Handball-EM>

Österreich fordert Deutschland bei Handball-EM: Für Zündstoff ist gesorgt

Für Zündstoff ist gesorgt

Deutschland startet mit dem anspruchsvollen Spiel gegen Österreich in die Vorrunde der Handball-EM. Zwar lief die Vorbereitung beim DHB-Gegner nicht vollends nach Maß, für Zündstoff und zusätzliche Motivation sorgen jedoch die Geschehnisse der vergangenen Tage.
Andreas Wolffs "Anti-Handball“-Aussagen über Deutschlands EM-Auftaktgegner Österreich hallen weiter nach. Im SPORT1-Interview reagiert nun Österreichs Torwart Constantin Möstl.
Deutschland startet mit dem anspruchsvollen Spiel gegen Österreich in die Vorrunde der Handball-EM. Zwar lief die Vorbereitung beim DHB-Gegner nicht vollends nach Maß, für Zündstoff und zusätzliche Motivation sorgen jedoch die Geschehnisse der vergangenen Tage.

Österreich, Serbien, Spanien – so lauten die deutschen Gegner in der Vorrunde bei der Handball-Europameisterschaft. Wäre vor einigen Jahren noch mit einem Endspiel um den Gruppensieg gegen Spanien am letzten Spieltag zu rechnen gewesen, so haben sich die Kräfteverhältnisse mittlerweile zumindest ein wenig verschoben.

Das zuletzt formstarke DHB-Team geht in alle drei Spiele als Favorit, auch gegen die im Umbruch befindlichen Spanier. Doch bereits die Auftakthürde gegen Österreich (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) ist hoch. Zwar verlor Deutschland in einem Pflichtspiel noch nie gegen Österreich, doch gerade die Spiele in der jüngeren Vergangenheit waren oftmals eng.

Besondere Vorgeschichte bei Deutschland vs. Österreich

Besonders in Erinnerung: Das 22:22-Unentschieden bei der Heim-EM 2024, als Torwart Constantin Möstl den deutschen Angriff mit einer überragenden Leistung zur Verzweiflung brachte.

„Wir haben gegen Deutschland in den letzten Spielen immer gezeigt, dass wir extrem knapp an einem Sieg waren. Wenn wir an unser Leistungslimit kommen, glaube ich an unsere Chance“, stellte Möstl im Gespräch mit SPORT1 klar.

Natürlich seien die Österreicher „keine Favoriten und uns wird niemand köpfen, wenn wir verlieren. Aber so brauchen wir überhaupt nicht ins Spiel zu gehen. Wir fahren zur Europameisterschaft, um zu begeistern und die Großen zu ärgern. Und das können wir mit unserer Mannschaft auch schaffen.“

Handball-EM: Licht und Schatten vor Deutschland-Spiel

Möstl, der mit dem auf Platz drei der HBL-Tabelle stehenden TBV Lemgo eine „nahezu perfekte“ Saison spielt („So eine gute Stimmung hatten wir lange nicht mehr. Ich hoffe, dass ich das hier reinbringen kann“), verwies auf einen Problempunkt im ÖHB-Team: die fehlende Konstanz. „Solche Testspiele wie gegen Tschechien darf es nicht gehen.“

Mit 29:30 unterlag Österreich dem Underdog im drittletzten Test, was im Nachgang für Ärger sorgte, auch bei Möstl. „Es waren zu viele Kleinigkeiten, mit denen wir nicht zufrieden waren. Die Fehler wurden zu unemotional hingenommen und dann entsteht so ein Ergebnis. Das war nicht das, was wir können und wie wir Handball spielen wollen.“

Dass Österreich es besser kann und auch zu Partien in der Lage ist, „in denen wir unglaublich spielen und große Nationen schlagen können“, wie es Möstl ausdrückte, zeigte sich bereits wenige Tage später.

Handball-EM: Die Highlights der deutschen Spiele, der Halbfinals und des Finales auf SPORT1.de und in der SPORT1 App

„Die haben wir richtig genervt“

In Paris hatte man EM-Titelverteidiger Frankreich am Rande einer Niederlage. „Die sind nicht irgendwer, die haben wir richtig genervt“, erklärte Möstl. Dies sei auch der Plan für das Deutschland-Spiel.

Der 25-Jährige, der seit 2024 in Deutschland spielt und sich rasant zu einem der besten Torhüter der Liga entwickelt hat, stimmt der Beschreibung seines Klub-Trainers Florian Kehrmann zu, der ihn als „außergewöhnlich positiv-verrückt“ charakterisierte.

„So beschreiben mich viele – dass ich auf die Nerven gehen kann mit meiner extrovertierten Art, dass ich immer versuche, 100 Prozent Emotionen ins Training und die Spiele zu bringen. Das eckt vielleicht manchmal an, aber eher positiv, weil ich schon glaube, dass ich ein sympathischer Typ bin, mit dem man eine gute Zeit haben kann.“ Möstl wolle „als Motivator vorangehen“.

„Anti-Handball“: Klarer Konter nach Kritik aus Deutschland

Voran ging Möstl in den vergangenen Tagen nicht nur als Motivator, sondern auch als Mann der klaren Worte, der seine Mannschaft gegen Gegenwind von außen verteidigt. Für Aufsehen hatten Aussagen von DHB-Torwart Andreas Wolff gesorgt, der dem ersten deutschen Gegner „Anti-Handball, den keiner sehen will“, attestierte. Dabei nahm der deutsche Routinier Bezug auf das häufige 7-gegen-6-Spiel beim ÖHB-Team sowie die vermeintlich zu harte Zweikampfführung.

Der Konter aus Reihen der Österreicher kam schnell, besonders deutlich wurde Möstl und stellte im Gespräch mit SPORT1 klar. „Ich hoffe, er weiß selber, dass die Wortwahl nicht die richtige war. Wenn jetzt noch der letzte Spieler Motivation gebraucht hat, soll er sich nochmal das Video anschauen, dann sind die letzten Prozentpunkte da, um 100 Prozent zu geben.“

Auch die Aussagen seiner Kollegen lassen klar erkennen, dass nun auch wirklich jeder bis in die Haarspitzen motiviert ist.

So gefährlich ist Österreich

Der österreichische Handball hat einen Wandel durchgemacht, was neben der in großer Zahl in der HBL vertretenen Spielern wie den Anführern Lukas Hutecek (TBV Lemgo) und Mykola Bilyk (THW Kiel) auch mit dem bekannten Gesicht auf der Trainerbank zusammenhängt.

Im April folgte mit Iker Romero eine echte Handball-Legende auf den jahrelangen Coach Ales Pajovic: „Sein Vermächtnis ist natürlich sehr groß und das kriegt man mit“, schwärmt Möstl und verweist vor allem auf die taktischen Veränderungen, die es unter dem Spanier gegeben habe. „Dass noch nicht alles funktioniert, ist klar.“ Schließlich habe es bisher kaum Training unter dem neuen Coach gegeben.

Möstl schwärmte dennoch weiter: „So einen Typen haben wir gebraucht, der dieses spanische Temperament mitbringt, diese Emotionen, dir die Wahrheit ins Gesicht sagt, klare Kante zeigt. Das hilft uns sehr, wenn es mal nicht läuft. Auch nach schwachen Spielen braucht es mal eine klare Ansage wie: ‚Das war zu wenig!‘“

Legende auf der Trainerbank mit „Finte“ vor Aufeinandertreffen?

Romero selbst unterließ es im Gespräch mit SPORT1, zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen. Wenige Stunden zuvor hatte es DHB-Trainer Alfred Gislason auf einer Pressekonferenz als „Finte“ bezeichnet, dass Österreich in den jüngsten Testspielen wenig 7 gegen 6 gespielt habe. Dies werde gegen Deutschland wieder anders sein, mutmaßte der Isländer. Was Romero dazu sagte? „Gar nichts.“

Wie auch das Spiel gegen Spanien sei das Duell mit Deutschland für Romero „natürlich etwas Besonderes“, betonte er. „Meine beiden Kinder sind in Deutschland geboren, meine Frau ist Deutsche und ich arbeite auch glücklich in Deutschland.“

Romero, außerdem als Trainer bei der SG Bietigheim in der 2. HBL tätig, erhalte „täglich, viele Nachrichten aus Deutschland“, was er sehr zu schätzen wisse: „Das ist geil, das freut mich, aber mein Kopf richtet sich auf die 60 Minuten am Donnerstag.“

Während sich Romero bei der Zielsetzung zurückhielt und betonte, dass seine Mannschaft in jedem Spiel an ihr Leistungsmaximum kommen muss, gab sich Möstl ein wenig offensiver. Das Ziel sei es, die Vorrunde zu überstehen. Aber: „Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. So sind wir auch die EM in Deutschland angegangen. Da haben wir auch nicht groß geredet, sondern einfach alles reingehauen – Unentschieden gegen Spanien, super gespielt, Unentschieden gegen Kroatien, super gespielt. So locker müssen wir es wieder angehen.“