Handball-Ärger nach Deutschlands Krimi-Sieg zum Hauptrundenauftakt! Die geschlagenen Portugiesen machten ihrem Ärger über das angebliche Zeitspiel des DHB-Teams Luft und monierten, dass der letzte deutsche Treffer nicht hätte zählen dürfen.
Handball-EM: Wütende Proteste nach Deutschland-Thriller
Wütende Proteste nach DHB-Thriller
Was war passiert? Elf Sekunden vor der Schlusssirene hatte Portugal zum 30:31 getroffen und ein schnelles Weiterspielen gefordert. Keeper Andreas Wolff holte den Ball aber nur langsam aus dem Tor und auch Justus Fischer ließ sich beim Anwurf im Mittelkreis viel Zeit.
Der Unmut der Portugiesen bezog sich darauf, dass die Schiedsrichter hierbei die Uhr nicht anhielten. Aber auch der Umstand, dass beim Wiederanpfiff der Partie mit Miro Schluroff und Renars Uscins bereits zwei Deutsche unerlaubt in Portugals Hälfte standen, sorgte für Ärger.
Handball-EM: Große Diskussion mit Schiedsrichtern
Nachdem Renars Uscins den 32:30-Endstand für Deutschland erzielt hatte, war die portugiesische Wut groß. Auf dem Feld schrie Miguel Neves einen der beiden Schiedsrichter an und zeigte mehrfach das Timeout-Zeichen.
Ähnliche Szenen spielten sich an der Seitenlinie ab, wo einige Portugiesen wild am Tisch des Schiedsgerichts diskutierten und ihren Ärger deutlich machten.
Experte kann Portugal verstehen
„Hier wird noch ordentlich diskutiert. Die Portugiesen regen sich darüber auf, dass Andi Wolff den Ball entspannt zur Mitte geworfen hat. Ich kann es völlig verstehen, das ist in Ordnung, denn es waren nur noch ein paar Sekunden zu spielen und das nutzen die Deutschen natürlich aus. Es ist aber keiner verpflichtet, in Hektik zu verfallen, wenn man führt. Alles gut, alle werden sich gleich wieder beruhigen“, kommentierte Handball-Legende Johannes Bitter in der ARD.
Auch wenige Augenblicke nach dem Ende des Spiels ließ sich Portugals Trainer Paulo Pereira nicht beruhigen. Er ging in die Diskussion mit einem der Schiedsrichter, der ihm lautstark Kontra gab. Daraufhin entschuldigte sich Pereira bei ihm.
Portugiesen toben: „Das war ein irreguläres Tor“
Die Unparteiischen gingen daraufhin zur Mittellinie und forderten beide Teams dazu auf, sich auf ihre jeweilige Hälfte einzufinden. Die Portugiesen hörten aber nicht auf zu diskutieren, was die Zuschauer im dänischen Herning mit einem gellenden Pfeifkonzert quittierten.
Später bezog Portugals Coach Pereira beim dänischen Sender TV2 Stellung zu den Szenen vor dem letzten Tor der Partie: „Mindestens ein Spieler befindet sich auf der anderen Seite, als er pfeift. Das ist ein Fehler. Er muss das Spiel unterbrechen und neu anpfeifen. Das war ein irreguläres Tor.“
Mittelmann Rui Silva sah es wie sein Trainer: „Das Problem ist, dass sich vor dem Pfiff des Schiedsrichters kein deutscher Spieler in unserer Hälfte befinden darf. Und dort standen zwei deutsche Spieler. Vielleicht kenne ich aber auch die Regeln nicht.“
Diskussionen mit Wolff
Die Diskussionen unmittelbar nach dem Spielende gingen übrigens noch weiter. Besonders Portugals Kiko Costa sprach erhitzt mit DHB-Torhüter Wolff über die finale Szene des Spiels.
„Ihm hat überhaupt nicht gefallen, dass Fischi zum Anwurfkreis gegangen ist. Er fand das unsportlich. Ich weiß nicht, ob das wirklich unsportlich ist, hatte ein Stück weit allerdings die Angst, dass die Schiedsrichter einfach auf passives Spiel entscheiden würden“, sagte Wolff.
Die EHF machte dann trotz der Proteste mit der Ehrung zum Man of the Match weiter, zu dem Wolff dank seiner 13 Paraden gewählt wurde.
„Die Portugiesen bleiben hartnäckig mit ihren Protesten“, stellte ARD-Kommentator Florian Naß fest. Bitter fügte hinzu: „Haben wir so was schon einmal erlebt?“