Hat 117-Millionen-Mann Grealish die letzte Chance verspielt?

117-Millionen-Mann fliegt aus dem Kader
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117-Millionen-Mann fliegt aus dem Kader

Jack Grealish sorgt wieder für negative Schlagzeilen. Der einstige 117-Millionen-Mann steckt endgültig in der Sackgasse fest.

Es ist gerade einmal knapp ein Jahr her, als sich in England viele Fußball-Fans verwundert die Augen rieben. Nichtsahnend saß Jack Grealish im Sessel, als sich die Everton-Profis vor laufender Kamera für ein Klubinterview vorbereiteten. Plötzlich bekam er die Trophäe als „Spieler des Monats August 2025“ in der Premier League überreicht. Alles sah nach dem märchenhaften Comeback eines ehemaligen Weltklasse-Spielers aus. Doch nun ist klar: Es war nur ein kurzes Aufbäumen. Grealish hat stattdessen seinen Tiefpunkt erreicht.

Der frühere englische Nationalspieler (39 Länderspiele, das letzte 2024) fehlte beim 3:1-Erfolg der Toffees am Wochenende im Carabao Cup gegen Newcastle United überraschend im Kader. Der Klub gab sich erst gar keine Mühe, die Gründe zu verheimlichen. „Jack Grealish steht wegen eines Verstoßes gegen die Vereinsdisziplin nicht zur Auswahl“, teilte Everton mit.

Jack Grealish flog aus dem Kader bei Everton
Jack Grealish flog aus dem Kader bei EvertonJack Grealish flog aus dem Kader bei Everton© IMAGO/Sports Press Photo

Grealish fliegt beim FC Everton aus dem Kader

Nach übereinstimmenden Medienberichten soll Grealish zu Wochenbeginn unerlaubt eine Trainingseinheit verpasst haben. Trainer David Moyes bestätigte nach der Partie die Sanktion, wollte jedoch keine Details nennen.

Grealish kehrte nach seiner Abwesenheit am Montag zum Training von Everton zurück, muss jedoch mit einer hohen Geldstrafe rechnen und hat nun jeglichen Kredit verspielt. Es ist der Tiefpunkt nach einem rasanten Abstieg eines Mannes, der noch im Sommer 2021 satte 117,5 Millionen Euro kostete und als die ganz große Hoffnung der englischen Nationalmannschaft galt.

Die kaum bekannte Seite von Jack Grealish

Eine entscheidende Rolle beim Abstieg spielt dabei das Ansehen des 31-Jährigen in England. In den Medien wird der Offensivstar immer wieder als unprofessionell und schwierig dargestellt. Dabei hat Grealish auch ganz andere Seiten, die kaum erwähnt werden. Bei seinen Teamkollegen genießt er stets riesiges Ansehen und neben dem Platz überzeugt er mit großem sozialen Engagement.

Seine Schwester Hollie hat eine Bewegungs- und Haltungsstörung namens Zerebralparese und ist stark eingeschränkt. Grealish setzt sich deshalb immer wieder für die Behandlung der Krankheit ein. Bei Begegnungen mit Betroffenen blüht er auf.

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Sein jüngerer Bruder Keelan starb im Alter von neun Monaten. Jack war da auch erst vier Jahre alt. Schon als Kind spendete Grealish seine Pokale an Schulen, damit sie zu Ehren des verstorbenen Familienmitglieds echte Preise für Wettbewerbe vergeben können. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung spielt das kaum eine Rolle.

Supertalent, Rekord-Transfer und Partymonster

Bei seinem Heimatverein Aston Villa startete der Rechtsfuß als Jungprofi durch. Das fiel dem englischen Verband auf und überredete das Juwel, ab der U21 nicht mehr für Irland zu spielen.

Sein Mega-Wechsel zu Manchester City machte ihn 2021 sogar zum teuersten englischen Spieler der Geschichte. Auch für die Citizens war es seinerzeit der Rekorddeal in der Vereinsgeschichte. Erst im Sommer waren Elliot Anderson (125 Mio.) und dann Enzo Fernández (145 Mio.) teurer.

Mit 25 Jahren hatte Grealish damals seine besten Jahre noch vor sich. Gleichzeitig lasteten riesige Erwartungen auf ihm. In der Triple-Saison 2022/23 war der Dribbelkünstler mit fünf Toren und elf Vorlagen noch einer der Schlüsselspieler, mit seinem Party-Marathon bestimmte er anschließend die Schlagzeilen.

Jack Grealish hat in England wegen Auftritten wie diesem im Sommer 2023 nach dem Triple den Ruf als Partyheld
Jack Grealish hat in England wegen Auftritten wie diesem im Sommer 2023 nach dem Triple den Ruf als PartyheldJack Grealish hat in England wegen Auftritten wie diesem im Sommer 2023 nach dem Triple den Ruf als Partyheld© IMAGO/Sportimage

Absturz und bei der EM 2024 nicht einmal für England nominiert

Doch dann nahm der Absturz immer mehr Fahrt auf. Dass Englands damaliger Nationalcoach Gareth Southgate bei der EM 2024 auf ihn verzichtete, war angesichts seiner schwachen Form keine Überraschung – für Grealish selbst aber ein schwerer Schlag.

Die Saison danach war eine Enttäuschung. Seine Gesamtbilanz von drei Toren und fünf Vorlagen in 32 Pflichtspielen war alles andere als zufriedenstellend. Zur Klub-WM in den USA reiste der 39-malige Nationalspieler 2025 schließlich nicht mehr mit, sondern hielt sich individuell fit.

Leihe zum FC Everton als Glücksgriff – zunächst

Doch dann erwies sich die Leihe zu Everton als Glücksgriff – zunächst. Grealish drehte auf wie zu besten Zeiten, wurde von den Fans gefeiert und hatte das totale Vertrauen von Coach David Moyes. „Wir wissen, dass er ein Rebell sein kann, aber er ist ein wirklich guter Kerl“, sagte der Trainer über seinen Star.

Auch die Klub-Bosse bauten eine besondere Verbindung auf. Angus Kinnear, Geschäftsführer von Everton, erklärte bei BBC Radio: „Die Fans und die Mannschaft haben ihn mit offenen Armen aufgenommen und wie einen der Unseren behandelt.“

Jack Grealish (r.) lagen die Herzen der Fans beim FC Everton zunächst zu Füßen
Jack Grealish (r.) lagen die Herzen der Fans beim FC Everton zunächst zu FüßenJack Grealish (r.) lagen die Herzen der Fans beim FC Everton zunächst zu Füßen© IMAGO/Propaganda Photo

Bei den Toffees erzielte Grealish in 20 Einsätzen zwei Tore und lieferte sechs Vorlagen, bevor er sich im Januar eine Fußverletzung zuzog, die das Saisonende für ihn bedeutete. Es ging kurz zu Manchester City zurück. Im Sommer 2026 folgte dann die zweite Leihe nach Everton.

Wie geht es für Grealish weiter?

Nach einer Reservistenrolle zu Saisonstart kämpfte sich der Engländer zuletzt wieder in die Startelf, kam jedoch auf keine Torbeteiligungen. Jetzt auch noch der große Fehltritt, der die Zukunft ungewisser denn je erscheinen lässt.

Denn der englische Nationalspieler ist noch immer sehr teuer: Grealish streicht ein üppiges Wochengehalt von 300.000 Pfund ein, dazu zahlt Everton rund 12 Millionen Pfund für die Leihe in diese Saison. Doch solche Summen dürften schon bald der Vergangenheit angehören.

Sein Vertrag bei Manchester City läuft nach der aktuellen Saison aus. Interessenten dürfte es mit dann fast 32 Jahren kaum noch geben – gerade wenn sich zu fehlender Leistung auch noch Disziplinprobleme gesellen.

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