrieren - in Angriff und Abwehr.“
Dies gelang dem deutschen Team zunächst richtig gut, besonders in der Abwehr. Fünf Minuten lang blieb Wolff ohne Gegentor, Deutschland führte nach dem zweiten verwandelten Siebenmeter von Lukas Zerbe mit 4:1 (10.). Weil aber auch Österreich, das der deutschen Mannschaft bei der letzten EM noch ein Remis (22:22) abgetrotzt hatte, richtig gut verteidigte, blieb es in der Anfangsphase ein Spiel mit wenig Toren. Österreich glich in der 18. Minute wieder aus.
Deutschland profitiert von Wechselmöglichkeiten
Die DHB-Auswahl ließ sich vom Zwischenspurt des Gegners aber nicht verunsichern - und profitierte nun auch von seinen Wechselmöglichkeiten. Erst stellte Kreisläufer Golla per Doppelpack auf 8:6, wenig später schraubte Zerbe die Führung in einer Phase von zehn Minuten mit nur einem Gegentreffer auf 11:7.
„Ey Jungs, das ist eine phänomenale Abwehr. Wir zermürben sie in der Abwehr“, rief Gislason in der Auszeit seinen Spielern zu. Die Vier-Tore-Halbzeitführung? Folgerichtig.
Zwar robbte sich Österreich nach der Pause zunächst nochmal bis auf 14:12 heran, doch Deutschland kam nun ins Rollen und zog dank eiskalt verwandelter Schnellangriffe ruckzuck bis auf 18:13 davon. Als Wolff nach einem Gesichtstreffer beim Stand von 19:14 (41.) kurzzeitig runter musste, stand eine starke Quote von 36 Prozent gehaltener Bälle zu Buche. Es kamen weitere Paraden hinzu, das deutsche Team rettete den Vorsprung über die Zeit.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)