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Handball-EM: Fan-Ärger in Deutschland! "In der Bundesliga viel schlimmer"

Verwunderung über deutschen Fan-Ärger

Vor dem EM-Finale zwischen Dänemark und Deutschland ist auch die vermeintlich hitzige Stimmung in der Arena Thema in der dänischen Presse. Anstoß der Diskussion ist das jüngste Aufeinandertreffen der beiden Teams. Ein Superstar hat dafür kein Verständnis.
Vor dem EM-Finale zwischen Dänemark und Deutschland warnt Mathias Gidsel vor den deutschen Qualitäten - und will keine alten Erinnerungen wach werden lassen.
Vor dem EM-Finale zwischen Dänemark und Deutschland ist auch die vermeintlich hitzige Stimmung in der Arena Thema in der dänischen Presse. Anstoß der Diskussion ist das jüngste Aufeinandertreffen der beiden Teams. Ein Superstar hat dafür kein Verständnis.

Heftige Pfiffe zu Beginn des Aufwärmens, Buhrufe, als die deutsche Mannschaft erstmals in der Offensive am Ball war – dass es sich für das DHB-Team im EM-Hauptrundenspiel gegen Dänemark in der Jyske Bank Boxen in Herning um ein klassisches Auswärtsspiel handelte, war nicht zu übersehen.

Auch während der Übertragung bei Dyn war dieser Sachverhalt früh in der Partie Thema – und Unverständnis durchaus vorhanden. „Pfeifkonzert für Deutschland? Das ist nicht in Ordnung“, merkte dort Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar an.

„Bei keiner anderen Mannschaft“ habe er es zuvor bei den Spielen gegen Dänemark erlebt, „dass man so ausgepfiffen wird“. Auch Michael Kraus zeigte sich verwundert. „Das macht man nicht, Leute. Ganz ehrlich.“

Dass das Duell Dänemark gegen Deutschland im Welthandball eine besondere Würze hat und den heimischen Fans viel daran gelegen war, ihre Mannschaft zum Sieg zu treiben, kann dieser sicher nicht zum Vorwurf gemacht werden. Zudem beruhigte sich die aufgeheizte Stimmung im weiteren Spielverlauf, sodass dieser Begleitumstand in der Nachbetrachtung auch von keinem Spieler weiter aufgegriffen wurde.

Handball-EM: „Das ist nicht gegen die Deutschen gerichtet“

Dass das Thema kurz vor dem Endspiel (ab 18 Uhr im SPORT1-Liveticker) wieder für gewisse Schlagzeilen sorgte, lag daran, dass die dänische Boulevardzeitung BT prominent darüber berichtete.

Sie verweist auf einen Facebook-Post des Deutschen Handballbundes nach besagtem Hauptrundenspiel, unter dem verärgerte deutsche Fans – mal mehr, mal weniger sachlich – Kritik am Verhalten der dänischen Zuschauer übten. Der dortige Tenor: Ja, Deutschland hat verdient verloren, aber die Stimmung in der Halle war unsportlich und einer solchen Begegnung unwürdig.

Mit dieser Thematik wurde mit Mathias Gidsel auch der derzeitige Welthandballer und größte Name in der dänischen Mannschaft konfrontiert. Der Star der Füchse Berlin reagierte überrascht und konnte die Diskussion nicht nachvollziehen. Seine Antwort leitete er mit den Worten „Jetzt muss ich vorsichtig sein, was ich sage“ ein. „Das gehört dazu. Das ist nicht gegen die Deutschen gerichtet – oder die Franzosen oder die Isländer. Es ist so, weil uns die dänischen Fans unterstützen. So sollte es im Sport auch sein.“

Gidsel fehlte jegliches Verständnis dafür, dass dieses Thema überhaupt diesen Stellenwert bekommen konnte. „So ist es nun einmal, wenn man nicht zuhause spielt. Wir sind in Dänemark. Ich wäre sehr traurig, wenn sie ihre Nationalmannschaft nicht unterstützen würden, die hin und wieder ein bisschen strauchelt.“ Natürlich könne es auch mal Pfiffe oder Buhrufe geben, aber „es gibt keine feindliche Atmosphäre im Handball“.

Deutschland? „Dort ist es viel schlimmer“

Als Vergleich zog er ausgerechnet Erfahrungen aus seiner zweiten Heimat Deutschland heran und richtete sich an seine „deutschen Teamkollegen: Ich bin es gewohnt, in der Bundesliga zu spielen. Dort ist es viel schlimmer. Aber auch dort gilt: So sollte es auch sein, wenn ich in Flensburg oder Kiel bin. Die Fans sollten dich unter Druck setzen, weil du eben nicht für sie spielst.“

Auch habe es den umgekehrten Fall gegeben, als sich Dänemark vor zwei Jahren im EM-Halbfinale in der Kölner Lanxess Arena gegen Deutschland durchsetzte. „Ich bin noch nie auf einen solchen Widerstand getroffen wie damals. Die Deutschen können es also auch. Gottseidank.“

Die Basis für ein aufgeheiztes EM-Endspiel ist gelegt. Und dass sich die dänischen Fans dann zurückhalten? Damit ist nicht zu rechnen.

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