Ligue 1>

Ex-Bayern-Boss: „Frankreich ist dort, wo Deutschland vor zehn Jahren war“

Deutsche Schiedsrichter als Vorbild?

Der ehemalige Bayern-Boss Dr. Michael Gerlinger analysiert das Schiedsrichterwesen in Frankreich nach der enormen Kritik der vergangenen Wochen. Im Vergleich dient die Bundesliga als Vorbild.
Der ehemalige Funktionär des FC Bayern Dr. Michael Gerlinger sieht das Schiedsrichterwesen in Deutschland als Vorbild für Frankreich
Der ehemalige Funktionär des FC Bayern Dr. Michael Gerlinger sieht das Schiedsrichterwesen in Deutschland als Vorbild für Frankreich
© IMAGO/Sports Press Photo
Der ehemalige Bayern-Boss Dr. Michael Gerlinger analysiert das Schiedsrichterwesen in Frankreich nach der enormen Kritik der vergangenen Wochen. Im Vergleich dient die Bundesliga als Vorbild.

Seit geraumer Zeit stehen das Leistungsniveau der Schiedsrichter und der VAR in Deutschland immer wieder in der Kritik. In der französischen Ligue 1 scheint die Situation aber noch einmal deutlich drastischer auszufallen. Zumindest laut der Analyse von Dr. Michael Gerlinger, der bis 2023 ganze 18 Jahre lang für den FC Bayern gearbeitet hat.

Im Rahmen einer Arbeitsgruppe zum Schiedsrichterwesen in Frankreich stellte er eine Studie mit mehreren Vorschlägen zur Verbesserung der Abstimmung der Schiedsrichterentscheidungen und der Beziehungen zwischen den Akteuren auf. Verglichen wurden dabei die Situationen in der Bundesliga und der Premier League.

Das Ergebnis? „Die Organisation des Schiedsrichterwesens ist in der Bundesliga und in der Premier League strukturierter und professioneller“, wurde Gerlinger von L‘Équipe zitiert. Doch der 53-Jährige wurde noch deutlicher und stellte heraus: „Im Bereich Schiedsrichterwesen ist Frankreich dort, wo Deutschland vor zehn Jahren war.“

Kommunikation in der Bundesliga? „Flüssiger und konstruktiver“

Seine Analyse des Schiedsrichterwesens unterteilte Gerlinger in vier Säulen. Neben der professionelleren Organisation durch „verschiedene Unternehmen und Abteilungen“ werde in Deutschland und England auch „die Meinung der Ligen stärker berücksichtigt“. Zudem sei „der Austausch zwischen Schiedsrichtern, Spielern und Trainern flüssiger und konstruktiver“.

Die Säulen drei und vier umfassen demnach einen „besser definierten Handlungsrahmen“ im technischen Verfahren und den Willen, künftig auch die Vorteile von KI auszunutzen.

Das Vorgehen in der Bundesliga konnte Gerlinger lange Zeit aus der Nähe betrachten. Er agierte 18 Jahre lang als Direktor Recht des FC Bayern und war damit die rechte Hand von Karl-Heinz Rummenigge sowie später von Oliver Kahn. Zwischen 2021 und 2023 war er zudem Vize-Präsident des Rekordmeisters.

2023 verließ Gerlinger den Klub jedoch und heuerte bei der Eagle Football Group an. Seitdem ist er Generaldirektor bei Olympique Lyon (Frankreich), Botafogo (Brasilien) und RWD Molenbeek (Belgien).

Gerlinger: „Es gibt ein Problem der Verantwortung“

Der bisherige Höhepunkt der Kritik an den Schiedsrichtern wurde in Frankreich durch zahlreiche Entscheidungen am 24. Spieltag ausgelöst. Besonders Lyon fühlte sich bei der 2:3-Niederlage gegen Olympique Marseille benachteiligt.

„Wir fordern klare Antworten, aber es gibt keine“, erklärte Gerlinger. Mehrere Entscheidungen in der Partie würden demnach den Ärger erklären. „Spieler, Trainer und Verantwortliche müssen professionell sein und Verantwortung für den Fußball übernehmen, aber es gibt auch ein Problem der Verantwortung der Schiedsrichter für ihre Fehler gegenüber den Vereinen und Spielern“, schilderte Gerlinger mit Blick auf die strittigen Entscheidungen der vergangenen Wochen.

Um die Situation in Frankreich zu verbessern, soll die Arbeitsgruppe um Gerlinger ihre Überlegungen im Laufe des Monats einem Gremium der Ligue 1 vorlegen. Die Bundesliga sowie die Premier League bieten dabei klare Orientierung.

Abonniere den Fußball-Newsletter und bleib immer am Ball! Alle Tore, Transfers und News aus den internationalen Top-Ligen direkt in dein Postfach