Die meistgenutzte Vokabel der dänischen Presse war „Fiasko“. Und die Boulevardzeitung Ekstra Bladet taufte gleich den ganzen Klub um: „FC Katastrophe“ prangte am Montag auf dem Titelblatt der Printausgabe.
Moukoko wird zum Sinnbild eines historischen Tiefpunkts
Moukoko als Sinnbild eines Tiefpunkts
Dass die 1:2-Pleite am Sonntag gegen Randers FC einen historischen Tiefpunkt für den dänischen Rekordmeister FC Kopenhagen bedeutete, wurde so mehr als deutlich.
Durch die Niederlage, die ein Elfmetertor in der zwölften Minute der Nachspielzeit besiegelte, verpasste der aktuelle Titelverteidiger und Doublesieger erstmals in seiner Vereinsgeschichte die Teilnahme an der Meisterrunde. Als Tabellensiebter muss der 16-malige dänische Meister stattdessen nach der neunten Niederlage im 22. Saisonspiel in die Abstiegsrunde.
FC Kopenhagen erlebt Debakel – Trainer Neestrup ist es „peinlich“
Seit der Saison 2020/21 spielt die dänische Superliga in diesem Modus – und der FC Kopenhagen gehörte stets zu den sechs besten Teams der regulären Saison. Ein Sieg hätte am Sonntag genügt, um diese Serie fortzusetzen. Doch stattdessen kommt es zur historischen Premiere.
Zwar ist das Horrorszenario Abstieg angesichts von zehn Punkten Vorsprung auf Silkeborg IK auf dem ersten Abstiegsplatz weit entfernt, doch die Saison ist auch so ein Debakel für den Klub.
„Es ist peinlich, heute hier zu stehen, aber wir müssen zurückblicken und sagen, dass es völlig gerecht war“, sagte Chefcoach Jacob Neestrup.
Ex-BVB-Star Thomas Delaney war bei Viaplay völlig niedergeschlagen: „Ich schäme mich zutiefst. Es ist meine Schuld. Es ist unsere Schuld. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Es ist so schlimm. Wir haben die Erwartungen nicht erfüllt. Wir haben nicht einmal die verdammten Mindestanforderungen erfüllt.“
Die treuesten Fans protestierten mit zahlreichen Bannern gegen die „überbezahlte“ Mannschaft und die Klubführung. „Ihr seid alle schuld - schämt euch!“, hieß es auf einem der Spruchbänder.
Coach Neestrup sah „keine Mannschaft in der Krise. Es ist ein Verein in der Krise. Das kann man so sagen und das müssen wir lösen.“
Ex-BVB-Wunderkind Moukoko wird zu einem Sinnbild der Krise
Bislang keine allzu große Hilfe bei der Lösung der Probleme war Youssoufa Moukoko. Das einstige BVB-Wunderkind wurde bei der Niederlage am Sonntag im Parken erst im zweiten Durchgang eingewechselt.
Der im Sommer für fünf Millionen Euro verpflichtete Offensivspieler wollte in Dänemark eigentlich seine stagnierende Karriere wieder in Schwung bringen. Doch seine Bilanz von drei Toren und einem Assist in 18 Ligaspielen fällt recht mager aus. Daher steht Moukoko auch als eines der Sinnbilder der Kopenhagener Krise.
Auch andere kostspielige Neuverpflichtungen wie Dominik Sarapata zündeten nicht. Das polnische Talent wechselte im Winter schon wieder per Leihe in die Heimat zu Wisla Plock. Auch um Moukoko gab es im Januar bereits Gerüchte um einen Abschied.
Klub-Boss am Pranger: „100 Millionen Kronen aus dem Fenster geworfen“
Vergangene Woche musste Sportdirektor Sune Smith-Nielsen seinen Hut nehmen. Ex-HSV-Profi Thomas Gravesen fällte als TV-Experte bei Viaplay ein vernichtendes Urteil.
„Dann steht er auch für die Spieler in der Verantwortung. Er hat dafür 100 Millionen Kronen aus dem Fenster geworfen. Dann ist es klar, dass die Leute in der obersten Etage mit dem Finger auf ihn zeigen und sagen: ‚Was hast du da gekauft?‘“, sagte Gravesen über Smith-Nielsen.
Doch trotz der niederschmetternden Situation bleibt dem FC Kopenhagen sogar noch ein kleiner Strohhalm, die verkorkste Saison doch noch irgendwie zu retten.
Im Pokal steht der Klub unmittelbar vor dem Finaleinzug. Das Halbfinal-Hinspiel gegen Viborg gewann Kopenhagen mit 2:1. Am kommenden Samstag kann im Rückspiel das Ticket fürs Endspiel gebucht werden.
Kann Kopenhagen die Saison doch noch retten?
Gelingt gar die Titelverteidigung, wäre der diesjährige Champions-League-Teilnehmer in der nächsten Saison sogar erneut europäisch dabei, dann in der Qualifikation zur Europa League.
Daran klammert sich auch Neestrup: „Wir alle wissen, was wir im Pokalwettbewerb zu tun haben. Darum geht es jetzt: Etwas zu erreichen, das positive Auswirkungen auf die kommende Saison haben kann.“
Denn die laufende Spielzeit war reich genug an negativen Erlebnissen.