Zur Begrüßung gab's Musik. Iker Casillas ließ sich gerade für seinen ersten Einsatz im Trikot des FC Porto warmschießen, als es laut wurde. Aus den Boxen dröhnte das Duisburg-Lied. Der Text handelt von Schornsteinen, dem legendären Tatort-Kommissar Horst "Schimmi" Schimanski und einer Pommesbude. Ruhrgebiets-Romantik in Reinkultur.
Iker Casillas gewinnt mit dem FC Porto Test beim MSV Duisburg
Casillas' Debüt mit Schimanski-Faktor
Casillas hat vermutlich kein Wort verstanden. Dennoch dürfte es der Ausnahme-Torwart in diesem Moment begriffen haben: Beim FC Porto ist alles eine Nummer kleiner.
Seine alten Teamkollegen von Real Madrid touren durch Australien und China. Casillas kam zur Saisoneröffnung von Zweitliga-Aufsteiger MSV Duisburg.
Den Gegner freute das. "Das war ein tolles Erlebnis, gegen so einen Weltklassetorhüter anzutreten", sagte MSV-Spieler Kevin Wolze nach der 0:2 (0:0)-Niederlage zu SPORT1. Der Gelobte war da schon verschwunden. Bereit zur Rückfahrt ins Trainingslager in die Niederlande. Eine kleinere Nummer halt.
Real auf Weltreise, Casillas in der Provinz
Die Real-Stars hetzen von einem Promo-Termin zum nächsten, messen sich zudem mit Top-Teams wie den AS Rom und Manchester City. Und Casillas? Der streckte sich nach Distanzschüssen von Martin Dausch und Kingsley Onuegbu. Vor 7020 Zuschauern in der Schauinsland-Reisen-Arena. Es war in etwa so, als würde Kanye West auf dem Sommerfest in Oer-Erkenschwick auftreten.
Doch Casillas machte nicht den Eindruck, als sei dieses Spiel unter seiner Würde. Der Spanier grüßte vor dem Anpfiff freundlich in den Porto-Fanblock, stauchte seine Abwehrspieler bei jedem Stellungsfehler zusammen.
"Ich werde meine Arbeit mit dem gleichen Enthusiasmus und Willen fortsetzen", sagte Casillas bei seiner Ankunft in Porto. Ein Voll-Profi eben.
Abschied nach 19 Titeln
Ein Voll-Profi, der bei Real nicht mehr gebraucht wurde. Nach 25 Jahren im Verein. Nach 725 Pflichtspielen. Nach 19 Titeln.
Präsident Florentino Perez hatte "San Iker", den Klubheiligen, angeblich vergrault. Darüber wollte der Welt- und Europameister bei seinem Abschied nicht reden.
Dafür sprach seine Mutter. "Perez hat meinen Sohn nie gemocht. Er hat hochgewachsene Torhüter lieber, wollte jahrelang Gianluigi Buffon holen", sagt Mari Carmen Casillas der Zeitung El Mundo.
Anderer Weg als Xavi und Gerrard
Beim FC Porto stört es niemanden, dass ihre neue Nummer eins nur 1,85 Meter misst. Der Klub ist froh, einen solchen Weltstar im Team zu haben. Casillas hätte auch den Weg anderer Vereins-Ikonen gehen können. Xavi bessert sich nach seinem Abschied vom FC Barcelona die Rente in Katar auf. Steven Gerrard zog es vom FC Liverpool in die USA.
Casillas will aber Titel in Europa gewinnen. Potenzial hat Portos Mannschaft. Das weiß der FC Bayern, der beim 1:3 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League eine Lehrstunde im "Estadio Dragao" erhielt.
Um Spiele wie das im April abzuliefern, muss sich Porto noch steigern. In Duisburg gab es nur einen glanzlosen Sieg. MSV-Keeper Michael Ratajczak hielt wie Casillas in besten Zeiten, war bei den Treffern durch Yacine Brahimi (60.) und Hernani (64.) aber chancenlos.
Als die Treffer fielen, stand Portos Startorwart nicht mehr auf dem Platz. Ob Casillas unter der Dusche das Lied von Schornsteinen, Schimanski und Pommesbuden gesummt hat, ist nicht überliefert.