Von Hansi Flick aussortiert: Araújo strahlt in England

von SPORT1
Liverpool-Coach verteidigt Wirtz
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Liverpool-Coach verteidigt Wirtz

Ronald Araújo wird beim FC Barcelona lange von ernstzunehmenden Problemen verfolgt. Beim FC Liverpool erlebt die Ausnahmeerscheinung eine persönliche Renaissance.

Plötzlich ist Ronald Araújo im Strafraum aufgetaucht. Eine schnelle Drehung, ein Pass mit der Hacke, eine wunderbare Vorlage – und Dominik Szoboszlai stand frei vor dem Tor.

Der erstaunlich geschmeidige Assist des kräftigen Verteidigers bescherte dem FC Liverpool nicht nur einen wichtigen Treffer. Er steht auch sinnbildlich für den unübersehbaren Aufwärtstrend eines Fußballers, der in den vergangenen Jahren vor ernstzunehmenden Herausforderungen außerhalb des Platzes stand.

Ronald Araujo überzeugt Liverpool bereits
Ronald Araujo überzeugt Liverpool bereitsRonald Araujo überzeugt Liverpool bereits© IMAGO/Every Second Media

Anfang September setzten sich die Reds in der Champions League gegen Atlético Madrid mit 2:1 durch, Araújos Geniestreich sorgte für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Torschütze Szoboszlai attestierte seinem neuen Teamkollegen einen glänzenden Start und witzelte: „Jetzt müssen wir ihn nur noch fragen, ob es Absicht war.“

Sorgt Araújo für einen 55-Millionen-Transfer?

Klar ist: Der uruguayische Nationalspieler hat sich beim FC Liverpool in kürzester Zeit in den Fokus gespielt. Der vom FC Barcelona bis zum Saisonende ausgeliehene Abwehrhüne kam bislang siebenmal zum Einsatz und überzeugt seinen Trainer Andoni Iraola mit seiner Flexibilität und Einstellung.

Spielte er in seinen ersten beiden Partien in der Premier League noch im Abwehrzentrum, ist er mittlerweile als rechter Außenverteidiger gesetzt. Der 27-Jährige erhält dort regelmäßig den Vorzug vor dem Niederländer Jeremie Frimpong.

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„Ich finde, er verteidigt seine Seite wirklich gut, und manchmal unterschätzen wir auch seine Offensivqualitäten, weil er Innenverteidiger ist“, schwärmte Iraola jüngst. Araújos Wechsel auf die Insel kam etwas überraschend, entpuppt sich bisher aber als echter Volltreffer.

Die Reds besitzen eine Kaufoption über 55 Millionen Euro – und schon jetzt wird über eine feste Verpflichtung nachgedacht, berichtet unter anderem Mundo Deportivo. „Der uruguayische Innenverteidiger hat es geschafft, seine Chancen zu nutzen, und seine Bedeutung für die Pläne der englischen Mannschaft wird immer deutlicher“, schreibt die in Barcelona ansässige Zeitung.

Depressionen und Verletzungen stoppen Araújo

Dabei war Ronald Federico Araújo da Silva, wie er mit vollständigem Namen heißt, vor nicht allzu langer Zeit ein unfreiwilliger Problemfall. Angstzustände und Depressionen zwangen ihn zu einem zwischenzeitlichen Abschied vom Fußball. Der Uruguayer nahm sich im Dezember 2025 eine Auszeit, um seine mentalen Schwierigkeiten zu bekämpfen. Anschließend verlor er seinen Stammplatz unter Barcelonas Trainer Hansi Flick.

Araújo kehrte im Januar zurück ins Mannschaftstraining der Blaugrana. Im Februar brach er sein Schweigen über seine anhaltenden psychischen Probleme. Dabei offenbarte er, dass er „anderthalb Jahre unter Angstzuständen litt, die sich zu einer Depression entwickelten“. Trotzdem hatte er zunächst weiter Fußball gespielt.

Bis zu einer folgenschweren Roten Karte in der Champions League gegen Chelsea. Die Kritik und die Anfeindungen, die er nach der Partie erfuhr, brachten das Fass zum Überlaufen: „An diesem Tag wurde mir klar, dass es so weit war, dass ich mit Fachleuten und dem Verein sprechen musste, damit sie mir helfen konnten“, enthüllte der Verteidiger.

Die Zwangspause passte leider ins Bild, denn auch körperliche Probleme hatten Araújo zuvor immer wieder zurückgeworfen. An einen normalen Rhythmus war selten zu denken, zahlreiche Blessuren vom Knöchel bis zum Handgelenk plagten den 1,92-Meter-Mann.

Auch als Kapitän meist nur Ersatz

Nach Araújos Rückkehr in den Spielbetrieb ernannte ihn Flick offiziell zum Kapitän. Bisheriger Spielführer war Marc-André ter Stegen, der wechselte aber nach einer langen Verletzung zu Girona, da er seinen Stammplatz an Joan Garcia verloren hatte.

Die Kapitänsbinde geht bei spanischen Mannschaften häufig an die dienstältesten Profis und Araújo wechselte schon 2018 in die Barca-Jugend. Eine Garantie für mehr Spielzeit war aber auch die Beförderung nicht. In der zweiten Saisonhälfte absolvierte er zuletzt nur 13 Partien. Nur vier davon von Beginn an und nur zwei über 90 Minuten.

Auch bei der WM durfte der 27-Jährige nur zuschauen. Obwohl er in Marcelo Bielsas Uruguay-Kader berufen wurde, musste Araújo wegen einer Muskelverletzung das frühe WM-Aus von der Tribüne miterleben.

Eine Ausnahmeerscheinung beim FC Barcelona

Und so rückte ein Abschied näher. Flick erklärte, dass er „Ronald für einen tollen Kerl und großartigen Kapitän“ halte. Es gab aber offenbar fußballerische Differenzen: „Unsere Spielweise unterscheidet sich von der, die er vertritt.“ Und: Er habe nicht so häufig auf seinen Spielführer zurückgreifen können, wie er sich das gewünscht hätte.

Ins Detail ging Flick zwar nicht, eine Erklärung für die Aussage liegt aber auf der Hand: Bei Barca war Araújo immer eine Ausnahmeerscheinung. Der Südamerikaner unterscheidet sich sichtlich von den meisten anderen Spielern in den Reihen der Katalanen – und gemeint sind damit nicht die wahlweise knallend blauen, pinken oder auch silbergefärbten Haare.

Arajúo war im mit eleganten und wendigen Technikern besetzten Starensemble stets die Antwort auf fehlende Physis, der auch im Luftzweikampf für Dominanz sorgen konnte. Aktuell ist er einer der statistisch gesehen acht besten Kopfballspieler der Premier League.

Doch Zweikampfhärte wird in England deutlich mehr bewundert als in Spanien. Beste Voraussetzungen also für einen Neustart?

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