Es waren Bilder, die beim FC Liverpool nahezu die blanke Panik auslösten. Nach nur vier Minuten ging Jeremie Frimpong im Champions-League-Spiel gegen Qarabag Agdam zu Boden und verzog unter Schmerzen das Gesicht, bevor er das Feld mit einer Oberschenkelverletzung direkt wieder verlassen musste.
Liverpools Problem wird immer größer
Liverpools Problem wird immer größer
„Es ist eine muskuläre Verletzung, aber ich weiß nicht, wie lange er ausfallen wird“, berichtete Reds-Trainer Arne Slot nach dem am Ende trotzdem souveränen 6:0-Sieg am Mittwochabend. Für Frimpong setzt sich somit eine vom Pech verfolgte Debütsaison in Liverpool fort. Bereits zum dritten Mal muss der Niederländer seit seinem Wechsel von Bayer Leverkusen mit Oberschenkelproblemen pausieren und verpasste für Klub und Nationalmannschaft in der Folge 18 Spiele.
Frimpong vergrößert Liverpools Sorgen
Doch nicht nur bei Frimpong sind die Sorgen groß, sie lassen sich in Liverpool derzeit auf die gesamte Defensive übertragen. Rechtsverteidiger Conor Bradley und Innenverteidiger Giovanni Leoni werden den Rest der Saison aufgrund von Knieverletzungen verpassen, während auch Joe Gomez weiter an Hüftproblemen laboriert. Zudem wurde Ibrahima Konaté zuletzt freigestellt, nachdem dessen Vater verstorben war und Trainer Slot bei TNT Sports erklärte, dass sein Schützling eine „sehr traurige“ Zeit durchmache.
In der englischen Presse wird aufgrund dieser Personalnöte deshalb bereits von einem Problem gesprochen, das Slot laut Daily Mail „in den kommenden Tagen Kopfzerbrechen bereiten dürfte“.
Während Gomez und Konaté schon am Samstag gegen Newcastle United (ab 21 Uhr im LIVETICKER) zurückkehren könnten, sei die Situation dennoch „äußerst besorgniserregend - insbesondere für ein Team, das in diesem Monat eine Verpflichtung von Englands Nationalverteidiger Marc Guéhi verpasst hat“.
Weiter schrieb die Boulevardzeitung: „Und genau dieser Mangel an defensiven Verstärkungen bildet das Gegengewicht, das jede ambitionierte Vorstellung davon bremst, in dieser Saison tatsächlich Europas Krone zu erobern.“
Gravenberch in der Innenverteidigung? Liverpool gehen die Optionen aus
Schon ein Blick auf die Aufstellung gegen Qarabag sorgte am Mittwoch für Stirnrunzeln. Mittelfeldspieler Ryan Gravenberch musste in der Königsklasse plötzlich den zentralen Part in der Defensive neben Kapitän Virgil van Dijk ausfüllen.
Nach den Verletzungen von Frimpong und Bradley dürfte der eigentlich deutlich offensiver ausgerichtete Dominik Szoboszlai zukünftig wieder zurück auf die Position des Rechtsverteidigers rücken, die er bereits zu Beginn der Saison häufig ausfüllte. Zudem soll der am Mittwoch für Frimpong eingewechselte Endo laut Slot eine Option für die Defensive sein, auch wenn die Wahl des Niederländers gegen Qarabag auf Gravenberch fiel.
Mit Milos Kerkez und Andrew Robertson stehen den Reds aktuell nur noch zwei gelernte Linksverteidiger sowie ein etatmäßiger Innenverteidiger in Person von Virgil van Dijk zur Verfügung. Muss Liverpool in den letzten Zügen des Wintertransferfensters nun noch einmal nachlegen? Slot zeigte sich auf der Pressekonferenz vor dem Spiel bereits skeptisch.
Wintertransfers? „Sind wir überhaupt in der Lage, das zu ändern?“
„Sind wir überhaupt in der Lage, das zu ändern? Können wir den Kader mit dem verfügbaren Geld und den Möglichkeiten, die wir haben, vergrößern?“, fragte sich der Trainer und meinte: „Vielleicht fehlen uns im Vergleich zur vergangenen Saison ein oder zwei Spieler in der Breite. Wenn man dann noch drei langfristige Verletzungen hinzurechnet, ist das auf einmal eine ganze Menge.“
Darüber hinaus stellte Slot sogar die gewagte These auf, Liverpool sei womöglich in der vergangenen Saison nur Meister geworden, weil man schon im Achtelfinale der Champions League auf den späteren Sieger Paris Saint-Germain traf. „Wie ihr wisst, haben sie uns geschlagen – und wir hatten anschließend jedes Mal eine ganze Woche Zeit, uns auf das nächste Spiel vorzubereiten“, vermutete der 47-Jährige.
Ein Sonderlob gab es hingegen für Van Dijk, der Liverpools letzte Säule in der Abwehr zu sein scheint. „Morgen wird es in der Innenverteidigung keinen gelernten Innenverteidiger geben. Ich kann dort nur einen Mittelfeldspieler einsetzen, weil keine Innenverteidiger verfügbar sind. Abgesehen von Virgil, der einer der Spieler ist, dem ich ein großes Kompliment dafür mache, dass er ständig fit ist“, lobte Slot vor dem Spiel. „In seinem Alter immer wieder bereit zu sein, weitere 90 Minuten zu spielen, sollte man keinesfalls als selbstverständlich ansehen.“