„Jetzt muss ich aufpassen, was ich sage.“ Die Leistung von Miro Schluroff im deutschen EM-Auftaktspiel gegen Österreich war tadellos und einer der Hauptgründe dafür, dass das DHB-Team den zwischenzeitlich bis auf fünf Tore angewachsenen Vorsprung recht souverän ins Ziel brachte. Für mehr Diskussionen sorgte deshalb einen Tag später die Rolle des Gummersbachers als Kabinen-DJ.
Handball-EM: "Zum Glück hatten wir Schluroff"
„Zum Glück hatten wir Schluroff“
Sein Mannschaftskollege in Klub und Nationalteam, Julian Köster, attestierte dem wurfgewaltigen Rechtshänder allerdings auch bei der Musikauswahl eine überzeugende Arbeit und scherzte: “Bis jetzt kommt es ganz gut an, was er da spielt. Er hat sich vorher ein bisschen erkundigt, was die Jungs so hören wollen, und macht einen vernünftigen Job.“
Während Co-Trainer Erik Wudtke das gespielte Liedgut als „Elektronikmusik“ beschrieb, schränkte Teammanager Benjamin Chatton ein, dass Schluroff im Vorfeld nur „bei den Spielern nachgefragt“ habe, was diese denn vor und nach den Spielen in der Kabine so hören wollen.
Beiden dürfte dies jedoch völlig egal sein, denn eine Sache war deutlich wichtiger: Schluroff hat auf dem Feld mächtig Eindruck hinterlassen!
DHB-Team: EM-Debütant belebt Angriffsspiel
Der 1,98-Meter-Mann, der im vergangenen März erstmals für die A-Nationalmannschaft auflief, ist einer von gleich drei Gummersbacher Debütanten bei einem Großereignis. Während Rechtsaußen Mathis Häseler beim Turnierauftakt noch nicht zum Einsatz kam und Tom Kiesler in der Defensive wertvolle Arbeit verrichtete, setzte Schluroff insbesondere im Angriff dringend benötigte Akzente.
Zeigte das deutsche Team speziell in der ersten Hälfte in der Abwehr eine herausragende Leistung, stotterte der Motor am anderen Ende des Spielfeldes merklich. Einfache Tore gab es gegen die unangenehme österreichische Defensive nur selten, hinzu kamen Unzulänglichkeiten wie gleich vier Fehlwürfe auf das leere ÖHB-Tor.
Beim Stand von 8:7 trug sich Schluroff in der 21. Minute erstmals in die Torschützenliste ein, kurz vor der Pause erhöhte er zum 12:8-Pausenstand. Daran knüpfte er nach dem Seitenwechsel nahtlos an und hatte sein Torkonto zehn Minuten später bereits auf vier Treffer aufgestockt. Das 17:12 bedeutete die höchste Führung der Partie.
Am Ende sollte jeder seiner vier Würfe im Tor landen - doch seine offensiven Qualitäten beschränkten sich bei weitem nicht auf die Fähigkeit, die jeder mit dem 25-Jährigen verbindet: ein brachialer Wurf aus dem Rückraum.
„Er hat wirklich ein starkes Spiel gemacht“
„Miro hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Besonders im Angriff hat er uns das, was wir anfangs nicht hatten, aus dem Rückraum gebracht: die Würfe von neun Metern, da hat er uns sehr geholfen“, erhielt er nach der Partie ein Sonderlob von Bundestrainer Alfred Gislason, der außerdem auf „mehrere extrem gute Pässe“ in der zweiten Hälfte verwies, bei denen er „die Leute auf sich zieht und dann weiterspielt. Er hat wirklich ein starkes Spiel gemacht.“
Noch mehr ins Schwärmen geriet Handball-Legende Stefan Kretzschmar am Dyn-Mikrofon. „Er ist unser bester Rückraumspieler bisher“, lobte der Ex-Nationalspieler und verwies in der Schlussphase auf die ausbaufähigen Leistungen von Schluroffs Rückraumkollegen Marko Grgic und Renars Uscins. „Er ist der Mann der zweiten Halbzeit in meinen Augen.“ Dabei hob Kretzschmar auch dessen Anspiele an den Kreis zum Man of the Match Johannes Golla hervor. Nach dem Spiel ergänzte er: „Ich habe gedacht, wir können es im Angriff nicht lösen. Zum Glück hatten wir Schluroff, der ein paar Akzente gesetzt hat.“
Doch auch das „echte Fass im Arm“, wie es Co-Trainer Wudtke bereits vor dem Turnier beschrieb, kam bei Schluroff zum Vorschein. Mit 130,14 Kilometern pro Stunde prügelte er den Ball ins Tor, der härteste Treffer der gesamten Partie. Auch in der Bundesliga führt er diese Rankings in der aktuellen und vergangenen Saison an.
Deutschlands Allzweckwaffe gibt sich bescheiden
Schluroff selbst gab sich bescheiden, als er von SPORT1 nach dem Spiel gegen Österreich auf seine Qualitäten und seine Leistung angesprochen wurde. „Ich bin hier, weil ich aus dem Rückraum gut werfen kann. Es hat ganz gut geklappt, das mache ich weiter.“
Das Team verfüge über „unfassbar gute Schützen“ und „so viel Power aus dem Rückraum“, man habe allerdings noch „Luft nach oben in der Breite, aus dem Rückraum besser zu schießen“. Er selbst spiele „da, wo ich gebraucht werde. Wenn es auf halbrechts ist, freue ich mich. Wenn es auf halblinks ist, freue ich mich. Wenn es in der Abwehr ist, freue ich mich auch.“
Schließlich wäre es zu kurz gegriffen, Schluroff auf seine offensive Vielseitigkeit zu beschränken. Auf beiden Halbpositionen kann er in der Defensive eingesetzt werden und geht dabei knallhart zur Sache.
Er ist einer der Faktoren dafür, dass das deutsche Team über eine lange nicht mehr dagewesene Breite im Kader verfügt und zahlreiche Formationen aufs Feld schicken kann, an denen sich gegnerische Angriffe die Zähne ausbeißen sollen.
„Keine große Überraschung“: Köster lobt Schluroff
„Keine große Überraschung“ war diese Leistung für Teamkollege Köster, wie er auf SPORT1-Nachfrage betonte. „Ich kenne das aus dem Verein, weiß, was er kann. Das hat super geklappt für sein erstes Turnierspiel. Er hat das Spiel wirklich belebt vorne, einfache Tore geschossen, das ist sehr, sehr gut.“
Neben dem Feld sei Schluroff „ein lustiger Zeitgenosse. Es macht sehr viel Spaß, die Zeit mit ihm zu verbringen. Er unterhält die Mannschaft ganz gut.“
Und dann wäre da noch die verblüffende Ähnlichkeit zwischen Schluroff und Köster, die auch bei Gislason schon für Scherze sorgte. „Ich habe mal Spaß gemacht, sie die Gummersbach-Zwillinge zu nennen. Die sind ähnlich in Größe und Haarfarbe. Aber das war Spaß.“
Ob Köster-Klon oder Kabinen-DJ – auch in den weiteren EM-Spielen will Schluroff vor allem auf dem Feld dafür sorgen, dass es weiterhin positive Schlagzeilen gibt.