Manchester City hat am Deadline Day nochmal eine gewaltige Menge Geld in die Hand genommen. Dieses Mal hörte der Mega-Transfer auf den Namen Enzo Fernández. Ein Wunschspieler des neuen Trainers Enzo Maresca.
Ein neues Herzstück für 375 Millionen
Ein neues Herz für 375 Millionen
145 Millionen Euro zahlten die Citizens an den FC Chelsea. Damit wurde der Rekord für den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte gebrochen. Und das nur gut zwei Monate, nachdem er das letzte Mal aufgestellt wurde.
Transfer-Rekorde bei Manchester City: Auf Anderson folgt Fernández
Kurz nach der Weltmeisterschaft in Nordamerika wurde Elliot Anderson für 135 Millionen Euro von Nottingham Forest geholt. Danach kam auch noch Ayyoub Bouaddi, der ManCity 95 Millionen Euro kostete, und jetzt Fernández. Die drei Mittelfeldspieler sollen die Abgänge von Rodri, Bernardo Silva, Tijjani Reijnders und Nico Gonzalez kompensieren.
Vor allem Rodri, Herz und Seele nicht nur von ManCity, sondern auch bei Welt- und Europameister Spanien, ist eigentlich nicht zu ersetzen. ManCity versuchte es in diesem Transfersommer mit 375 Millionen. Jetzt ist der Weg frei für eine komplett neu aufgestellte Defensiv-Zentrale. Ohne jegliche Spuren von Pep Guardiola. Kann dieser teure Komplettumbau überhaupt funktionieren?
Wie von Pep Guardiola auf Enzo Maresca umgebaut wird
Die Konstanz, die City in den letzten Jahren auszeichnete, war ein großer Verdienst von Guardiola. Sechs Meistertitel, drei FA-Cup-Siege und zur Krönung die Champions League. Das ist das Werk, das der Spanier in Manchester hinterlässt. Zehn Jahre verbrachte der Erfolgscoach dort. Eine lange Zeit im modernen Fußballgeschäft.
Ein Team, das so lange auf der Ideologie eines Trainers geformt wurde, braucht nach dessen Abgang mitunter eine gewisse Anlaufzeit, um wieder erfolgreich zu sein. Das prominenteste Beispiel ist wohl Manchester United: Nach dem Abgang von Sir Alex Ferguson 2013 konnten die „Red Devils“ nicht mehr an vergangenen Erfolgen anknüpfen. Macht es Maresca jetzt mit seinem 375-Millionen-Mittelfeld besser?
Enzo Maresca – ein bekanntes Gesicht mit einer anderen Idee
Ein Vorteil: Maresca kennt Manchester City zumindest schon. Er arbeitete als Co-Trainer schon in den Saisons 2020/21 und 2022/23 unter Guardiola. Der Verein ist ihm also nicht unbekannt. Laut The Athletic hat Maresca „großen Einfluss auf Transfers – einer der Vorteile, die mit seiner neuen Position einhergehen – und er hat den ganzen Sommer über eng mit Sportdirektor Hugo Viana zusammenarbeitet.“
Eine eigene Philosophie bringt er ebenfalls mit. Anders als Guardiola präferiert der Italiener eine Doppelsechs mit einem klaren Zehner davor und Flügelspieler, die oft ins Dribbling gehen. Bei den Citizens bietet sich Letzteres mit Rayan Cherki und Jeremy Doku sehr gut an.
Etwas anders waren die Voraussetzungen im Mittelfeld: Ohne Rodri im Team wäre es schwierig geworden, einen Spieler zu finden, der die Defensivarbeit und Ballverteilung vor der Abwehr im Alleingang bewältigen kann. Nach den Einkäufen und Umstellungen könnte sich die Idee des Italieners jetzt schneller durchsetzen.
So läuft die Umstellung bei Manchester City
Ein holpriger Start im Community Shield gegen Arsenal (0:3-Niederlage) rückte in den Hintergrund, nachdem man die ersten zwei Spiele der Premier League relativ sorgenfrei für sich entscheiden konnte. Mateo Kovacic rotierte wie erwartet nach dem Spiel gegen den amtierenden Meister aus der Startelf und für ihn übernahm Marc Guéhi neben Elliot Anderson. Eine unerwartete Lösung, den Innenverteidiger im Mittelfeld auflaufen zu lassen. Die Maßnahme zeigt aber auch, dass Maresca seinen Verteidigern viel Vertrauen schenkt.
Im nächsten Spiel gegen Crystal Palace war Nico O’Reilly an der Reihe, das defensive Mittelfeld zu bekleiden. Ebenfalls erfolgreich. Eine Konstante in Marescas Taktiken sind die sogenannten „Inverted Wingbacks“. Ein Spielsystem, in dem die Außenverteidiger ins Mittelfeld aufrücken und beim Aufbauspiel mithelfen. Das sollte eine weitere Stütze für die Sechser sein. Eine Rolle, die von O’Reilly unter Guardiola schon oft gespielt wurde.
Doppelsechs Anderson und Fernández als Grundbaustein
Anderson scheint also gesetzt zu sein. Bisher zumindest mit Erfolg. Er bringt defensive Stabilität und Sicherheit mit. Maresca sprach während der Vorbereitung aber auch von seiner Flexibilität: „Ich sehe ihn als defensiven Mittelfeldspieler, aber er kann auch im offensiven Mittelfeld spielen. Ich mag es wenn Spieler unterschiedliche Positionen spielen können. Elliot kann die 6 und die 8 spielen. Er ist in beiden Positionen gut“. BBC Sport berichtet, dass Maresca den jungen Engländer als „Rodris Nachfolger sieht“.
Neben ihm wird in Zukunft voraussichtlich Fernández auflaufen – nicht nur aufgrund der horrenden Ablöse sondern auch wegen seiner besonderen Verbindung zum Trainer. Denn die beiden Enzos haben bekanntlich eine gemeinsame Vergangenheit bei Chelsea: Bei seinem Wechsel offenbarte der Argentinier: „Wir haben uns beide schon sehr darauf gefreut. Ich habe so viel von ihm gelernt. Er ist den Lateinamerikanern sehr ähnlich. Sehr leidenschaftlich.“
Das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler ist ausgezeichnet, das zeigt auch die Entscheidung des Italieners, den 25-Jährigen bei Chelsea mit dem Kapitänsamt zu belohnen. Fernández würde im Zusammenschluss mit Anderson bei City eine etwas offensivere Rolle einnehmen.
„Wenn wir im Ballbesitz sind, spielt er wie ein offensiver Mittelfeldspieler, und wenn wir nicht im Ballbesitz sind, lässt er sich zurückfallen, um uns zu unterstützen und für defensive Ausgewogenheit zu sorgen“, beschrieb der 46-Jährige seinen Star während seiner Chelsea-Zeit. Den Argentinier zeichnen hohe Ballgewinne und Torgefahr außerhalb des Strafraums aus.
Experte Jamie Carragher sieht im Rekordtransfer den Schlüssel zum Erfolg. „Er verhilft Man City zweifellos dazu, Chelsea zu überholen. Ich glaube, der Verlust von Rodri war ein schwerer Schlag und ich dachte, es würde wirklich schwer werden, sich davon zu erholen“, erklärte der Ex-Liverpool-Star bei Sky Sports: „Aber hätte man am Ende der letzten Saison gesagt, dass sie Elliot Anderson und Enzo Fernández verpflichten würden, hätte man gesagt: Das ist ein Spitzen-Mittelfeld.“
Ein Jahrhunderttalent im Wartestand
Bleibt noch die Frage: Wohin mit Bouaddi? Der Marokkaner kam im Spiel gegen Crystal Palace in den Schlussminuten aufs Feld und übernahm Andersons Platz eins zu eins. Diese Rollenverteilung dürfte sich wohl im Laufe der Saison durchsetzen. Anderson und Fernández in der Startelf mit Bouaddi als Ersatz und Kovacic als dritte und vierte Option.
Maresca betonte bei seinem Transfer: „Es besteht kein Grund zur Eile für ihn, er kommt aus einem anderen Land und muss sich erst eingewöhnen. Wir übern keinen Druck auf ihn aus“. Mit seinen erst 18 Jahren muss sich Bouaddi trotz Mega-Ablöse wohl erstmal noch hinten anstellen.
Trotz seiner Jugend kann er schon erstaunliche Erfahrung vorweisen – bei der WM war er einer der Shootingstars. Bei Lille war er eine feste Größe auf dem Weg zum dritten Platz und der direkten Qualifikation für die Champions League in der vergangenen Saison. Seine Ruhe am Ball, seine Fähigkeit, sich aus Drucksituationen zu lösen und seine Übersicht im Aufbauspiel zeichnen ihn besonders aus. Maresca schwärmte schon: „Er ist ziemlich ruhig. Man sieht ihm seine 18 nicht an. Er ist sehr reif für sein Alter“.