Das Transfer-Fiasko rund um Folarin Balogun hallt weiter nach. Nachdem der Wechsel des US-Amerikaners von der AS Monaco zum FC Everton am Deadline Day spektakulär gescheitert ist, hat Monacos Generaldirektor Thiago Scuro inzwischen Einzelheiten des turbulenten Ablaufs verraten. Und in England hagelt es Kritik für Everton seitens der Presse und Fans. Aber der Reihe nach.
Transfer-Fiasko hallt in England nach: "Ein Meisterwerk der Inkompetenz"
„Ein Meisterwerk der Inkompetenz“
Laut übereinstimmenden Medienberichten hatten sich die Klubs am Dienstag auf einen 45-Millionen-Euro-Wechsel des Angreifers geeinigt. Balogun sollte die Lücke im Angriff schließen, die der Abgang von Beto zur AC Florenz hinterlassen hatte. Doch beim Medizincheck traten Komplikationen auf. Dies bestätigte auch Scuro.
Monaco-Boss wird deutlich: „Fragen, die absolut keinen Sinn ergaben“
„Gegen 19 Uhr kontaktierte uns Everton mit einigen Fragen zu Baloguns Medizincheck“, sagte der Monaco-Boss in einer Presserunde. „Fragen, die sowohl für unser medizinisches Team als auch für den persönlichen Arzt des Spielers absolut keinen Sinn ergaben.“
Und Scuro wurde deutlich: „Die gegebenen Erklärungen rechtfertigten in keiner Weise Bedenken hinsichtlich der Zukunft des Spielers, denn solche gab es nicht.“
Es folgte demnach ein Austausch zwischen den medizinischen Abteilungen beider Teams. Zudem konsultierte Everton in den folgenden zwei bis drei Stunden weitere Ärzte. Währenddessen rückte die Deadline immer näher. Die Toffees beantragten eine Verlängerung der Frist, um die Formalitäten zu klären.
Balogun hatte Bedenken und unterschrieb nicht
„Ich habe den Vertrag unterschrieben. Everton hat den Vertrag unterschrieben. Doch im letzten Moment entschied sich der Spieler gegen die Unterschrift“, erklärte Scuro und berichtete von Baloguns Bedenken.
Er habe sich unwohl gefühlt mit der Art und Weise, wie Everton ihn behandelt habe. Er sei zudem beunruhigt gewesen über die Zweifel, die Evertons Ärzteteam bezüglich seiner Zukunft und seiner Gesundheit geäußert hätten, führte Scuro weiter aus. Daher sei Balogun nicht bereit gewesen, den Vertrag zu unterschreiben.
Everton hatte unterdessen kurzfristig noch versucht, den Ex-Bayern-Profi Joshua Zirkzee als Alternative von Manchester United auszuleihen, aber der englische Rekordmeister ließ den Niederländer nicht ziehen. Eine weitere Notlösung wäre laut The Athletic Tammy Abraham von Aston Villa gewesen, aber auch er blieb letztlich bei seinem Klub.
Zwar konnten die Toffees erneut Jack Grealish von Manchester City ausleihen und die Vakanz auf der Rechtsverteidigerposition mit der Verpflichtung von Ainsley Maitland-Niles lindern, nachdem zuletzt der Ex-Freiburger Merlin Röhl auf dieser für ihn ungewohnten Position ausgeholfen hatte.
„Evertons Transferperiode ist ein Meisterwerk der Inkompetenz“
Doch vor allem die gescheiterten Versuche bei der Verpflichtung eines neuen Angreifers sorgten auf der Insel für Kritik. „Evertons Transferperiode ist ein Meisterwerk der Inkompetenz“, kommentierte der Telegraph das Fiasko am Deadline Day.
Auch die Fans der Toffees machten ihrem Frust Luft. Das „Everton Fans‘ Forum“, das sich als Bindeglied zwischen Anhängern und Klub versteht, kritisierte in einem Statement, dass der Kader auf Schlüsselpositionen „gefährlich unterbesetzt“ sei.
„Der Abschluss des diesjährigen Sommer-Transferfensters wirft bei den Everton-Anhängern ernsthafte Fragen hinsichtlich der Planung, der Spielerverpflichtungen und der Entscheidungsfindung des Vereins auf“, hieß es darin weiter. Es gehe nicht darum, rücksichtslos Geld auszugeben, aber: „Wir fordern Kompetenz, Vorbereitung und Verantwortungsbewusstsein.“
Frust bei Everton-Fans
Auch die einflussreiche Gruppe „The 1878s“ reagierte „absolut enttäuscht“ auf den Verlauf der Transferperiode. Doch bei all dem Unmut wollen die Fans weiterhin die Etikette wahren: „Wenn wir eine Menge Fahnen ins Stadion bringen könnten, um unsere Gefühle von Unmut, Enttäuschung und Wut über diese ganze Situation zu zeigen, glaubt uns, wir würden es tun, aber das ist einfach etwas, das nicht erlaubt wäre.“
Mit einem Sieg gegen Crystal Palace und einem Unentschieden bei Bournemouth ist die Mannschaft von David Moyes in der Premier League immerhin gut aus den Startlöchern gekommen. Bei der kommenden Partie gegen Manchester United am Sonntag (15.00 Uhr im LIVETICKER) könnte es im Hill Dickinson Stadium dennoch etwas ungemütlich werden.