Kylian Mbappé hat sich selbst als Top-Kandidat für den Ballon d’Or 2026 positioniert. Für zwei frühere französische Nationalspieler sind die Aussagen des Angreifers von Real Madrid ein Unding.
Heftiger Gegenwind für Mbappé
Heftiger Gegenwind für Mbappé
Christophe Dugarry, Weltmeister von 1998, reagierte in der Sendung „Rothen s’enflamme“ bei RMC verärgert: „Öffentlich um eine solche individuelle Auszeichnung zu bitten, finde ich kindisch und erbärmlich. Es zeugt nicht von Größe, darum zu bitten. Vor allem nicht als Kapitän der Nationalmannschaft.“
Auch Ex-PSG-Profi Jérôme Rothen zeigte sich fassungslos. „Kylian, das Interview ist doch ironisch gemeint, oder? Ist das wirklich ernst gemeint?“, fragte er ungläubig.
Mbappé wird für Ballon-d’Or-Ansage kritisiert
Anschließend legte Rothen nach: „Wenn er sagt: ,Manche werden denken, dass ich der beste Spieler der Welt bin, andere nicht‘, dann kann ich dich beruhigen, Kylian: Niemand glaubt, dass du in der letzten Saison der beste Spieler der Welt warst! Nur weil er bei Real Tore geschossen hat, soll das reichen? Soll ich euch drei oder vier Monate zurückversetzen, als er im Bernabéu ausgepfiffen wurde?“
Nachdem er bei der WM 2026 mit zehn Treffern Torschützenkönig wurde und in der vergangenen, titellosen Saison für Real 42 Tore in 44 Spielen erzielt hatte, hofft Mbappé nun auf den prestigeträchtigen Einzelpreis, der am 26. Oktober in London verliehen wird.
„Für wen ich stimme? Für mich. Ich kann diejenigen verstehen, die anders stimmen. Wir leben ja nicht in einer Gedankendiktatur. Aber wenn man sich die Argumente und die Konkurrenz ansieht, wäre es meiner Meinung nach nicht unverdient“, sagte er in einem Interview mit L’Équipe, das am Freitag vollständig veröffentlicht wird.
„Zwei Tage später ist das schon wieder egal“
Dugarry kann Mbappés Argumentation nicht ganz folgen: „Dies war eine Saison, in der kein Spieler wirklich herausragte. Kein Spieler hat alles gewonnen, weder auf Team-, noch auf individueller Ebene. Niemand hat eine so herausragende Leistung gezeigt, dass man sagen könnte, sein Sieg wäre offensichtlich und sicher.“
Für Rothen kommt Mbappés Vorstoß zudem zur Unzeit. „Was mich an seiner Art, sich zu äußern, verblüfft, ist, dass er am Freitagabend mit Real gegen Betis schlecht gespielt hat“, betonte der frühere Mittelfeldspieler mit Blick auf die 0:1-Niederlage. „Aber zwei Tage später ist das schon wieder egal, es ist vergessen. Du hast dein Spiel verloren, du hast einen Elfmeter verschossen, während Barca alle überrollt und bereits drei Punkte Vorsprung mit 17 erzielten Toren hat. Aber das spielt offenbar keine Rolle.“
Natürlich müsse ein Ballon-d’Or-Kandidat individuelle Leistungen vorweisen, fuhr Rothen fort: „Aber dahinter stehen noch andere, ebenso wichtige Kriterien. Wenn du das ganze Jahr über nichts gewonnen hast, halt den Mund. Halt den Mund und arbeite weiter.“
Am Dienstag werden die Nominierten für den diesjährigen Ballon d’Or bekannt gegeben. Neben Mbappé zählen unter anderem Bayern-Torjäger Harry Kane und Barcelonas Shootingstar Lamine Yamal zum Favoritenkreis.