Der erste Schritt Richtung Halbfinale ist gemacht! Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat im hitzigen Nervenduell gegen Portugal einen kühlen Kopf bewahrt und einen perfekten Start in ihre EM-Hauptrunde hingelegt.
Handball-EM: Revanche geglückt! Deutschland schlägt Favoritenschreck
Krimi-Sieg für Deutschland
Das Team von Bundestrainer Alfred Gislason gewann das erste Spiel in der sogenannten „Todesgruppe“ gegen den Dänemark-Schreck mit 32:30 (11:11) – und nahm damit zugleich Revanche für die Niederlage im WM-Viertelfinale im vergangenen Jahr.
„Es fällt eine Riesenlast ab. Das war ein unfassbar wichtiges Spiel für den Ausgang dieser Gruppe, und jetzt ist die Freude einfach riesig“, sagte Superjoker Miro Schluroff in der ARD. Torhüter Andreas Wolff staunte, wie „der Miro die Dinger da reingeschrotet hat“. Der Sieg nach der deutlichen Leistungssteigerung habe gezeigt, „dass wir immer den Kopf oben halten und positiv bleiben müssen.“
Handball-EM: Portugal erweist sich als kniffliger Gegner
Vor 6145 Zuschauern in der Jyske Bank Boxen in Herning benötigte Deutschland einen langen Atem. Die Portugiesen, die Weltmeister Dänemark zum Abschluss der Vorrunde mit 31:29 besiegt hatten, erwiesen sich mit ihrer knüppelharten Deckung als der erwartet knifflige Gegner.
„Es war ein sehr komisches Spiel, nicht unser bestes. Am Ende gewinnen wir es, weil wir als Mannschaft zusammenstehen“, erklärte Spielmacher Juri Knorr bei Dyn. Er warnte jedoch: „Das dürfen wir uns gegen die anderen Teams nicht erlauben.“
Gislason bilanzierte: „Wir haben in der ersten Halbzeit auch so viele technische Fehler gemacht, haben einfach etwas überdreht.“ Positiv hob der Isländer die zweite Hälfte hervor: „Wirklich super, eine riesige Leistungssteigerung.“
Wolff hält Deutschland im Spiel
Der überragende Torhüter Andreas Wolff hielt Deutschland in einem schwachen ersten Abschnitt mit starken Paraden im Spiel. Nach der Pause, als das Spiel immer hitziger wurde, übernahm neben dem Kieler Keeper aber auch Miro Schluroff viel Verantwortung und traf in Serie.
Der Gummersbacher avancierte mit sieben Treffern zum besten deutschen Werfer, alle Tore erzielte er im zweiten Abschnitt. Auch eine Rote Karte für Kapitän Johannes Golla in der Schlussphase der Partie (53.) warf das DHB-Team nicht mehr aus der Bahn.
Perfekter Start in die Hauptrunde
Durch den Erfolg steht Deutschland in der Hauptrunde nun bei 4:0 Punkten, da aus der Vorrunde bereits zwei Zähler durch den Sieg gegen Spanien mitgenommen wurden.
Die weiteren deutschen Gegner auf dem Weg zu einem möglichen EM-Halbfinale haben es in sich und heißen Norwegen, Dänemark und Frankreich. Nur die besten zwei Teams der Hauptrundengruppe erreichen das Halbfinale.
Wolff warnte vor der Partie gegen die Südwesteuropäer, vor allem vor den „alles überragenden“ Costa-Brüdern Francisco und Martim. Kreisläufer Justus Fischer nannte den Gegner ein „ganz schönes Brett. Aber wenn man das Turnier gewinnen möchte, muss man jedes Team schlagen.“
Deutschland mit Startschwierigkeiten
Das deutsche Team benötigte eine gewisse Anlaufzeit. Zwar hatte die Abwehr die Costa-Brüder, die bei Portugals EM-Coup gegen die Dänen zu zweit 18 der 31 Treffer erzielt hatten, in der ersten Halbzeit gut im Griff. Weil Spielmacher Juri Knorr und seinen Mitspielern vorne zunächst aber wenig gelang, bestimmte Portugal die Anfangsphase.
Ihr Spiel lebt nur von unseren technischen Fehlern. Es ist nichts passiert“, beruhigte Gislason seine Mannschaft in einer Auszeit beim Stand von 4:6 (13.): „Lasst den Ball laufen.“
Deutschland steigerte sich von Minute zu Minute. Die Abwehr im Zusammenspiel mit dem in dieser Phase überragenden Wolff ließ nun kaum noch etwas zu, zudem gelangen wichtige Tore über den Gegenstoß.
Viele Unkonzentriertheiten im deutschen Spiel
Und so verwandelte die DHB-Auswahl einen 6:8-Rückstand dank zehn Minuten ohne Gegentor und einer Wolff-Fangquote von 47 Prozent in eine 10:8. Erneute Unkonzentriertheiten kosteten allerdings die Pausenführung.
„Wir machen kein gutes Spiel, wir kommen nicht gut rein, machen zu viele technische Fehler“, monierte Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton am ARD-Mikrofon: „Wir können froh sein, dass es 11:11 steht.“
Deutschland steigert sich nach der Pause
Das deutsche Team steigerte sich nach der Pause auch offensiv. Vor allem die Einwechslung von Schluroff erwies sich als Glücksgriff und belebte das Angriffsspiel spürbar. Gleich fünf Treffer gelangen dem Gummersbacher Rückraumspieler bis zur 45. Minute, Deutschland führte 21:20. „Wir müssen einfach unser Ding durchziehen. Die schreien die ganze Zeit, hinten wie vorne. Unsere Abwehr ist überragend“, rief Gislason seinen Spielern zu.
Es entwickelte sich eine dramatische Schlussphase. „Wir ziehen das jetzt durch“, brüllte Gislason in der 55. Minute beim Stand von 26:25. Sein Team gehorchte.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)