Nachdem Ousmane Dembélé den Ball mit seinem linken Fuß auf die Reise geschickt hatte, trippelte er ein paar Schritte zurück und blickte gebannt der Flugbahn hinterher.
Dembélé zaubert! "Das Tor wird um die Welt gehen"
„Das Tor wird um die Welt gehen“
In nahezu perfektem Bogen segelte der Ball knapp unter der Latte hindurch und legte sich dann sanft ins Netz. Und ehe Dembélé realisierte, welch Kunstwerk er da geschaffen hatte, verschluckte ihn die Jubeltraube seiner staunenden PSG-Teamkollegen.
PSG-Star Dembélé glänzt mit Lupfer „im Stile Maradonas“
„Das Tor des Franzosen wird aufgrund seiner Schönheit um die Welt gehen“, mutmaßte die spanische Marca und schrieb von einem Lupfer „im Stile Maradonas“.
Mit einem platzierten Distanzschuss hatte Dembélé Paris Saint-Germain am Freitagabend im Spitzenspiel gegen den OSC Lille in der Anfangsphase bereits sehenswert in Führung gebracht. Sein Traumtor in der 64. Minute entschied letztlich die Begegnung. Bradley Barcola traf in der Nachspielzeit zum 3:0 (1:0)-Endstand.
Dembélés „magischer Lupfer, mit dem er Lille bestrafte“ (Le Figaro) bestimmte hinterher natürlich auch die Schlagzeilen der französischen Presse, der in ihren Lobeshymnen fast die Begriffe ausgingen.
„Wahres Meisterwerk“: Französische Presse überschlägt sich
„Große Kunst“, schrieb RMC Sport. „Ein komplett verrücktes Tor. Ein wahres Meisterwerk, das symbolisch für alles steht, was der Ballon-d’Or-Sieger von 2025 zu leisten imstande ist. Ein technisches Spektakel, mit dem er die Abwehr der Nordfranzosen vorführte.“ Für L‘Équipe war es ein „raffinierter Heber“.
Für das Magazin So Foot gibt es eben „die Traumtore, die Meisterwerke, die kleinen magischen Momente, die ein ganzes Stadion zum Beben bringen“. Und Dembélés „traumhafter Heber, der das Spiel überstrahlte“ zählte eben genau zu dieser Kategorie.
„Ein Playstation-Tor, wenn man alle Knöpfe gleichzeitig drückt“
Auch sein Coach geriet ins Schwärmen. „Das ist ein Tor, das nur wenige Spieler erzielen können“, sagte Luis Enrique - und zog einen kuriosen Vergleich: „Es ist mehr als ein Tor eines Profispielers, es ist ein Playstation-Tor, wenn man alle Knöpfe gleichzeitig drückt.“
In der Tat entstand der Geniestreich eher zufällig. Denn die Ballannahme nach dem Steckpass von Désiré Doué zentral vor dem Tor war alles andere als ideal - wie Dembélé selbst später bei beIN Sports einräumte: „Ich wollte direkt schießen, habe aber etwas die Kontrolle verloren.“
Vier Abwehrspieler umzingelten Dembélé, der Weg zum Tor schien verstellt - aber der Ex-Dortmunder erkannte einen Ausweg: „Ich sah, dass der Torwart weit vor seinem Tor stand, habe es versucht und es hat geklappt.“
Dembélé findet sein Traumtor „nicht schlecht“
Genauso nüchtern ordnete der 28-Jährige sein Kunstwerk in die Reihe seiner Karrieretore ein: „Es gibt einige schöne Tore, aber dieses ist nicht schlecht.“
Der Weltfußballer meldete sich mit seinem Traumtor nach einer bislang schwierigen Saison, die vor allem von Verletzungen geprägt war, eindrucksvoll zurück. Seit dem Jahreswechsel zeigt seine Formkurve wieder steil nach oben. In den vier Pflichtspielen gelangen ihm vier Tore. Der Doppelpack gegen Lille war dabei der sehenswerte Höhepunkt.
Coach Enrique reicht das aber nicht. „Ich weiß, dass jeder diese Art von Toren liebt, ich auch. Aber was ich mir von Ousmane erhoffe, ist mehr als nur zwei oder drei Tore. Was wir von ihm erwarten, ist seine Fähigkeit, die Defensive zu entlasten. Und in diesem Bereich muss sich die gesamte Mannschaft verbessern.“
Dembélé mit Kampfansage nach Enttäuschungen
Eine klare Ansage, sich nicht auf diesem Kunstwerk auszuruhen. Zumal das noch junge Kalenderjahr mit dem überraschenden Pokal-Aus gegen den Stadtrivalen Paris FC bereits eine herbe Enttäuschung für PSG gebracht hat.
Und auch der Titel in der Ligue 1 wird kein Selbstläufer. Am Samstag kann Überraschungsteam RC Lens mit einem Sieg gegen AJ Auxerre den Champions-League-Sieger wieder von Platz eins verdrängen.
Dembélé selbst will nach den persönlichen Rückschlägen in der bisherigen Spielzeit nun auch wieder angreifen. „Ich glaube, das war für mich ein Glück im Unglück. Ich bin fit und zu 100 Prozent bereit für die zweite Saisonhälfte.“ Wie das dann aussieht, konnte man am Freitagabend bestaunen.