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Ein Juwel in großen Fußstapfen

Ein Juwel in großen Fußstapfen

Shaqueel van Persie trägt die Bürde eines großen Namens, den sein Vater Robin in den Geschichtsbüchern des Fußballs verewigte. Im Derby begeistert das Juwel mit zwei Traumtoren.
Er ist der erfolgreichste Torschütze der Niederlande, wurde Vizeweltmeister und gewann die Premier League. Robin van Persie gehört zu den besten Stürmern des 21. Jahrhunderts. Dabei wäre es fast ganz anders gekommen, denn zunächst wollte den Hitzkopf niemand haben.
Shaqueel van Persie trägt die Bürde eines großen Namens, den sein Vater Robin in den Geschichtsbüchern des Fußballs verewigte. Im Derby begeistert das Juwel mit zwei Traumtoren.

Rund 60 Minuten war das Derby zwischen Feyenoord und Sparta Rotterdam am vergangenen Sonntag alt, da lag der Tabellenzweite Feyenoord bereits 0:2 zurück. Eine halbe Stunde vor dem Abpfiff mussten also dringend Tore her, um das sechste sieglose Spiel in Serie noch abzuwenden.

Tore? Wie gut, dass an der Seitenlinie von Feyenoord ein Mann stand, der sich damit bestens auskennt. Robin van Persie, niederländische Sturm-Ikone und aktueller Trainer des Klubs, erzielte in seiner Karriere selbst 322 Profitore und bewies, dass er durch kluge Wechsel noch für ein Offensivfeuerwerk sorgen kann.

Die Lösung für die Aufholjagd? In der 62. Minuten wechselte van Persie kurzerhand seinen eigenen Sohn Shaqueel van Persie ein und verschaffte ihm somit erst seinen zweiten Einsatz in der niederländischen Eredivisie.

Hackentor und Fallrückzieher in wenigen Sekunden! Van Persie begeistert im Derby

Zwar dauerte es nach dem Anschlusstreffer von In-beom Hwang (64.) einige Zeit, doch in der Schlussphase sollte der 19 Jahre alte Shaqueel für ein echtes Spektakel sorgen. Nach einem Vorstoß seiner Mannschaft in der 87. Spielminute bewies van Persie die Instinkte eines Torjägers und verwandelte eine flache Hereingabe mit der Hacke ins Tor.

Bei seinem vierten Kurzeinsatz als Profi war es der erste Treffer des Stürmers, doch nur eine Minute später erzielte der Youngster gleich sein nächstes Tor. Mitten in einer Druckphase von Feyenoord chippte Luciano Valente den Ball einfach mal auf van Persie, der zögerte erneut nicht lange und verwandelte per Fallrückzieher zum 3:3-Ausgleich (88.).

Spätestens jetzt brachen in Rotterdam alle Dämme und die Derby-Ekstase brachte das Stadion zum Beben. Mittendrin auch Mutter Bouchra van Persie, die auf der Tribüne aus dem Jubel gar nicht mehr herauskam.

Einen Dämpfer erhielt das Märchen aber dennoch. Joshua Kitolano sorgte in der vierten Minute der Nachspielzeit noch für den entscheidenden Moment und bescherte Sparta mit seinem zweiten Treffer des Tages den 4:3-Derbysieg.

Trotz seiner furiosen Torpremiere entschied sich van Persie, im Anschluss kein Interview zu geben. „Wir hätten Shaqueel van Persie gerne vor die Kamera geholt, aber er hat gerade signalisiert, dass er kein Interview geben möchte“, sagte ESPN-Moderator Sinclair Bischop.

Feyenoord-Legende Pierre van Hooijdonk konnte diese Entscheidung gut nachvollziehen und erklärte mit Blick auf den prominenten Nachnamen des Sturm-Juwels: „Es ist unglaublich schwierig für ihn. Jedes Mal, wenn Shaqueel eingewechselt wird, bekommt er dieselben Fragen gestellt. Ich verstehe, dass er müde davon ist, aber so ist es nun einmal.“

„Außergewöhnlich“: Van Persie-Premiere in den Niederlanden gefeiert

Umso größer war nach der Partie jedoch das Lob der Öffentlichkeit. „Shaqueels Tore sind so schön, dass es keine Verteidigung dagegen gibt“, stellte Sparta-Trainer Maurice Steijn fest.

Der ehemalige Nationalspieler von Oranje Ruben Schaken wählte van Persie zudem in sein Team der Woche und schrieb: „An Shaqueel van Persie von Feyenoord kam niemand vorbei. Genau wie sein Vater kann er offenbar nur wunderschöne Tore erzielen. Der Abschluss hinter dem Standbein und der Fallrückzieher waren Treffer von Weltklasse-Niveau. Das war wirklich außergewöhnlich.“

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Bei all dem Lob könnte man glatt vergessen, dass Vater Robin van Persie noch im November gezwungen worden war, sich öffentlich zu rechtfertigen, nachdem er seinem Sohn bei der 1:3-Niederlage gegen Celtic Glasgow in der Europa League zum Debüt verholfen hatte.

„Ich habe diese Entscheidung als Trainer getroffen, nicht als Vater, weil wir ein Tor brauchten. Shaqueel ist ein Spieler, der aus allen Lagen ein Tor erzielen kann. Deshalb habe ich ihn eingewechselt“, hatte der Trainer damals erklärt und angedeutet, was sich nur wenige Monate später auf dem Platz zeigen sollte.

Zudem hatte der ehemalige Stürmer, der unter anderem für den FC Arsenal und Manchester United spielte, eine Sonderbehandlung ausgeschlossen: „Ich mache meinen Job und Shaq macht seinen Job. Nicht mehr und nicht weniger. Er ist einer meiner Spieler – so behandle ich ihn auch, und so möchte er behandelt werden. Ich betrachte alle meine Spieler als meine Kinder. Sagen wir also ab jetzt: Ich habe nicht nur einen Sohn, sondern 25.“

Auch Shaqueel schilderte seinerzeit: „Wir arbeiten schon lange zusammen. Für uns ist das nichts Neues. Es ist etwas Besonderes, weil man es nicht oft sieht, aber für uns ist es normal geworden. Es ist ein Job.“

Schon damals erkannten aber auch Experten wie der ehemalige Schalke- und Barcelona-Profi Ibrahim Afellay das Potenzial von van Persie. „Er hat ein unglaubliches Talent. Er ist sehr komplett. Er muss nur fit bleiben, da er früher verletzungsanfällig war“, meinte Afellay nach dem Debüt des Youngsters, der 2022/23 mit der Empfehlung von 21 Toren in 21 Spielen für die U17 von Feyenoord auftrumpfte.

Sechs Spiele ohne Sieg: Robin van Persie bei Feyenoord unter Druck

Während van Persie Junior im Derby seine ersten beiden Tore bejubelte, wird der Druck auf seinen Vater allerdings nach dem sechsten Pflichtspiel ohne Sieg immer größer. „Ein harter Schlag für Feyenoord: Robin van Persie muss nach einer verrückten Niederlage gegen Sparta Angst haben“, titelte beispielsweise sportnieuws.nl.

In der Liga steht Feyenoord zwar immer noch auf Rang zwei, ist mit 16 Punkten Rückstand auf PSV Eindhoven aber bereits weit abgeschlagen. Die Unzufriedenheit der Fans wirkt sich inzwischen offenbar auch auf Shaqueel van Persie aus, der künftig offenbar nur noch mit seinem Vornamen auf dem Trikot auflaufen könnte.

„Ich kann mich in Rotterdam kaum noch frei bewegen, ohne auf meinen Namen angesprochen zu werden“, meinte van Persie und erklärte, dass auch sein Vater den Namenswechsel auf dem Trikot für eine gute Idee halte.

Um auch in Zukunft in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters treten zu können, ist es ohnehin noch ein weiter Weg. Im Februar und März 2023 absolvierte Shaqueel bislang immerhin sechs Spiele für die niederländische U17-Nationalmannschaft. Als Sohn einer marokkanischen Mutter, der in London geboren wurde, könnten ihm in Zukunft aber auch weitere Türen offen stehen.

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